Einzigartig in Süchteln: Das Buschhüterhaus

Das auf vorhandenen Fundamenten 1902 von dem Architekten Karl Buschhüter für den Bauherrn Jakob Kamp errichtete Wohn- und Geschäftshaus, gilt als wichtiges Zeugnis der Frühzeit moderner Architektur. Ein Eisenfachwerk an der Hochstraße 57, mit reinen Jugendstilformen und einer homogenen Gesamtgestaltung, wie sie in Süchteln einzigartig ist.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Süchteln/Sehenswürdigkeit Mitten in der Innenstadt an der Hochstraße gilt das Eisenfachwerkhaus als Zeugnis der Frühzeit moderner Architektur. Das 1902 errichtete Baudenkmal ist ein viergeschossiges, schmales Eckhaus mit einem turmartigen Vorbau und einem hohen Walmdach. Die Eisenstruktur wurde mit keramischen Fliesen ausgefüllt, ist außen sichtbar und rahmt die schlichten Jugendstilfenster ein.

Foto: Rheinischer Spiegel

Architekt Karl Buschhüter schuf für den Bauherrn Jakob Kamp das Wohn- und Geschäftshaus. Buschhüter (1872 – 1956) galt als Lebensreformer und Wegbereiter des ökologischen Bauens. Typisch für seinen Stil sind seine steilen Krüppelwalmdächer und Fachwerkkonstruktionen, die mit der Theorie des „biologischen Funktionalismus“ die Grundlage seines Schaffens bildeten. Jedoch nicht nur mit seinen Gebäuden war Buschhüter Gesprächsthema seiner Zeit, er wetterte offen gegen den Kapitalismus, die Wirtschaft, Industrie und die Juden. Sein Leben als Lebensreformer war geprägt von Rassenhass und völkischem Denken. Er galt als streitsüchtig, kompromisslos und als „hasserfüllter Waldschrat“ meist ohne Schuhe und mit selbstgenähten Leinenkleidern. Weil sich seiner Meinung nach Rasur und Haarschnitt für einen deutschen Mann nicht ziemten, verzichtete er ebenso auf diese Pflege. Dennoch wurde er als Architekt immer wieder gebucht, nahm sogar Aufträge von Juden an, die zumeist in heftigem Streit, unvollendeten Bauten und öffentlichen Pamphleten gegen die Auftraggeber endeten. Im Laufe der Zeit waren ihm sogar die Nazis nicht deutsch genug, sah sich als „Verkünder“, bis er 1956 völlig vereinsamt verstarb.

Während des zweiten Weltkrieges wurden viele der von ihm geplanten Häuser zerstört, die meisten der erhaltenen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Die Konstruktion des Eisenfachwerkhauses in Süchteln war zu seiner Zeit so neu, dass die behördliche Bauaufsicht während der Bauzeit Bedenken hinsichtlich der Statik anmeldete. Das Buschhüterhaus gilt als Nachweis stilgeschichtlicher Entwicklungsprozesse sowie als Zeugnis für die technische Entwicklung von Baumaterialien. Aufgrund der selten verwendeten Technik bildete ebenso Grundlange für den Denkmalschutz, wodurch der Originalzustand weitestgehend erhalten werden konnte. (dt)


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