Mit Kaffee, Kuchen und vertrauten Melodien hat das „Café Sonnenschein“ der Senioreninitiative „Miteinander–Füreinander“ Süchteln am Sonntag erneut viele Menschen ins Josefshaus gelockt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Süchteln – Der Nachmittag im kleinen Saal stand wieder ganz im Zeichen der Begegnung: Besucherinnen und Besucher aus Süchteln und Umgebung nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, alte Bekanntschaften aufzufrischen und neue Kontakte zu knüpfen. Begleitet von Live-Musik, die Erinnerungen wachrief und zum Mitsingen einlud, entwickelte sich ein geselliger Treffpunkt, der den Gedanken des gemeinschaftlichen Miteinanders in anschaulicher Weise mit Leben füllte.
Schon zur Kaffeezeit füllte sich der Raum mit lebhaftem Stimmengewirr, dem Klirren von Tassen und dem Geruch frisch gebackenen Kuchens. Das Angebot des Kuchenbuffets wurde ebenso gut angenommen wie der Kaffee, der gegen einen kleinen Obolus ausgegeben wurde. Viele nutzten die Gelegenheit, sich an einen Tisch zu setzen, ins Gespräch zu kommen oder einfach gemeinsam dem Programm zu folgen.

Den musikalischen Rahmen übernahmen Küppi & Friends, deren Repertoire sich vor allem aus bekannten Stücken der 1960er- und 1970er-Jahre zusammensetzte. Mit Songs von den Beatles, den Rolling Stones und weiteren Größen jener Jahrzehnte trafen die Musiker hörbar den Geschmack des Publikums. Immer wieder setzten spontane Reaktionen im Saal ein: Einige Gäste sangen leise mit, andere wippten im Takt, manche ließen sich von den vertrauten Rhythmen zu kleinen Schunkelbewegungen hinreißen.
Im Mittelpunkt stand jedoch nicht nur die Unterhaltung, sondern vor allem das soziale Miteinander. Die Senioreninitiative „Miteinander–Füreinander“ versteht ihre Arbeit seit jeher als Beitrag dazu, ältere Menschen nicht nur zusammenzubringen, sondern ihnen auch Räume zu eröffnen, in denen Teilhabe selbstverständlich ist. Genau dieses Prinzip war im Josefshaus deutlich zu spüren. Das Café Sonnenschein ist nicht bloß ein geselliges Treffen bei Kaffee und Kuchen, sondern Teil einer länger angelegten Arbeit, die auf Kontakt, Verlässlichkeit und gegenseitige Unterstützung setzt.
Die Initiative, die in Süchteln seit dem Jahr 2000 besteht, gehört zu einem größeren Projektzusammenhang, der in Viersen in Kooperation zwischen der Stadt und dem Caritasverband für die Region Kempen-Viersen e.V. entstanden ist. In Süchteln, Dülken, Boisheim und Alt-Viersen entwickelten sich daraus eigenständige Strukturen, die sich in den jeweiligen Stadtteilen fest verankerten. Heute bestehen die Initiativen aus mehr als 100 unterschiedlichen Interessengruppen, in denen sich Menschen nach ihren Neigungen, Fähigkeiten und Interessen zusammenschließen können. Das Spektrum reicht dabei von kulturellen und geselligen Formaten bis hin zu Angeboten, die praktische Hilfe und Gemeinschaft miteinander verbinden.
Die Grundidee hinter „Miteinander–Füreinander“ ist dabei klar umrissen: Das Leben nach Beruf und Familienphase soll nicht als Rückzug, sondern als gestaltbare Zeit verstanden werden. Selbstbestimmung, Freiwilligkeit und Eigenverantwortung bilden die Leitlinien der Arbeit. Die Beteiligten sehen sich nicht als bloße Empfänger von Angeboten, sondern als Menschen, die mitplanen, mitentscheiden und mitgestalten wollen. Die Leitsätze „Ich für mich“, „Ich mit anderen für mich“, „Ich mit anderen für andere“ und „Andere mit anderen für mich“ beschreiben diesen Gedanken in einer knappen Form, die im Alltag der Initiative konkret wird. Das Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Erfahrung, Zeit und Engagement nicht ungenutzt bleiben, sondern der Gemeinschaft zugutekommen.
Das Café Sonnenschein verdeutlichte damit auch, weshalb Projekte wie „Senioren Miteinander–Füreinander“ über die Jahre Bestand haben. Sie reagieren auf ein gesellschaftliches Bedürfnis, das mit dem Alter keineswegs verschwindet: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Ansprache, nach einer Aufgabe und nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Die Initiative setzt an dieser Stelle an und schafft Rahmenbedingungen, in denen ältere Menschen ihre Interessen einbringen und soziale Beziehungen pflegen können. Gerade in einer Zeit, in der viele Lebensläufe stärker individualisiert verlaufen, gewinnen solche Orte der Verbindlichkeit an Bedeutung. Das Café Sonnenschein erfüllte damit erneut seinen Namen: Es brachte Licht in einen gewöhnlichen Sonntag ganz nach dem Motto: „Lieber gemeinsam als einsam“. (sk)





