Mord, Musik und Macht: André Schmitz verlegt seinen neuen Thriller in die Welt der Oper

Ein süßlich-chemischer Geruch, der Tränen in die Augen treibt, ein Mord mitten in einer Opernaufführung und ein Täter, der nicht einfach nur zuschlägt, sondern seine Verbrechen nach einem eigenen, verstörenden Drehbuch arrangiert.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Mit seinem neuen Thriller „Die Falsche Besetzung“ rückt der Dülkener Autor André Schmitz erneut in die Nähe jener Abgründe, die ihn als Krimiautor interessieren und die doch immer auch etwas mit Ordnung, Rollen, Urteil und Selbsttäuschung zu tun haben. Der Roman ist im Verlag BoD – Books on Demand erschienen, umfasst 420 Seiten, Paperback, ISBN-13 9783769362848. Der Preis liegt bei 17,99 Euro.

Schon der Auftakt des Buches lässt keinen Zweifel daran, dass Schmitz diesmal einen besonders dichten und atmosphärisch aufgeladenen Schauplatz wählt. Köln, Opernhaus, Publikum, Musik, feierlicher Rahmen und dann ein Verbrechen, das den Raum auf brutale Weise zerreißt. Was zunächst wie ein einzelner, grausamer Fall wirkt, entwickelt sich rasch zu einer Serie. Der Täter meldet sich, und er tut es nicht mit einem flüchtigen Hinweis oder einem zufälligen Detail, sondern mit verschlüsselten Botschaften. Damit verschiebt sich die Sache aus dem Bereich des bloßen Ermittlungsfalls in den Bereich der Inszenierung. Wer hier tötet, will nicht nur beseitigen, sondern auch lenken, irritieren, deuten lassen. Genau darin liegt die Spannung dieses Thrillers: in der Frage, was der Täter eigentlich mitteilt … und warum.

Die Ermittlungen übernimmt Kriminalhauptkommissar Malcom Millowitsch mit seinem Team. Schmitz führt seine Leserinnen und Leser damit in ein Umfeld zurück, das bereits aus seinem ersten Thriller bekannt ist. Ende 2022 erschien „Der Heiligenbildmörder“, das Erstlingswerk des Autors im Krimi- und Thrillerfach im Viersener Kater Literaturverlag. Danach wurde er gefragt, ob er mit den Figuren und Charakteren eine weitere Geschichte erzählen wolle. Aus dieser Nachfrage ist nun ein zweiter Roman entstanden, der zwar dieselben Ermittler in Stellung bringt, sich aber zugleich so konzipiert, dass er eigenständig und unabhängig vom Vorgänger gelesen werden kann. Das ist nicht nur für treue Leser ein Vorteil, sondern auch für alle, die erst jetzt in Schmitz Thrillerwelt einsteigen.

Dass die Handlung in die Oper führt, ist kein zufälliger Griff nach einer dekorativen Kulisse, sondern Ergebnis einer Idee, die aus mehreren Ebenen gespeist wird. Schmitz verweist auf einen biografischen Aspekt seines Ermittlers: Die Eltern von Malcom Millowitsch sind beziehungsweise waren bekannte Operndarsteller und Musiker. Dieser Umstand war bereits im ersten Buch angelegt und bot nun den gedanklichen Ausgangspunkt für einen Roman, der sich konsequent im Opernmilieu entfaltet. Die Wahl dieses Schauplatzes ist dabei mehr als bloß stimmungsvoll. Die Oper vereint heitere, leichte Formen ebenso wie düstere, tragische Stoffe, in denen Verzweiflung, Verrat, Machtanspruch und Tod seit Jahrhunderten auf der Bühne verhandelt werden. Wer dort einen Thriller ansiedelt, muss nicht künstlich nach großen Gefühlen suchen; sie sind im Genre- und Ortsspeicher bereits angelegt. Schmitz nutzt diese Spannung zwischen Kunstform und Verbrechen, um einen Fall zu erzählen, der über den kriminalistischen Reiz hinaus auch eine kulturkritische Dimension erhält. Es geht um Macht, um Urteilskraft, um die gefährliche Überzeugung, sich selbst und andere richtig einordnen zu können.

Dass der Autor für diese Konstellation nicht allein auf Fantasie setzt, sondern auf Recherche, gehört ebenfalls zu den Fakten rund um das Buch. Schmitz besuchte für seine Arbeit mehrere Opernhäuser und machte sich auch ein Bild von der weltgrößten Seebühne in Bregenz. Gerade diese Verbindung aus lokaler Ermittlungsarbeit und weit ausgreifenden Schauplätzen dürfte dem Roman zusätzliche Bewegung verleihen. Zwar bleibt die Heimatdienststelle des Teams in Köln verankert, doch die Ermittlungen führen die Figuren auch nach Düsseldorf, Bregenz und Bayreuth. Der Fall bekommt dadurch einen Raum, der über die Stadtgrenzen hinausreicht und zugleich verschiedene kulturelle Orte miteinander verbindet: von der rheinischen Großstadt über die Alpenregion bis in das traditionsreiche Festspielumfeld.

Die Eckdaten des Buches sprechen für eine Veröffentlichung, die sich klar im Segment der Krimis und Thriller positioniert. Doch hinter diesen nüchternen Angaben steht ein Autor, der nicht aus dem literarischen Nichts kommt, sondern aus einer ganz anderen beruflichen und kreativen Erfahrung. Schmitz ist pensionierter Polizeihauptkommissar. Schon vor seinen beiden Thrillern schrieb er über Jahre hinweg humoristische Theaterstücke für die Bühne und veröffentlichte mehrere Bücher. Zu seinem früheren Werk zählen zudem Nachtwächtergeschichten unter dem Titel „Napoleon in Dülken“ sowie die Theaterstücke „Narrentheater“, „Narrenschauspiel“ und „Narrenkomödie“. Diese Spannweite erklärt vielleicht auch, warum seine neuen Kriminalromane nicht nur auf Handlung, sondern ebenso auf Atmosphäre, Beobachtung und eine gewisse Genauigkeit im Blick für Rollen, Gesten und soziale Masken setzen.

Nach der Veröffentlichung von „Der Heiligenbildmörder“ wurde Schmitz Mitglied im Syndikat, der Vereinigung für deutschsprachige Kriminalliteratur. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass sich sein Schreiben inzwischen fest in diesem Genre verortet hat. Zugleich bleibt er ein Autor, der mit unterschiedlichen Formen gearbeitet hat und dessen Blick auf Bühne und Inszenierung nicht erst mit dem Thriller begann. Vielleicht erklärt sich daraus auch der besondere Ton von „Die Falsche Besetzung“: Ein Roman, in dem die Welt der Oper nicht bloß Kulisse ist, sondern Resonanzraum für eine Geschichte über Verstellung, Hierarchie und jene Momente, in denen der Mensch sich selbst überschätzt. Wer mehr über den Dülkener Autor und seine Veröffentlichungen erfahren möchte, findet weitere Informationen auf seiner Website nachtwaechter-duelken.de. (nb)

Foto: Privat