Viersen im Wandel: Die Legende der „Eisernen Hand“

Längst hängt nicht mehr die ursprüngliche „Eiserne Hand“ am Kreuz, dort wo sich die „Gereonstraße“ von dem kurzen Stück „An der Eisernen Hand“ abspaltet. Die Legende um diesen Ort entstand bei einem besonderen Streit und nächtlichen Diebstählen. 
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen/Sehenswürdigkeit In der stadtgeschichtlichen Sammlung ist heute noch die ursprüngliche „Eiserne Hand“ zu besichtigen, die als Hoheits- und Gerichtszeichen galt. Sie wird auf das 16. Jahrhundert geschätzt und hing ursprünglich an dem hölzernen Wegekreuz, welches noch heute an eine ungewöhnliche Legende erinnert.

Das heutige Holzkreuz stammt aus dem Jahr 1910. Rund 2,20 m hoch. Mit einer Überdachung und dem Schriftzug „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“, gibt es keinen Hinweis auf die Zeit, zu der in Viersen eine Kirche erbaut werden sollte zu Ehren des Heiligen Remigius.

Eiserne Hand 1978 – Foto: Privatarchiv Josten

Jedoch konnten sich die Viersener nicht einigen, in welchem Ortsteil die neue Kirche gebaut werden sollte und so stahlen sie sich Nacht für Nacht gegenseitig das Baumaterial.

Bald ging das Gerücht herum, der Heilige Vater selbst hätte seine Hand im Spiel, doch die Wahrheit war wesentlich weltlicher anzusiedeln. Als es dann zu einem Gerichtsprozess kam, wollte niemand etwas mit den Diebstählen zu tun haben und so sprach der Richter von einer unheimlichen „Eisernen Hand“, ursprünglich dem Sinnbild für die Macht des Landesherrn.

Berufsschule Gereonstraße – Foto: Privatarchiv Josten

Das Kreuz mit der eisernen Hand
I. P. Lentzen

Bei Heimer und Viersen, an Ackers Rand,
Ein Kreuz steht gepflanzt von den Alten.
Daran die aus Eisen geformte Hand,
Hindeutet auf höheres Walten.

Wir schauen zurück, wo in grauester Zeit,
Kein Tempel die riesigen Pfeiler,
Noch streckte, dem heil’gen Patron geweiht;
Und Viersen erscheinet als Weiler.

Nun hat sich der Gläubigen Schar vermehrt,
Man eint sich, die Kirche zu bauen
Dem heil’gen Remigius, hochverehrt,
Apostel in fränkischen Gauen.

Gaststätte Küpes Hüske Gereonstraße – Privatarchiv Josten

Wo Karol, dem Kaiser, die Burgkapell
Einst diente, der Andacht zu pflegen –
Die Bürger von Viersen an dieser Stell,
Beschlossen den Grundstein zu legen.

Doch traurig! es nähren unseligen Zwist,
Die Nachbarn von Heimer und Hüsten.
Die haben den Bauplatz im Felde erkiest, –
Schon tät man zum Baue sich rüsten.

Da fuhren die Steine, Holz, Kalk und Sand,
Zum Kirchbau, wie sich’s gebühret.
Doch nächtlicherweile von starker Hand,
Ward alles vom Acker entführet.

Altes Brauhaus – Privatarchiv Josten

Sie fanden es wieder an jenem Ort,
Wo Karol gehauset vor Zeiten.
„Hier gründet die Kirche, des Heiles Hort!“
Nur so ist das Wunder zu deuten!

Als oft das Verschwinden von Holz und Stein
Vom Acker bei Nacht sich erneuet –
Von oben ein Fingerzeig muß es sein,
Und Hader und Zank wird bereuet.

Und Eintracht ist rühmlicher Taten Quell,
Gibt Stärke, das Werk zu vollbringen,
Wo Karol, der Kaiser, die Burgkapell
Einst gründet im edelsten Ringen.

Berufsschule – Privatarchiv Josten

Hier, wo von des Kreuzes Gewalt zerschellt,
Germanische Götter einst sanken.
Ein Tempel dem Höchsten ward hingestellt,
Zur Ehr dem Apostel der Franken.

„Zur eisernen Hand“ ist der Ort benannt,
Wo Steine zum Bau einst verschwunden.
Aus Eisen geformt wird am Kreuze die Hand,
Das Wunder der Nachwelt bekunden.

Villa Otto Pongs, ab 1. Januar 1968 Polizei – Privatarchiv Josten
Gereonstraße – Privatarchiv Josten
Rückseite einer historischen Speisekarte des Hotel-Restaurants „Zur Eisernen Hand“ – Archiv: Rheinischer Spiegel

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