DGB-Stadtverband im Gespräch mit dem Oberbürgermeister Felix Heinrichs

Der DGB-Stadtverband Mönchengladbach hat sich mit Oberbürgermeister Felix Heinrichs zu einem Austausch über die aktuelle wirtschaftliche und soziale Lage der Stadt getroffen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Entwicklung des Arbeitsmarktes, der industrielle Strukturwandel, die kommunale Finanzlage sowie die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt.

Mönchengladbach – Der DGB-Stadtverband würdigte, dass es trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin Unternehmensansiedlungen und -erweiterungen in Mönchengladbach gibt. So wurden 2024 insgesamt 52 Firmenfälle durch die Wirtschaftsförderung betreut, darunter 16 Neuansiedlungen sowie acht Expansionen oder Verlagerungen. Gleichzeitig machten die Vertreter*innen des Gewerkschaftsbundes deutlich, dass diese Investitionen bislang nicht ausreichen, um die strukturellen Probleme des Arbeitsmarktes zu kompensieren. Die Arbeitslosigkeit ist 2025 im Jahresdurchschnitt auf 15.604 Personen gestiegen – ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung leicht gewachsen, jedoch ist die Zahl neu gemeldeter offener Stellen deutlich zurückgegangen. „Diese Entwicklung zeigt, dass der Arbeits-markt fragiler wird und neue Impulse dringend notwendig sind“, betonte DGB-Regionsgeschäftsführerin Sigrid Wolf.

„Kritisch bewerten wir den industriellen Strukturwandel insgesamt in der Region. Das Projekt „Textilfabrik 7.0“ wird als innovativer Ansatz begrüßt. Für den DGB ist jedoch entscheidend zu verfolgen, ob dadurch tatsächlich neue, tariflich abgesicherte Arbeitsplätze entstehen und ob die an-gekündigten Zero-Emission-Ziele realistisch umgesetzt werden können. Hier erwarten wir eine transparente Mitnahme beim Vorhaben und eine enge Einbindung der Sozialpartner,“ so Wolf.

Mit Sorge blickt der DGB zudem auf den zunehmenden Mangel an Ausbildungsplätzen und fehlende Perspektiven für junge Menschen. Im Arbeitsagentur-Bezirk Mönchengladbach suchten rund 840 Bewerber*innen auch nach Ende des Ausbildungsjahres noch einen Ausbildungsplatz. 2025 fielen außerdem auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 136 gemeldete Bewerber*innen.  „Diese Entwicklung darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Mehr Jugendliche kämpfen um weniger Chancen.

Die Politik ist aufgefordert, die betriebliche Ausbildung mit Maßnahmen zu fördern. Zum Beispiel: die Anreize für eine Verbundausbildung erhöhen und tarifvertraglich vereinbarte Ausgleichsfonds fördern. Es ist an der Zeit, die Ursachen zu hinterfragen, warum Unternehmen weniger Ausbildungsstellen anbieten, und gleichzeitig nach Fachkräften suchen“, so Wolf weiter.

„Jeder Mensch verdient einen guten Job. Das Ziel eint uns. Wir engagieren uns in einem starken Bündnis aus Gewerkschaften, Wirtschaft und Stadt für eine nachhaltige Perpektive für gute Arbeit in Mönchengladbach als Teil der Transformationsregion Rheinisches Revier“, bedankt sich Oberbürgermeister Felix Heinrichs für den Dialog.

Der Wohnungsmarkt insgesamt bleibt angespannt. Die Zahl der sozial geförderten Wohnungen ist weiter rückläufig, während die Angebotsmieten erneut gestiegen sind. Zwar wurden 2024 mit rund 44,9 Millionen Euro so viele Wohnraumfördermittel bewilligt wie seit über 20 Jahren nicht mehr, dennoch reichen diese Anstrengungen aus Sicht des DGB noch nicht aus, um den Verlust von preisgebundenem Wohnraum auszugleichen. In diesem Zusammenhang wurde ausdrücklich auch auf das Fehlen von Azubiwohnheimen in Mönchengladbach hingewiesen. Wer junge Fachkräfte gewinnen und halten will, muss auch für bezahlbaren Wohnraum sorgen.

Abschließend thematisierte der DGB die schwierige Finanzlage der Stadt mit rund 436 Millionen Euro Altschulden. Diese schränken die kommunalen Handlungsspielräume erheblich ein. Der DGB bekräftigte seine Forderung nach einer nachhaltigenAltschuldenlösung durch Bund und Land, um Investitionen in Arbeit, Ausbildung, Wohnen und Infrastruktur langfristig abzusichern.

Der DGB-Stadtverband und der Oberbürgermeister vereinbarten, den Dialog fortzusetzen. „Mönchengladbach braucht eine soziale und ökologische Wirtschaftspolitik, die gute Arbeit schafft und bezahlbares Leben ermöglicht. Dafür stehen wir Gewerkschaften weiterhin als konstruktive Gesprächspartner bereit“, so Patrick Stock, DGB-Stadtverbandsvorsitzender in Mönchengladbach. (opm)

Felix Heinrichs OB, Sigrid Wolf, Patrick Stock – Foto: DGB