Neue Wohngebiete in Viersen: Zwischen Baggern und Bodenschätzen

Archäologische Funde im „Kronenfeld“ und Ratsbeschluss ebnen den Weg für zwei große Wohnbauprojekte.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Alt-Viersen steht vor einem wichtigen Entwicklungsschritt: Mit dem Satzungsbeschluss für die Baugebiete „Kronenfeld“ an der Greefsallee und „Am Salbruch“ im Bereich Auf dem Baer hat der Stadtrat den Weg für dringend benötigten Wohnraum geebnet. Doch bevor hier Bagger anrollen und Häuser entstehen, hat der Blick in die Vergangenheit eine unerwartete Rolle gespielt.

Bereits im vergangenen Jahr wurden im zukünftigen Baugebiet „Kronenfeld“ umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt. Hintergrund war die Vermutung, dass sich in diesem Areal Bodendenkmäler befinden könnten. Diese Annahme bestätigte sich eindrucksvoll: Archäologen stießen auf die Überreste einer römischen Siedlung sowie Spuren einer noch älteren Besiedlung aus der Eisenzeit. Ergänzt wurden die Funde durch einzelne Relikte aus dem Mittelalter, die ein vielschichtiges Bild der historischen Nutzung des Geländes zeichnen.

Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, wurden die bekannten Fundstellen im Bebauungsplan entsprechend gekennzeichnet. Aktuelle Bauarbeiten in diesen Bereichen müssen daher archäologisch begleitet werden. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass bedeutende Funde dokumentiert und geschützt werden, ohne die Entwicklung des neuen Wohngebietes grundsätzlich zu behindern.

„Die archäologischen Untersuchungen dauern derzeit noch an und werden voraussichtlich vor Beginn der Erschließungsmaßnahme (Herstellung Kanal, Straßen, Versorgung) abgeschlossen sein. Bisher konnten wenige Siedlungsbefunde und kleinere Artefakte festgestellt werden“, so die GMG auf Anfrage.

Es ist ein Balanceakt zwischen Fortschritt und Bewahrung, den die Stadt Viersen bewusst eingeht.
Eine zentrale Rolle bei der Freilegung der historischen Strukturen spielte die GMG Viersen als Erschließungsträger. In ihrem Auftrag führte die Firma Goldschmidt aus Düren großflächige Ausgrabungen durch und trug maßgeblich zur Sicherung und Dokumentation der archäologischen Funde bei.

Parallel zu diesen Untersuchungen nimmt die städtebauliche Planung weiter Gestalt an. In seiner Sitzung am 17. März 2026 folgte der Rat der Stadt Viersen der Empfehlung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Planung und beschloss die Bebauungspläne für beide Gebiete als Satzung.

Im nächsten Schritt übernahm die GMG Viersen die Koordination der baulichen Erschließung. Dabei setzt man auf eine bewährte Partnerschaft mit der NEW-Gruppe: Während die NEW AG für die Verlegung der Abwasserkanäle zuständig ist, übernimmt NEW-Netz den Ausbau der Infrastruktur für Strom- und Wasserversorgung. Die GMG selbst verantwortet den Straßenbau sowie die moderne Niederschlagswasserentwässerung.

Der Zeitplan ist ambitioniert, aber realistisch: Läuft alles wie vorgesehen, kann bereits im Jahr 2027 mit dem individuellen Hochbau begonnen werden. Damit rückt die Schaffung neuen Wohnraums in greifbare Nähe; ein wichtiger Schritt angesichts steigender Nachfrage und wachsender Bevölkerungszahlen.
Auch die Vermarktung der Baugebiete steht bereits in den Startlöchern. Im Rahmen der Immobilienmesse „Viersen baut“, die am 20. und 21. Juni 2026 stattfindet, wird die GMG Viersen die neuen Wohnflächen erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel