Dr. Bernhard Bauske: Es darf keine Verpackung in den Ozeanen oder der Umwelt landen

Erster Real Talk von Coca-Cola diskutiert Wege für besseres Recycling – Verpackungen von Lebensmitteln und Getränken sind Teil unseres Alltags.

Deutschland – In Deutschland haben wir etablierte Pfandsysteme für Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen. Unachtsam weggeworfen werden sie aber zum Problem für Mensch und Umwelt. Das Ziel einer umfassenden Kreislaufwirtschaft mit hochwertiger Stoffverwertung erfordert daher weitere Anstrengungen von Wirtschaft und Politik. Wie diese konkret aussehen können, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beim ersten Coca-Cola Real Talk in Berlin.

MdB Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, sieht die Stärkung geschlossener Recyclingsysteme im Mittelpunkt der laufenden Legislaturperiode: „Die Kreislaufwirtschaft ist ein Hauptthema der Umweltpolitik der nächsten vier Jahre. Die Fortschrittskoalition aus SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und der FDP möchte Schluss machen mit einseitiger Ideologie. Wir setzen uns für eine echte Verpackungswende und geschlossene Kreisläufe ein, zusammen mit den Herstellern und den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir müssen in Deutschland Kreisläufe schließen und damit auch ein Stück weit unabhängiger werden von Rohstoffimporten aus anderen Ländern. Damit dies gelingt, sind alle gefragt: Die Industrie kann noch so große Anstrengungen in der Umstellung auf nachhaltige Produkte auf sich nehmen, wenn der Verbraucher diese nicht annimmt, ist nichts gewonnen. Zudem braucht es entsprechende Rahmenbedingungen der Politik, damit diese Umstellungen in der Wirtschaft auch realisierbar und finanzierbar sind.“

„Konsum ohne Müll ist nur unter großen Anstrengungen des Einzelnen möglich und in der Summe nicht realisierbar. Dennoch muss klar sein, dass keine Verpackung mehr in unseren Ozeanen oder der Umwelt landen darf“, betont Dr. Bernhard Bauske, Projektkoordinator Meeresmüll beim WWF Deutschland. „Die Zeiten, in denen Rohstoffe verschwendet und in Müll verwandelt werden, sind endgültig vorbei. Auch für Plastik brauchen wir strikte Vermeidungskonzepte und eine wirklich funktionierende Kreislaufwirtschaft. Denn so wird aus einer Verpackung erst gar kein Müll. Dafür braucht es gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft.“ Mit Blick auf Verpackungsinnovationen ergänzt Bauske: „Innovationen, um die Sammlung und Wiederverwertung von Materialien zu verbessern sind sehr sinnvoll, aber oft wird einfach nur ein Material durch ein anderes ausgetauscht, was langfristig zu neuen Herausforderungen führt. Innovationen müssen sich auch mit Vermeidung befassen und in den Kreislauf passen!“

Unternehmen wird beim Klimaschutz und dem bedachten Umgang mit Ressourcen eine wichtige Rolle zuteil. Dr. Stefan Kunerth, Technical Operations Director Coca-Cola Western Europe, ist sich dieser Verantwortung bewusst und hält fest: „Verpackungen sind für uns kein Müll, sondern ein wichtiger Rohstoff für neue Verpackungen. Wir tragen unseren Teil dazu bei, Wertstoffkreisläufe zu schließen, damit kein Abfall in die Umwelt gelangt. Dafür haben wir uns 2018 mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie „World Without Waste“ ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und monitoren kontinuierlich unseren Fortschritt: Bis 2030 soll für jede verkaufte Flasche oder Dose eine zurückgenommen und recycelt werden – und zwar weltweit. Die Strategie berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus unserer Verpackungen – vom Design der Flaschen oder Dosen bis hin zu ihrer Wiederverwertung. In Deutschland ist schon viel erreicht: 97 Prozent der PET-Einwegpfandflaschen kommen hier über das Pfandsystem zurück. Nur in geschlossenen Recyclingkreisläufen kann es gelingen, dass aus PET-Flaschen auch wieder PET-Flaschen werden und ein Downcycling verhindert wird.“

