Die Legende der „Eisernen Hand“

Längst hängt nicht mehr die ursprüngliche „Eiserne Hand“ am Kreuz, dort wo sich die „Gereonstraße“ von dem kurzen Stück „An der Eisernen Hand“ abspaltet. Die Legende um diesen Ort entstand bei einem besonderen Streit und nächtlichen Diebstählen.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen/Sehenswürdigkeit In der stadtgeschichtlichen Sammlung ist heute noch die ursprüngliche „Eiserne Hand“ zu besichtigen, die als Hoheits- und Gerichtszeichen galt. Sie wird auf das 16. Jahrhundert geschätzt und hing ursprünglich an dem hölzernen Wegekreuz, welches noch heute an eine ungewöhnliche Legende erinnert. Das heutige Holzkreuz stammt aus dem Jahr 1910. Rund 2,20 m hoch. Mit einer Überdachung und dem Schriftzug „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“, gibt es keinen Hinweis auf die Zeit, zu der in Viersen eine Kirche erbaut werden sollte zu Ehren des Heiligen Remigius.

Jedoch konnten sich die Viersener nicht einigen, in welchem Ortsteil die neue Kirche gebaut werden sollte und so stahlen sie sich Nacht für Nacht gegenseitig das Baumaterial. Bald ging das Gerücht herum, der Heilige Vater selbst hätte seine Hand im Spiel, doch die Wahrheit war wesentlich weltlicher anzusiedeln. Als es dann zu einem Gerichtsprozess kam, wollte niemand etwas mit den Diebstählen zu tun haben und so sprach der Richter von einer unheimlichen „Eisernen Hand“, ursprünglich dem Sinnbild für die Macht des Landesherrn.

Foto: Rheinischer Spiegel

Das Kreuz mit der „Eisernen Hand“
I. P. Lenzen

Bei Heimer und Viersen, an Ackers Rand,
ein Kreuz steht gepflanzt von den Alten.
Daran die aus Eisen geformte Hand,
hindeutet auf höheres Walten.

Wir schauen zurück, wo in grauester Zeit,
kein Tempel die riesigen Pfeiler,
noch steckte, dem heiligen Patron geweiht,
und Viersen erscheinet als Weiler.

Nun hat sich der Gläubigen Schar vermehrt,
man eint sich, die Kirche zu bauen.
Dem heiligen Remigius, hochverehrt,
Apostel in fränkischen Bauen.

Wo Karol, dem Reiter, die Burgkapell
einst diente der Andacht zu pflegen.
Die Bürger von Viersen an dieser Stell,
beschlossen den Grundstein zu legen.

Doch traurig! Es nähren unseligen Zwist,
die Nachbarn von Heimer und Hüsten.
Die haben den Bauplatz im Felde ertieft,
schon tät man zum Baue sich rüsten.

Da fuhren die Steine, Holz, Kalk und Sand,
zum Kirchbau, wie sich’s gebühret.
Doch nächtlicherweise von starker Hand,
ward alles vom Acker entführet.

Sie fanden es wieder an jenem Ort,
wo Karol gehauset vor Zeiten.
„Hier gründet die Kirche, des heiles Hort!“
Nur so ist das Wunder zu deuten!

Als oft das Verschwinden von Holz und Stein
Vom Acker bei Nacht sich erneuert –
von oben ein Fingerzeig muss es sein,
und Hader und Zank wird bereuet.

Und Eintracht ist rühmlicher Taten Duell,
gibt Stärke, das Werk zu vollbringen,
wo Karol, der Reiter, die Burgkapell
einst gründet im edelsten Ringen.

Hier, wo von des Kreuzes Gewalt zerschellt,
germanische Götter einst sandten.
Ein Tempel dem Höchsten ward hingestellt,
zur Ehr dem Apostel der Franken.

„Zur eisernen Hand“ ist der Ort benannt,
wo Steine zum Bau einst verschwunden.
Aus Eisen geformt wird am Kreuze die Hand,
das Wunder der Nachwelt befunden.

Rückseite einer historischen Speisekarte des Hotel-Restaurants „Zur Eisernen Hand“ – Archiv: Rheinischer Spiegel

Freizeittipp – Top 10 Sehenswürdigkeiten in Viersen