Ein Blick zur altehrwürdigen Dülkener Narrenmühle

Die Narrenmühle ist eine Bockwindmühle mit Segelgatterflügeln, Steertflügelnachführung und – als Seltenheit – mit ziegelummauertem Ständer (Bock) im Viersener Stadtteil Dülken am linken Niederrhein an der südostwärts verlaufenden Rheindahlener Straße.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Dülken/Sehenswürdigkeiten Bereits 1809 wurde die heutige Narrenmühle von dem Pächter der Tränk(en)mühle Holtz errichtet, die als Kornmühle genutzt wurde und im Jahr 1906 in städtischen Besitz überging. 1912 wurde die Mühle um 1,80 Meter gehoben und ein Museum eingerichtet.

Narrenmühle Dülken
Dülkener Narrenmühle – Foto: Rheinischer Spiegel

Die Mühle gilt als Wahrzeichen von Dülken. Bis zum Jahr 1950 befand sich dort ausschließlich ein Museum. Danach wurde die Mühle an die Narrenakademie der „Berittenen Akademie der Künste und Wissenschaften“ („Academia Equestris Artium et Scientiarum“) abgegeben, die von da an im unteren Teil weiterhin ein Narrenmuseum unterhält und im oberen Teil, im sogenannten „Weisheitssaal“, ihre Sitzungen abhält. Am 11. November jedes Jahres treten die Mitglieder der Narrenakademie (früher vornehmlich Akademiker, Kaufleute und Stadträte) ihren Narrenritt auf hölzernen Steckenpferden um die Windmühle an und eröffnen damit die Dülkener Karnevalssession. Der Ritt um die Narrenmühle kann als Tradition bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden, wird aber bereits von Anbeginn Praxis der Berittenen Akademie gewesen sein. Alte Orden, Fahnen, Hüte und Bücher, die dies belegen, werden im Museum der Mühle aufbewahrt.

Narrenmühle Dülken
Museum in der Dülkener Narrenmühle – Foto: Rheinischer Spiegel

Bis zum Jahre 1799 spielten sich die närrischen Aktivitäten im Norden der Stadt vor dem Süchtelner Tor bei der 1556 gebauten Bockmühle (Tränkenmühle oder Dülkener Hochmühle genannt) ab. Am 9. September 1800 zerstörte ein Herbststurm viele Teile der Mühle, deren Rest einen Monat danach am 2. Oktober abbrannte. Sie hatte auch einen eingefassten Bock wie die heutige Narrenmühle, allerdings aus Holz. 1809 wurde dann im Süden des damals eigenständigen Städtchens Dülken die heute noch existierende Bockmühle mit gemauertem Sockel errichtet. Die Narrenakademie hat eine lange Tradition. Vor mehr als 450 Jahren zur Zeit des mehr als drei Jahre dauernden, auf Veranlassung von König Sigismund abgehaltenen Konstanzer Konzils (1414-1418) verkündete Herzog Adolf II., dass „…nun die Bürger unserer getreuen Stadt Dülken des Narrentums nicht länger ledig gehen wollen und eine bürgerliche Akademie gründen.“ Erst um 1554 fand die proklamierte Gründung der „erleuchteten Monduniversität“ („Illuminata universitas lunaris“) tatsächlich statt, an der Hofnarren zu akademischen Graden kommen konnten. (cs)

Das Narrenmuseum ist von Mai bis September jeden Sonntag zwischen 11:00 und 12:00 Uhr geöffnet. Darüber hinaus können individuelle Besichtigungstermine vereinbart werden (narrenakademie.de)

Museum in der Dülkener Narrenmühle – Foto: Rheinischer Spiegel