Berufsunfähigkeit im Wandel: Wie sich Absicherung und Nachfrage verändern

Die Berufsunfähigkeit zählt heute zu den größten finanziellen Risiken, die Arbeitnehmer und Selbstständige in Deutschland absichern müssen. Wer aufgrund von Krankheit oder Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, ist oft existenziell bedroht. Doch die Bedingungen, Angebote und auch die Nachfrage nach Absicherung haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert.

Service – Dieser Beitrag beleuchtet, wie sich der Markt entwickelt, welche Trends sichtbar werden und welche Chancen wie auch Herausforderungen auf Verbraucher und Versicherer zukommen.

Foto: muntazar mansory/Pixabay
  1. Berufsunfähigkeitsversicherung als zentrale Absicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist seit Jahren die wichtigste Form der individuellen Absicherung gegen Einkommensverlust im Krankheitsfall. Besonders auffällig ist, dass immer mehr junge Menschen frühzeitig eine Police abschließen, um von günstigen Eintrittsaltern und stabilen Gesundheitszuständen zu profitieren. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen der Versicherer – umfangreiche Gesundheitsprüfungen, strengere Risikoeinstufungen und teilweise auch deutlich gestiegene Prämien sind die Folge.

Grund dafür ist unter anderem der medizinische Fortschritt: Krankheiten werden heute früher erkannt, gleichzeitig steigt aber die Zahl psychischer Erkrankungen erheblich an. Stress, Dauerbelastung und neue Arbeitsbedingungen – etwa das Homeoffice mit seinen ganz eigenen gesundheitlichen Herausforderungen – führen dazu, dass psychische Ursachen inzwischen den häufigsten Grund für Berufsunfähigkeit darstellen.

Ein verändertes Krankheitsbild

Während früher körperlich bedingte Ursachen wie Rückenleiden dominierten, hat sich das Bild stark gewandelt. Heute machen psychische Erkrankungen über 40 Prozent aller gemeldeten Fälle von Berufsunfähigkeit aus. Damit ändert sich auch die Risikobewertung der Versicherer: Wer etwa in Berufen mit hoher Belastung oder starker Verantwortung arbeitet, muss mit höheren Beiträgen rechnen.

  1. Markttransparenz und der digitale BU Vergleich

Die steigende Komplexität von Verträgen und Tarifstrukturen führt dazu, dass Verbraucher Orientierung suchen. Während früher vor allem Makler und persönliche Beratung entscheidend waren, nutzen heute viele Interessenten digitale Vergleichsportale. Ein moderner BU Vergleich auf Versicherungsriese.de etwa zeigt in wenigen Minuten, welche Versicherer passende Tarife anbieten – angepasst an Alter, Beruf und Gesundheitszustand.

Diese Entwicklung hat den Markt transparenter gemacht, birgt aber auch Risiken. Wer nur auf den Preis achtet, übersieht möglicherweise wichtige Vertragsklauseln, die im Leistungsfall entscheidend sein können. Deshalb gilt: Digitale Transparenz kann eine wertvolle Grundlage sein, ersetzt aber nicht die individuelle Beratung im Detail.

Veränderte Nachfrage durch neue Zielgruppen

Parallel zur steigenden Nachfrage unter Berufseinsteigern wächst auch das Interesse in Bereichen, die lange Zeit weniger im Fokus standen. Dazu gehören etwa Selbstständige in der digitalen Wirtschaft oder Teilzeitkräfte. Für beide Gruppen galt die Berufsunfähigkeitsversicherung früher oft als schwer kalkulierbar. Heute gibt es zunehmend maßgeschneiderte Produkte, die eine Absicherung auch dann ermöglichen, wenn die Einkommensstruktur unregelmäßig ist.