Einen Einblick, warum sich geschlossene Recyclingkreisläufe und der Einsatz von nachhaltigen Materialien lohnen und was es braucht, um eine echte Kreislaufwirtschaft zu erreichen, erläutert Recycling-Experte Herwart Wilms, Geschäftsführer REMONDIS Sustainable Services GmbH: „Der wichtigste erste Schritt ist schon gemacht, nämlich dass man endlich auf höchster europäischer Ebene die wahre Bedeutung der Kreislaufwirtschaft erkannt und zum Handlungsprinzip für die Zukunft gemacht hat. Wenn es aber darum geht, recyceltes Material erneut einzusetzen, sind wir in Deutschland noch nicht gut. Bisher kommen erst 13 Prozent der Materialien aus recycelten Rohstoffen. Dabei könnte ein erhöhter Einsatz dauerhaft zu einer Minderung des CO2-Ausstoßes führen und signifikant etwas für den Klimaschutz tun. Wenn deutsche Ingenieure lernen, Produkte so zu gestalten, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus zu Rohstofflieferanten werden können, dass sie also Designed for Recycling sind, dann haben wir die besten Produkte der Welt, mit denen wir auch Weltmarktführer sein können!“

Für Jenny Walther-Thoß, Senior Consultant Sustainability bei Berndt + Partner Creality GmbH sollten Unternehmen eigene Markenansprüche auch mal zurückstellen „Design for Recycling heißt nicht nur auf den Einsatz nachhaltiger Materialien zu achten, sondern bedeutet auch, das eigene Verpackungsdesign zu Gunsten einheitlicher und recyclingfähiger Prozesse umzustellen. Außerdem braucht jedes Produkt einen Wert, z.B. über Pfand, damit es von Verbrauchern geschätzt und am Ende dem Kreislauf zurückgeführt wird.“

Real Talks ist eine Veranstaltungsreihe von Coca-Cola in Europa. In regelmäßigen Diskussionsformaten mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stellt sich Coca-Cola Fragen zu Nachhaltigkeit, dem eigenen Portfolio und der unternehmerischen Verantwortung. Der erste Real Talk in Deutschland war gleichzeitig der Pilot für Europa. Weitere Termine folgen. Die Veranstaltung in Berlin fand in Kooperation mit der Handelsblatt Media Group statt. (opm)

Foto: Coca-Cola Deutschland/Gero Breloer

3 Kommentare

  1. Ist alles sehr Verständlich, aber muss vieles eigentlich in Kunstoff Verpackt werden? Viele Supermärkte haben nur Kühlschränke mit ein paar Scheiben Wurst oder Käse, muss das sein? Jeder einzelne Batterie auch wieder mit Kunstoff verpackt , Warum? Tausende Artikel werden so verpackt. Bei Lebensmittelware werden Aussagen vom Fachpersonal Bestätigt über 50% wegen Ablaufdatum werden vernichtet! Muss das so sein? Hier müssen Ansätze gemacht werden! Es kann nicht sein das 80 Millionen Menschen Hunger leiden, und wir machen Vernichtung Müll und tragen zu verheerenden KLIMAWANDEL bewusst bei. Unsere Regierung weist es, und Handelt nicht. Was nützt eine Kreislaufwirtschaft, wenn vor Beginn der Herstellung aller Produkte nicht die Ziele verfolgt werden. Verantwortlich sind hier die Geier, die nur Profit sehen mit wenig währe es mit Kunstoff zu verpacken, was mit dem Müll passiert ist zweitrangig, aber das Produkt Preiswerter ist als die Verpackung! Hier müssen Ansätze gemacht werden.

  2. Wie kommen achtlos weggeworfene Getränkeflaschen, Einkaufstüten und Verpackungsmüll ins Meer?
    Buchen diese bereits einen Urlaub, während sie auf der Straße liegen?

    Richtig, wir haben zuviel Müll. Zuviel mehrfach Umverpackungen etc.
    Doch wir fahren doch nicht auf’s Meer hinaus, um diesen Müll zu entsorgen!

    Hierfür sind doch die Entsorger verantwortlich, die unseren Müll ans Ausland verkaufen oder zur Vernichtung in Auftrag geben.

    Dazu kommt Müll der Schifffahrt, die einfach skrupellos verklappt.

    Wenn diese Wege schärferer Kontrolle und Ahndung unterliegen würden, wäre schon viel erreicht.

  3. Müll fängt bei der Herstellung an, und die Gier nach Betrug und Geld steuert dieses Verhalten was jedem Bürger suggeriert wird, um meist viel solchen Scheiss zu kaufen. Bei jeder Erzeugung die nur Profit nach Kapital Ausschau hat, wird dieser Müll vervielfacht.

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