Bluesrock mit elektrischer Wucht: Samantha Fish begeistert vor ausverkauftem Haus in Köln

Als Samantha Fish am vergangenen Mittwochabend die Bühne der Kölner Kantine betrat, war der Raum längst bis auf den letzten Platz gefüllt. Schon lange vor dem ersten Ton hatte sich abgezeichnet, dass dieser Abend einer jener Konzertmomente werden würde, in denen eine Künstlerin ihre enorme Live-Reputation bestätigt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Kunst & Kultur – Die amerikanische Gitarristin und Sängerin, die derzeit mit ihrer „Paper Doll World Tour“ unterwegs ist, präsentierte sich in Köln in Hochform – mit einer Show, die gleichermaßen von virtuoser Gitarrenarbeit, emotionalem Gesang und einer unablässigen Energie getragen wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Die Tour führt Fish im Frühjahr 2026 für drei exklusive Konzerte nach Deutschland: Köln, Berlin und München standen auf dem Programm. Den Auftakt bildete das Gastspiel in der Kantine, das bereits im Vorfeld ausverkauft war. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, zumal die Musikerin aus Kansas City in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Karriere hingelegt hat. Längst gilt sie als eine der bedeutendsten Blues- und Rockgitarristinnen ihrer Generation. Spätestens seit der Grammy-Nominierung 2023 für das Album „Death Wish Blues“, das sie gemeinsam mit dem Rockmusiker Jesse Dayton aufnahm, hat sich ihr Name auch jenseits der Blues-Szene etabliert. 2024 eröffnete sie zudem das Abschlusskonzert der US-Tournee der Rolling Stones – ein Engagement, das ihren Status als gefragte Live-Künstlerin unterstrich.

Doch bevor Fish selbst die Bühne betrat, gehörte der Abend zunächst einem jungen Trio aus Großbritannien. Die Zac Schulze Gang eröffnete das Konzert mit einem rund halbstündigen Set, das keinen Zweifel daran ließ, in welcher musikalischen Tradition sich die Band bewegt. Der Sound des Trios ist tief im Bluesrock verwurzelt, roh und direkt, mit einem deutlichen Bezug zur britischen Rocktradition der siebziger Jahre. Vom ersten Song an legten Zac Schulze und seine Mitstreiter ein Tempo vor, das sie über weite Strecken des Auftritts beibehielten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Schulze spielte eine schwarze Fender Stratocaster mit hoher Intensität und wechselte zwischendurch zu einer Telecaster, um eine druckvolle Version von Dr. Feelgoods Klassiker „She Does It Right“ zu präsentieren. Die Band verzichtete weitgehend auf ruhigere Momente; nur ein einzelner Song nahm kurzfristig Tempo heraus, bevor das Trio wieder in einen treibenden Rhythmus zurückkehrte. Titel wie „High Roller“, „Walking the Dog“, „Woman“ oder „Hole in My Pocket“ sorgten für sichtbare Begeisterung im Publikum. Die Formation hat sich in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Ruf erspielt und wurde unter anderem mit dem UK Blues Emerging Band of the Year Award 2024 sowie dem Young Artist of the Year Award 2025 ausgezeichnet. Ihr Debütalbum „Straight to It“, das im September 2025 erschien, bildet derzeit den Kern ihres Konzertprogramms.

Das Publikum in der Kantine – überwiegend männlich und im mittleren Alter – reagierte entsprechend enthusiastisch auf den gitarrenlastigen Stil der jungen Band. Viele der Stücke entwickelten sich zu ausgedehnten Jam-Passagen mit langen Soli, wie sie in der heutigen Poplandschaft nur noch selten zu hören sind. In dieser Hinsicht wirkte der Auftritt der Zac Schulze Gang beinahe wie eine musikalische Zeitreise zurück in eine Ära, in der Rockmusik noch von ausgedehnten Instrumentalpassagen geprägt war.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde die Bühne neu beleuchtet, und mit den ersten Akkorden des Titelsongs „Paper Doll“ begann schließlich der Auftritt von Samantha Fish. Die Band setzte ohne große Vorrede ein, und von der ersten Minute an wurde deutlich, dass der Schwerpunkt dieses Konzerts auf Energie und Dynamik liegen würde. Der Song, getragen von einem markanten Slide-Gitarrenriff, entwickelte sofort eine Sogwirkung, die das Publikum in Bewegung brachte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Fish wird auf dieser Tour von ihrer eingespielten Begleitband unterstützt: Ron Johnson am Bass, Jamie Douglass am Schlagzeug und Mickey Finn an den Keyboards. Es ist dieselbe Formation, mit der sie auch ihr aktuelles Album „Paper Doll“ aufgenommen hat. Das Besondere an diesem Langspieler besteht darin, dass er erstmals gemeinsam mit ihrer Tourband entstand. Die Aufnahmen fanden während einer Phase intensiver Konzerttätigkeit statt, wodurch die Songs eine spürbare Live-Energie bewahren konnten. Insgesamt neun Stücke umfasst das Album – kraftvolle, rau klingende Songs, die zugleich eine bemerkenswerte stilistische Vielfalt aufweisen.

