Düsseldorf: Michael Kountouris – Cartoons über das Spiel mit dem runden Leder

Bereits zum zweiten Mal zeigt Michael Kountouris eine Vielzahl seiner Cartoons, diesmal alle mit einem Bezug zum Thema Fußball, in der Benefiz-Galerie des Straßenmagazins fiftyfifty, für das er einige Jahre auch pro bono Monat für Monat Arbeiten zur Verfügung gestellt hat.

Düsseldorf – Die Eröffnung findet unmittelbar vor Beginn der EURO 24, am 13. Juni, um 18:00 Uhr, statt – Dauer der Ausstellung, dessen Schirmherrschaft das Generalsekretariat für die Diasporagriech:innen und der öffentlichen Diplomatie des Außenministeriums der HELLENISCHEN REPUBLIK GRIECHENLAND übernommen hat, ist bis zum 28. Juni 2024 (Jägerstraße 15, Düsseldorf). Der Künstler wird bei der Vernissage anwesend sein. Eine Ansprache hält der Generalkonsul von Griechenland in Düsseldorf, Vassilis Koinis. Die Karikaturen werden zu Gunsten der Obdachlosenhilfe verkauft. Es erscheint eine handsignierte Edition, die zur Eröffnung gegen eine Spende für die Arbeit von fiftyfifty abgegeben wird. Ab dem 31.08.2024 stellt Michael Kountouris auch in der Stadtbücherei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein, Landkreis Ostholstein) aus. Beide Ausstellungen werden unterstützt durch die GESELLSCHAFT GRIECHISCHER AUTOR:INNEN IN DEUTSCHLAND e.V. (GGAD)


Spiel des Lebens
Für den griechischen Cartoonisten Michael Kountouris ist Fußball eine Metapher

Wer wüsste nicht besser als Obdachlose, wie schwer es ist, das eigene Schicksal vor sich herschiebend, sich den Berg herauf zu quälen? Was in der antiken griechischen Mythologie der Stein des Sysiphos, ist für den Cartoonisten Michael Kountouris, 1960 auf Rhodos geboren, in einer seiner vielen Arbeiten der Fußball. Der steile Anstieg auf diesem Bild ist überfüllt mit Menschen, die nur allzu gerne das Scheitern dieses tragischen Helden, der über ihre Leiber hinweggeht, erleben wollen und werden. Am Ende rollt der Ball ja auch tatsächlich nach unten, immer und immer wieder; die Geschichte ist bekannt. Tragisches Scheitern, wie Albert Camus es in seinem berühmten Roman bereits 1942 so treffend beschrieben hat: „Der Mensch … lässt … sein eigentliches Wesen verschwinden, das Gegensatz, Zerrissenheit und Entzweiung ist.“

Doch anders als bei Camus ist für Kountouris immer auch das Prinzip Hoffnung maßgeblich. Eigens für eine Ausstellung in der Benefiz-Galerie des Straßenmagazins fiftyfifty (siehe Kasten) hat der vielfach ausgezeichnete Künstler, der für alle wichtigen griechischen und einige internationale Zeitungen arbeitet sowie als Kinderbuch-Illustrator tätig ist, einige neue Cartoons geschaffen, die vermitteln sollen, „dass allen menschlichen Abgründen zum Trotz Zusammenhalt und Solidarität“ obsiegen. Allein schon sein dezidiert künstlerischer Malstil, der, anders als bei anderen seines Faches völlig ohne Sprechblasen auskommt, ist Ausdruck dieser Haltung. Etwa beim kleinen Prinzen: Zusammen mit dem getreuen Fuchs schaut er von seinem Stern aus auf ein blaues Fußballfeld – eine Metapher für unseren blauen Planeten und dafür, dass dieses Spiel die Welt einen kann, mehr noch, sie in ihrem Inneren zusammen hält, wie ein anderer Cartoon, der eigentlich sogar ein Gemälde ist, es zeigt. Fußball, das ist nicht nur der Wettstreit zwischen den Nationen, der von Gier getriebene Kommerz, sondern auch das Einende, das Menschen Verbindende, das soziale Grenzen Überwindende. So gezeigt etwa in dem grünen Spielfeld, die weißen Linien darauf in der Mitte erweitert durch die stilisierte Darstellung eines Hauses – ein Haus für Obdachlose.

Das Spiel der Spiele solle, so Kountouris, immer auch und gerade diejenigen in den Blick nehmen, die auf der Verliererseite stehen. Nicht umsonst etwa laden deshalb auch Vereine wie Fortuna Düsseldorf und andere häufig Menschen von der Straße, Benachteiligte und Geflüchtete ins Stadion ein. Das Gefühl dabei, dass es nichts ausmacht, woher du kommst und wo du stehst, das Gefühl des Dazugehörens, weil übliche gesellschaftliche Attribute wie etwa teure Kleidung durch Trikots und Fan-Schals ersetzt werden, das Erlebnis, gemeinsam zu jubeln und zu weinen, das ist es, was diesen Sport so einzigartig integrativ sein lässt. Genau deshalb wohl gibt es sogar eine eigene Fußball-Weltmeister der Obdachlosen, bei der Mannschaften aus aller Welt in Ländern auf allen Kontinenten immer wieder um den Titelgewinn kämpfen.

Für Michael Kountouris war es ein Leichtes, auch diese Dimension des Fußballs sichtbar zu machen. „Fußball“, so sagt er, „das kann auch Zuhause sein“. Das Bild eines Tores auf dem Spielfeld bildet bei ihm sozusagen das Dach, unter dem eine Couch, ein Herd, ein Tisch und ein Bild an der Wand, dem Tor-Netz, vereint sind. Und wieder bilden die weißen Linien auf dem grünen Rasen einen Sehnsuchtsort für Obdachlose – diesmal kein ganzes Haus, sondern den Grundriss für eine Wohnung, die ihnen eigentlich nach allen Maßstäben der Humanität zustehen sollte. „Wir sind in der Verantwortung, die soziale Frage und so viele andere, wie etwa Krieg und Umweltzerstörung, zu lösen; Fußball kann einen Beitrag dazu leisten“, so Michael Kountouris. (Hubert Ostendorf) (opm)

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