Corona-Inzidenzwert – Wie berechnet man den eigentlich?

Gestern lag die Sieben-Tage-Inzidenz, von der aktuell alle reden, gerade mal bei 26 heute bei 47? Wie ist das eigentlich möglich? Wie berechnet sich dieser Wert, der die Grenzen für die vorgegebenen Gefährdungsstufen angibt? Und warum gibt das RKI eigentlich einen anderen Wert an?
Von RS-Redakteur Walter Henning

#Corona – Damit die Situation der aktuellen Neuinfektionen regional vergleichbar ist, wird international die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet. Sie zeigt an, welche Maßnahmen ergriffen oder gelockert werden, was erlaubt ist – oder auch nicht.
In Deutschland spricht man von der Gefährdungsstufe 1 (ab einem Wert von 35) sowie der Gefährdungsstufe 2 (ab einem Wert von 50), darüber hinaus geht es dann langsam Richtung Lockdown. Bereits ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 stehen Sperrstunden an und auch Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen werden eingegrenzt.

Um ihn zu berechnen werden die Grundrechenarten mit Addition, Multiplikation, Division und Dreisatz wieder ins Gedächtnis gerufen. Der Inzidenzwert als Kennziffer informiert darüber, wie viele Menschen in der Region in sieben Tagen neu infiziert wurden – jeweils bezogen auf 100.000 Einwohner des betroffenen Gebietes.
Da Reproduktionszahlen meist aus einem Mix von Schätzungen, Hochrechnungen und weiterer Parameter berechnet werden, wurde für einen allgemeinen Vergleich diese Sieben-Tage-Inzidenz vereinbart.

Hierzu werden alle gemeldeten Neuinfektionen der letzten sieben Tage zunächst addiert und dann durch die Summe der Einwohnerstadt geteilt. Dieser Wert wird mit 100.000 multipliziert und schon ist der Wert da, der momentan in aller Munde ist.
Damit dieser möglichst genau ist, berechnen die Städte und Kreise diesen mit den aktuellen Einwohnerzahlen, zudem ändern sich stetig die Informationen zu den gemeldeten Infektionen.

Neuinfektionen der letzten sieben Tage / Einwohnerzahl * 100.000 = Sieben-Tage-Inzidenz

Hier kommen dann auch direkt mal verschiedene Wert beim RKI und bei der Stadt selbst zusammen. Passend dazu reiht sich die berühmte Meldeverzögerung ein. Denn das RKI berechnet den Wert nach den vorliegenden Zahlen und die sind meist auf den Zensus (Volkszählung) von 2011 mit einer Hochrechnung zurückzuführen. Die Städte dagegen greifen ihre aktuellen Zahlen aus dem Melderegister auf.

Hinzu kommt, dass die Behörden zwar ihre täglichen Inzidenzwerte an das RKI übermitteln, aber es kommt auf den Zeitpunkt an. Der tägliche Inzidenzwert des RKI stammt jeweils von Mitternacht, je nach Uhrzeit sind sie also bereits um einige Stunden veraltet. Wer sich für den aktuellen und präzisen Wert interessiert, der ist deshalb auf der jeweiligen Seite seiner Stadt, Gemeinde oder Landkreises besser aufgehoben. (wh)

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