Chalkidiki: Verweilen an der Kapelle Panagias Faneromenis

Zu einem bekannten Wallfahrtsort ist die kleine Kapelle geworden, die unmittelbar an der Küstenstraße, zwei Kilometer von Nea Skioni entfernt auf Chalkidikis „erstem Finger“ Kassandra, mit Blick auf das Meer liegt. Das Wunder einer weinenden Ikone und einem schwimmenden Marmorstein begleitet ihre Geschichte.

Foto: Rheinischer Spiegel

Reisen/Chalkidiki/Kassandra – Die Geschichte schreibt das 16. Jahrhundert, der Strand ist noch unbewohnt, die Einheimischen leben aus Angst vor Piraten im Inneren des Landes. In den dahinterliegenden Hügeln liegt nördlich rund drei Kilometer entfernt das Dorf Tsaprani. Nun begibt es sich eines Abends, als ein Mann an der nahe gelegenen Kirche arbeitet und den Rückweg in das Dorf antritt, dass er ein Licht beobachtet, welches über das Meer immer näher zum Strand getragen wird. Er berichtet davon und am nächsten Tag macht sich eine Gruppe auf um den Vorfall zu untersuchen. Was sie dort finden ist ein Wunder, denn von den Wellen wird ein riesiger Stein wie ein Stück Holz hin und her getragen. Auf ihm ist eine Madonnenfigur abgebildet.

Für diese Ikone und das sichere Zeichen Gottes soll eine Kirche erbaut werden, doch der türkische Kommandant, dem der Bezirk unterstellt ist, verbietet den Bau. Dem Verbot trotzend, versammeln sich die Dorfbewohner betend um die Ikone. Wütend darüber beschimpft der Kommandant den christlichen Glauben und tritt mit den Füßen auf den riesigen Stein. Ein weiteres Wunder beginnt, denn seine Füße versinken wie in einer Masse. Unfähig sich selbst befreien zu können, kommt ihm sein Adjutant zu Hilfe, der ebenfalls von dem Stein gefangen wird.
Verzweifelt bitten sie zu Gott, versprechen eine Kirche zu bauen, sich selbst und ihre Familien taufen zu lassen. Die Ikone gibt sie frei und auf dem nahen Hügel entsteht eine Kirche, die nach ihrer Fertigstellung zerbricht, während die Madonna zurück zum Strand rutscht. Die Dorfbewohner sind sich sicher, die Madonna hat ihren Platz selbst gewählt und bauen hier die heute noch zu besichtigende kleine Kapelle mit der Ikone.

Foto: Rheinischer Spiegel

Auch in der jüngeren Vergangenheit kommt es hier hier immer wieder zu Wundern, so ist die Ikone als „weinende Madonna“ bekannt. Vor dem Krieg im Jahr 1940 weinte sie, 1974 bei der Besetzung Zyperns durch die Türken ein weiteres Mal. Auch 1993, als die ehemals jugoslawische Teilrepublik Makedonien Besitzansprüche auf Thessaloniki erhob, geschah das Wunder erneut.

Pilger, Gläubige und viele Touristen kommen jährlich hierher, um die Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, die im 17. Jahrhundert mit teils noch erhaltenen Wandmalereien ausgestattet wurde, zu besuchen, ein Gebet vor der Ikone zu sprechen. Fotografieren im Innenraum ist verboten. Besonders zum Kirchweihfest am 23. August bricht die Kapelle fast aus allen Nähten. In ihr kann sich jeder ein Bild machen von der auf verputztem Marmor gemalten Madonna und den Fußabdrücken eines Türken, der nicht glauben wollte, dass mit Gottes Hilfe Steine schwimmen können. (ik)

.