Die neue Schützensaison am Grenzweg hat begonnen: Mit dem traditionellen Schützenbaumsetzen an der Niers hat die St. Konrad Schützengilde Grenzweg e.V. am Sonntag Mitglieder und Freunde des Vereins zusammengeführt und zugleich ihre neuen Nachwuchsmajestäten ermittelt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Willich/Viersen – Hach wie schön, das Sommerbrauchtum nimmt wieder Fahrt auf. Unter den Klängen angeregter Gespräche wurde gestern am Grenzweg der Schützenbaum aufgerichtet; jenes sichtbare Zeichen, das seit Jahrzehnten den Auftakt der Schützensaison markiert. Das Schützenbaumsetzen gehört daher seit vielen Jahren zu den festen Terminen im Kalender der St. Konrad Schützengilde Grenzweg und besitzt innerhalb des Vereinslebens einen besonderen Stellenwert.
Parallel zum traditionellen Auftakt der Saison richteten sich die Blicke insbesondere auf den Schützennachwuchs. Beim Ausschießen der neuen Bambini- und Schülermajestäten zeigte sich einmal mehr, welchen Stellenwert die Jugendarbeit innerhalb der Gilde besitzt. Mit Spannung verfolgten Eltern, Geschwister und Vereinsmitglieder die Wettbewerbe der jüngsten Teilnehmer. Bei den Bambinis setzte sich schließlich Jona Schwoll durch und errang die Würde des Bambiniprinzen. Zu seinem Bambiniritter wurde Paul Grotenrath ernannt.
Auch bei den Schülern wurde eine neue Regentschaft ermittelt. Sabrina Weiss sicherte sich den Titel der Schülerkönigin und repräsentiert damit in der kommenden Schützensaison den Nachwuchs der Gilde. Unterstützt wird sie von ihren Ministern Leo Schwoll und Ziva Hermann.

Die Verantwortlichen der Schützengilde zeigten sich angesichts der hohen Beteiligung zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Besonders hervorgehoben wurde das Engagement der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die bereits im Vorfeld organisatorische Aufgaben übernommen hatten und während des gesamten Tages für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Ohne diese Unterstützung, so war aus Vereinskreisen zu hören, seien Veranstaltungen dieser Größenordnung kaum denkbar.
Die Geschichte der St. Konrad Schützengilde reicht inzwischen fast sieben Jahrzehnte zurück. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1958; aus einer Situation heraus, die heute fast beiläufig wirkt, damals jedoch den Anstoß für eine bis heute lebendige Tradition gab. Anlass war das 25-jährige Bestehen der damaligen Siedlergemeinschaft. Während der Vorbereitungen zum Jubiläum fiel auf, dass es am Grenzweg noch keinen eigenen Schützenverein gab. Aus dieser Feststellung entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit die Idee zur Gründung einer eigenen Gilde.

Die Anfangsjahre waren von Improvisation und großem persönlichem Einsatz geprägt. Das erste Königsvogelschießen wurde mit einfachsten Mitteln organisiert. Vieles entstand in Eigenleistung, manches spontan und ohne großen finanziellen Aufwand. Dennoch entwickelte sich die Veranstaltung zu einem unerwartet großen Erfolg und legte den Grundstein für die weitere Vereinsgeschichte. Erster Schützenkönig der jungen Gemeinschaft wurde damals übrigens Heinz Lehnen. Ihm standen Matthias Meskes und August Lehnen als Minister zur Seite. Für seine Regentschaft erhielt der König damals einmalig eine Prämie von 50 Mark. Auch die musikalische Begleitung fiel aus heutiger Sicht bescheiden aus: Das Viersener Trommlercorps erhielt für zwei Tage insgesamt 27 Mark. Trotz der einfachen Rahmenbedingungen stieß die Premiere auf große Resonanz in der Nachbarschaft.
Aus den improvisierten Anfängen entwickelte sich über die Jahrzehnte ein fester Bestandteil des örtlichen Vereinslebens. Das Schützenbaumsetzen an der Niers erinnert bis heute nicht nur an die bevorstehende Schützensaison, sondern auch an die lange Geschichte der Gemeinschaft am Grenzweg, die seit 1958 von ehrenamtlichem Engagement, Traditionspflege und einem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl geprägt wird. (sk)





