Wer am Samstag über den Rathausmarkt schlenderte, spürte sofort: Hier schlägt das Herz für die Jüngsten. Wo sonst die Schritte eiliger Passanten verhallen, tanzten Seifenblasen durch die Luft, lachten Kinder übermütig, während Trommelschläge, Chorgesänge und fröhliche Rufe zu einem einzigen Klangteppich verschmolzen. Es war der Weltkindertag – und Viersen verwandelte sich für einen Tag in eine Bühne voller Farben, Stimmen und Träume.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhle und Martin Häming
Viersen – Schon am Vormittag füllten die Familien den Platz zwischen Stadtbibliothek und Rathaus. Der Viersener Kinderschutzbund hatte eingeladen und viele Besucher, Organisationen sowie Vereine waren gerne dem Ruf gefolgt. Bunte Kreidezeichnungen legten sich wie ein Teppich auf das graue Pflaster, kleine Hände verwandelten den Asphalt in eine Galerie der Fantasie.
Gleich daneben kreisten neugierige Kinder um das Glücksrad, jubelten über kleine Preise und strahlten, als wären sie Hauptgewinner im Leben. Wer Lust hatte, konnte sich von der Kamera der Firma Canon ins Rampenlicht stellen und am Bastelstand einen selbst gestalteten Bilderrahmen fertigen – Erinnerungsstücke, die so einzigartig sind wie die Kinder selbst.

Das Herz des Festes schlug jedoch auf den Stufen der Stadtbibliothek. Dort gehörte die Bühne allein den Kindern. Mit einem Rhythmus, der direkt in Bauch und Beine ging, trommelten die Schüler der Remigiusschule. Kurz darauf erlebte das Publikum staunend eine Win-Tsun-Vorführung – fließende Bewegungen, mal schnell, mal kontrolliert, wie ein Tanz aus Kraft und Konzentration. Dann wurde es zart und verspielt: Die „Kleinen Sternchen“ hüpften über die Bühne, ihre Tanzschritte erzählten von Leichtigkeit und Freude.
Und es blieb vielfältig: Der ukrainische Chor sang Lieder, die von Heimat, Hoffnung und Zusammenhalt erzählten, während die jungen Musiker des Albertus-Magnus-Gymnasiums aus Dülken mit ihrem Orchester ein Stück Klassik in die Menge trugen. Schließlich stürmten die Cheerleader auf die Bühne und ließen den Rathausmarkt beben – ihr Tempo, ihre Akrobatik, ihr Jubel waren ein krönender Abschluss eines Programms, das die ganze Vielfalt kindlicher Ausdrucksformen zeigte.

Doch so sehr das Fest ein Schaufenster voller Kreativität und Lebenslust war, so sehr stand auch eine ernste Botschaft dahinter. „Kinderrechte – Bausteine für Demokratie“ – dieses Motto des diesjährigen Weltkindertages prangte nicht nur auf Bannern, es lebte in den Aktionen, Gesprächen und Begegnungen. Kinder sollen ihre Rechte kennen, verstehen und selbstbewusst einfordern können. Wer früh erfährt, dass die eigene Stimme zählt, der wächst hinein in eine Gesellschaft, die Demokratie nicht nur lehrt, sondern lebt.

Dass Viersen Teil dieser großen Bewegung ist, reiht die Stadt ein in mehr als 400 Gemeinden in Deutschland, die am 20. September jedes Jahr Zeichen setzen. Mal laut, mal leise, mal mit Tanz, mal mit Diskussion – aber immer mit dem Ziel, die Welt kinderfreundlicher zu machen. Für die Familien auf dem Rathausmarkt war das große Ziel an diesem Tag zum Greifen nah: ein Miteinander voller Respekt, Freude und der Gewissheit, dass Kinder nicht nur die Zukunft sind, sondern die Gegenwart mitgestalten. (sk)