Ein wesentliches Merkmal ihrer Konzerte ist die Kombination aus technischer Virtuosität und emotionaler Intensität. Fish bewegt sich mit großer Selbstverständlichkeit zwischen verschiedenen Stilrichtungen. Obwohl sie häufig als Bluesmusikerin eingeordnet wird, speist sich ihr musikalischer Ansatz aus zahlreichen Quellen – Rock, Country, Funk, Bluegrass und klassische Balladen fließen ebenso in ihren Sound ein. In Köln stand jedoch eindeutig die rockige Seite ihres Schaffens im Mittelpunkt.

Die Musikerin wechselte im Verlauf des Abends mehrfach das Instrument. Neben einer weißen Gibson SG und einer silbernen Gibson ES-335 spielte sie auch eine Delaney-Gitarre sowie eine Supro Belmont. Verstärkt wurde ihr Sound über einen Mesa/Boogie-Verstärker, der den Gitarrenklang mit der nötigen Durchsetzungskraft versah. Besonders auffällig war die Bandbreite der Klangfarben, die sie mit diesen Instrumenten erzeugte: von warmem, rauchigem Blues bis zu scharfkantigen Rockriffs. Für einen der Songs griff Fish zu einer ungewöhnlichen Gitarre: einer sogenannten Stogie-Blues-Zigarrenkisten-Gitarre. Dieses einfache Instrument verlieh dem Stück einen bewusst rohen, fast archaischen Klang. Gerade in solchen Momenten zeigte sich, wie stark Fish in der Tradition des amerikanischen Blues verwurzelt ist.

Einer der Höhepunkte des Abends war ihre Interpretation von „Poor Black Mattie“, ursprünglich von RL Burnside. Mit kraftvollem Slide-Spiel und markantem Gesang verlieh sie dem Song eine neue Intensität. Das Publikum reagierte mit lautem Applaus und rhythmischem Mitklatschen, während die Band den Groove weiter antrieb. Überhaupt war die Bühnenpräsenz der Musikerin bemerkenswert. Fish agiert selbstbewusst, ohne je distanziert zu wirken. Ihre Ausstrahlung verbindet eine kraftvolle, fast rebellische Energie mit einer souveränen Gelassenheit. Während sie die Gitarrenparts allein übernimmt, trägt die Band im Hintergrund einen stabilen rhythmischen Rahmen, der den Songs Raum zur Entfaltung gibt.

Kaum eine Minute des Konzerts blieb ungenutzt. Zwischen den Songs gab es nur kurze Pausen; stattdessen ging ein Stück fast nahtlos in das nächste über. Diese Dramaturgie verlieh dem gesamten Auftritt einen durchgehenden Spannungsbogen, der das Publikum von Anfang bis Ende fesselte. Für die Zugabe kehrte schließlich Zac Schulze zurück auf die Bühne. Mit umgeschnallter Gitarre stellte er sich an die Seite von Samantha Fish und ihrer Band. Der Überraschungsauftritt blieb im Publikum nicht unbemerkt – als viele Besucher den jungen Gitarristen erkannten, brandete sofort neuer Jubel auf. Gemeinsam spielten sie den letzten Song des Abends, der zu einem spontanen Bluesrock-Jam anwuchs.

Als die letzten Akkorde verklungen waren, blieb der Eindruck eines Konzerts, das die rohe Energie des Blues mit der Wucht moderner Rockmusik verband. Samantha Fish bestätigte dabei einmal mehr ihren Ruf als außergewöhnliche Gitarristin und charismatische Live-Künstlerin. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums