Flanieren durch den Evangelischen Friedhof in der Viersener Südstadt

Der 1825 gegründete Evangelische Friedhof liegt bis heute hinter der evangelischen Kreuzkirche in Viersen, umringt von Mauern und Hecken. Die Aufmachung ähnelt einer Parkanlage.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Sehenswürdigkeit Am Haupteingang zieht sich eine in den Osten führende Allee entlang der dort früher liegenden Kindergräber. Rechts von der Allee befinden sich drei parallel zueinander liegende, schmale Fußwege. Diese unterteilen den Friedhof in drei Abschnitte. Zwischen Pfad eins und zwei findet man die repräsentativen Familiengräber. Zwischen Pfad zwei und drei befindet sich eine Wiese, auf der rund dreizehn einfache Einzelsteine verstreut liegen. Früher befand sich hier der Gemeindefriedhof.

Foto: Rheinischer Spiegel

Betrachtet man die Namen auf den einzelnen Grabsteinen, lässt sich feststellen, dass die meisten dieser Namen eine Verbindung zu der im 19. Jahrhundert wirtschaftlichen Entwicklung herstellen. Insbesondere im Bereich der Textilindustrie. Hervorzuheben sind besonders die Familien Furmans, Preyer, Greef und der Kommerzienrat Freiherr Friedrich von Diergardt, dem die Viersener viel durch sein soziales Engagement zu verdanken haben.
Dagegen ist die Architektur des Friedhofes eher schlicht gehalten. Das ist auf den Glauben der Protestanten zurück zu führen, dessen Weltanschauung rational diszipliniert und puristisch ist. Nichts soll, genau wie in deren Kirche, von den Dingen ablenken – man soll sich einzig und allein auf die Sache selbst konzentrieren. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel

Feierlich wurde im Frühjahr 2018 der „Alte Evangelische Friedhof“ hinter der Viersener Kreuzkirche eingeweiht und dazu gab es allen Grund: Ein Vierteljahrhundert hat das ehrgeizige Projekt gedauert. „Ziemlich heruntergekommen, düster, dunkel, zugewachsen und eingesperrt“, erinnert sich Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff an den Zustand vor der Restaurierung der historischen protestantischen Begräbnisstätte vor 25 Jahren.

Foto: Rheinischer Spiegel

Nachdem in einem ersten Schritt das Areal durch einen umfangreichen Rückschnitt und eine notwendige Auslichtung des Grünbewuchses freigelegt worden war, trat erst der bedauernswerte Zustand der Grabstätten vollständig zutage. Ein Förderverein wurde 2010 gegründet, Sponsoren gesucht. Die Sparkassenstiftung gab eine spontane Zusage zur Unterstützung der erforderlichen Maßnahmen. Leopold Freiherr von Diergardt wusste um den beklagenswerten Zustand der Anlage, auch Ruhestätte seiner Viersener Vorfahren. Für den Vorsitzenden des Fördervereins „Alter Evangelischer Friedhof“ war es eine Herzensangelegenheit, das Projekt zu fördern.

Die Grabsteine wurden restauriert, wenn nötig, an den ursprünglichen Standort zurückgeführt, gesichert, neu fundamentiert und verdübelt. Ein Umwerfen der Gedenkstellen ist jetzt nicht mehr möglich. Für die Restaurierung eines historischen Friedhofs ungewöhnlich hohe Zuwendungen gab es von der NRW Stiftung, bei der Feierstunde vertreten durch Regionalbotschafter Armin Huber und dem Landschaftsverband Rheinland. Hier hatte besonders der Vorsitzende des Vergabegremiums, Prof. Dr. Leo Peters die nötigen Weichen gestellt. (stb)


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