  1. Finanzielle Engpässe und Alternativen zur BU

Eine Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Die Beitragskosten. Nicht jeder kann oder möchte die monatlichen Prämien für eine umfassende Absicherung stemmen. Gerade junge Selbstständige oder Berufseinsteiger mit begrenztem Einkommen suchen daher nach Alternativen oder Überbrückungslösungen. Hier kommt ein anderes Finanzinstrument ins Spiel: der Minikredit.

Ein Minikredit ist jedoch keine Versicherung, sondern eine kurzfristige Liquiditätshilfe. Er kann zwar kurzfristige Einnahmelücken abfedern, beispielsweise während einer vorübergehenden Krankschreibung, ersetzt aber keinesfalls die langfristige Absicherung gegen den vollständigen Verlust der Arbeitskraft. Dennoch zeigt sich: Viele Verbraucher kombinieren heute verschiedene Finanzbausteine, um Risiken abzufedern – von der klassischen BU über Notfallrücklagen bis hin zu kurzfristigen Krediten.

  1. Arbeitgeber, Politik und Gesellschaft im Wandel

Die Verantwortung für die Absicherung verschiebt sich zunehmend. Arbeitgeber erkennen, dass die Arbeitsunfähigkeit von Mitarbeitern nicht nur persönliche Schicksale bedeutet, sondern auch betriebswirtschaftliche Folgen hat. Daher werden immer häufiger betriebliche Versicherungsmodelle angeboten, bei denen der Arbeitgeber die Berufsunfähigkeitsabsicherung für seine Mitarbeiter teilweise finanziert.

Zudem diskutiert die Politik über die Rolle sozialer Sicherungssysteme und deren Anpassung. Während die staatliche Erwerbsminderungsrente zwar eine Basis darstellt, ist ihr Leistungsniveau bisher so gering, dass sie keine echte Alternative bietet. Hier könnte in Zukunft eine stärkere staatliche Unterstützung gefordert werden, um breite Bevölkerungsschichten vor dem Absturz ins finanzielle Nichts zu schützen.

  1. Daten und Fakten zur Berufsunfähigkeit

Die folgenden Daten geben einen Überblick darüber, wie sich die Situation rund um die Berufsunfähigkeitsfälle entwickelt hat:

Ursache Anteil an BU-Fällen (2024)
Psychische Erkrankungen über 40 %
Skelett- und Bewegungsapparat ca. 25 %
Krebs und Tumorerkrankungen ca. 15 %
Herz-Kreislauf-Erkrankungen ca. 10 %
Sonstige Ursachen ca. 10 %

Die Verteilung macht deutlich: Psychische Belastungen haben klassische Krankheitsbilder längst überholt. Das stellt Versicherer vor neue Herausforderungen bei der Risikobewertung und Leistungsauszahlung.

  1. Tipps für die richtige Absicherung

Wer seine Arbeitskraft absichern möchte, sollte einige grundlegende Punkte berücksichtigen:

  • Frühzeitig abschließen: Je jünger und gesünder der Versicherte, desto günstiger die Prämien.
  • Vertrag genau prüfen: Auf Ausschlüsse und die Definition von Berufsunfähigkeit achten.
  • Beratung nutzen: Eine individuelle Einschätzung ist oft entscheidend, um Lücken zu vermeiden.
  • Komfortoptionen beachten: Dynamische Anpassungen sichern die Kaufkraft der Leistung langfristig.

Fazit: Berufsunfähigkeit bleibt ein zentrales Thema

Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verbraucher sind besser informiert, nutzen digitale Vergleichsportale und setzen zunehmend auf kombinierte Finanzbausteine. Gleichzeitig verschärfen sich die Rahmenbedingungen durch steigende Krankheitsfälle und höhere Anforderungen auf Seiten der Versicherer. Klar ist: Wer ohne Schutz dasteht, geht ein erhebliches Risiko ein. Eine durchdachte Strategie zur Einkommensabsicherung ist heute wichtiger denn je – sowohl für Angestellte als auch für Selbstständige. (opm)