Schon bevor die ersten Scheinwerfer am vergangenen Samstag aufleuchten, liegt eine gespannte Erwartung über dem Saal des Krefelder Seidenweberhauses.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Kunst & Kultur/Krefeld – Ich schreibe gerne über die Q Revival Band, entführen mich die Bandmitglieder doch immer wieder in eine unbeschwerte Zeit meiner eigenen Vergangenheit. In Krefeld ist es die Art von Vorfreude, die nicht auf ein gewöhnliches Rockkonzert abzielt, sondern auf ein Ereignis, das Erinnerungen weckt und zugleich neue setzt. Als die Musiker der Q Revival Band schließlich die Bühne betreten, ist die Richtung des Abends schnell klar: Hier geht es um mehr als um bekannte Melodien – hier wird ein musikalisches Erbe mit bemerkenswerter Konsequenz in die Gegenwart geholt.

Über Stunden hinweg zieht die Band das Publikum hinein in eine Welt, in der Rockmusik noch Pathos, Theater und Grenzüberschreitung zugleich war. Vom ersten Gitarrenriff an bis zur letzten Zugabe entfaltet sich eine Dramaturgie, die das Werk einer der prägendsten Bands der Musikgeschichte nicht nur abbildet, sondern regelrecht zelebriert. „Bohemian Rhapsody“, „We Will Rock You“, „It’s a Kind of Magic“ oder „Another One Bites the Dust“ – die Setlist liest sich wie ein kondensiertes Best-of, doch es ist die Art der Darbietung, die diesen Abend trägt.
Im Zentrum steht Josch Hinder, seit 2025 Frontmann der Formation, dessen Präsenz den Raum sofort bindet. Es ist nicht allein die stimmliche Kraft, die auffällt – es ist die Fähigkeit, Haltung, Gestik und jene schwer greifbare Aura zu transportieren, die einst die größten Bühnen der Welt beherrschte. Hinder bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit zwischen Nähe und Inszenierung, zwischen Ekstase und Kontrolle, die das Publikum immer wieder in Bann zieht. Seine Stimme trägt mühelos durch die komplexen Arrangements, wechselt zwischen Pathos und Leichtigkeit und bleibt dabei erstaunlich nah am Original, ohne in bloße Imitation zu kippen.
Neben ihm steht mit Stefan Pfeiffer ein Gitarrist auf der Bühne, der nicht nur optisch an sein berühmtes Vorbild erinnert. Sein Spiel, sein Ton, selbst kleinste Bewegungen wirken bis ins Detail studiert und zugleich organisch. Es ist diese Präzision, die den Klang der Band prägt: nichts wirkt zufällig, jede Nuance sitzt, jeder Einsatz folgt einer inneren Logik, die sich aus jahrelangem Zusammenspiel speist. Tatsächlich kennen sich die Musiker zum Teil seit den frühen Tagen der Band, die bereits 1993 gegründet wurde – als eines der ersten professionellen Tribute-Projekte in Deutschland überhaupt.

Was damals als ambitioniertes Vorhaben begann, die Atmosphäre legendärer Konzerte weiterleben zu lassen, hat sich über die Jahrzehnte zu einer ausgefeilten Produktion entwickelt. Instrumente, Verstärker, selbst Requisiten orientieren sich an den Originalen der 1970er- und 1980er-Jahre. Der Bühnenaufbau folgt historischen Vorbildern, ohne museal zu wirken. Unterstützt von aufwändigen Lichteffekten und überraschenden Showmomenten entsteht ein Gesamtbild, das den Anspruch erhebt, mehr zu sein als eine bloße Kopie.
Dabei ist es gerade die Nähe zum Publikum, die den Abend besonders macht. Immer wieder sucht die Band den direkten Kontakt, bindet die Zuhörer ein, lässt sie Teil der Inszenierung werden. Hände gehen nach oben, Chöre setzen ein, und für Augenblicke verschwimmen die Grenzen zwischen Bühne und Saal. Es ist diese kollektive Erfahrung, die den Kern solcher Abende bildet: die gemeinsame Erinnerung an Musik, die Generationen verbindet.
Dass diese Songs auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Kraft verloren haben, zeigt sich nicht nur an der Reaktion im Saal. Die anhaltende Popularität der Band speist sich aus vielen Quellen: erfolgreiche Musicalproduktionen, preisgekrönte Filme, digitale Plattformen, auf denen die Klassiker millionenfach – oft milliardenschwer – gestreamt werden. Die Musik ist allgegenwärtig, sie hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Für viele Jüngere ist sie eine Entdeckung, für Ältere eine Rückkehr.
So mischt sich im Seidenweberhaus ein Publikum, das unterschiedlicher kaum sein könnte. Neben langjährigen Fans stehen junge Besucher, die die Songs vielleicht erst aus Film oder Streaming kennen. Doch wenn die ersten Akkorde erklingen, spielt das keine Rolle mehr. Die Musik schafft eine Verbindung, die Altersgrenzen mühelos überwindet.
Am Ende dieses Abends bleibt mehr als nur der Eindruck einer gelungenen Show. Es ist das Gefühl, Zeuge eines Moments gewesen zu sein, in dem Vergangenheit und Gegenwart ineinander greifen. Die Q Revival Band gelingt es, die Essenz einer großen Rockgeschichte zu bewahren und zugleich neu zu beleben. Und während der Applaus noch lange nachhallt, scheint ein Satz, der einst als Selbstverheißung formuliert wurde, leise im Raum zu stehen: Nicht ein Rockstar wollte er sein – sondern eine Legende. Für einen Abend in Krefeld hat sich diese Legende noch einmal bemerkbar gemacht. (sk)





