Ein lang erwarteter Termin, viele konkrete Ideen und ein spürbar konstruktiver Ton prägten am gestrigen Dienstag das Gespräch im Viersener Stadthaus: Bürgermeister Christoph Hopp empfing Vertreter der Griechischen Gemeinde Viersen und Umgebung zu einem ersten offiziellen Austausch.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Viersen – Was lange als Wunsch im Raum stand, nahm gestern konkrete Gestalt an: Nikolaos Ioannidis, Vorsitzender der Griechischen Gemeinde, und sein Stellvertreter Sakis Tsivalidis nutzten die Gelegenheit, um die Anliegen ihrer Mitglieder direkt mit dem Stadtoberhaupt zu besprechen und zugleich Vorschläge zu unterbreiten, die weit über die eigene Gemeinde hinausreichen sollen. Begleitet wurden sie von Furkan Er, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration, der die Gespräche in die kommunalpolitische Arbeit weitertragen will.
Ein einfaches Gespräch? Nein, denn erstmals trafen Vertreter der Griechischen Gemeinde Viersen und Umgebung ganz offiziell direkt mit Bürgermeister Christoph Hopp zusammen. Die Einladung gehe auf ein vor der Wahl gegebenes Versprechen zurück, wurde im Gespräch positiv hervorgehoben. Sakis Tsivalidis verband daher seine Wortmeldung mit einem Dank an den Bürgermeister. Für die Griechische Gemeinde sei dies ein wichtiger Moment, da der direkte Kontakt zur Stadtspitze bislang gefehlt habe, so Tsivalidis.
Im Mittelpunkt stand so zunächst der bereits seit langem gehegte Wunsch nach einem Raum, der als offener Kultur- und Begegnungsort dienen könnte. Die Griechische Gemeinde machte dabei früh klar, dass ein solches Angebot nicht nur der eigenen Mitgliedschaft zugutekommen solle. Gedacht war vielmehr an einen Treffpunkt, den unterschiedliche internationale Gemeinschaften gemeinsam nutzen könnten. Das Anliegen war mit einem klaren integrativen Anspruch verbunden: Begegnung ermöglichen, Austausch fördern, Veranstaltungen erleichtern und zugleich einen Ort schaffen, an dem kulturelles Leben sichtbar und greifbar wird.
Bürgermeister Hopp fragte im Verlauf des Gesprächs genau nach, welche Anforderungen ein solcher Raum erfüllen müsse. Gemeint war ein vielseitig einsetzbarer Ort, an dem Vorstandssitzungen, Schulungen und kleinere Feiern stattfinden können, der aber auch für mehrere Migrationsvereine offensteht. Nach dem Verständnis von Nikolaos Ioannidis wäre gerade diese gemeinsame Nutzung ein sichtbares Zeichen gelebter Integration, weil nicht jede Gruppe für sich arbeitet, sondern verschiedene Vereine denselben Raum teilen und dadurch auch untereinander in Kontakt kommen. Erfreulich: Die Frage der Umsetzung wurde nicht abstrakt belassen. Furkan Er erhielt unmittelbar den Auftrag das Thema in der am morgigen Donnerstag stattfindenden Sitzung auf die Tagesordnung zu bringen. Zudem sollen die übrigen Migrantenvereine befragt werden, um Bedarf und Interesse genau zu erfassen. Ebenfalls ein Antrag an die Stadt soll vorbereitet werden, damit mögliche Räumlichkeiten geprüft werden können.
Neben der Raumsuche stellte die Griechische Gemeinde ein weiteres Vorhaben vor, das kulturellen Anspruch und historisches Interesse miteinander verbindet. Im Zusammenhang mit einer möglichen Olympiabewerbung brachte sie den Vorschlag ein, eine Ausstellung zu den Olympischen Spielen zu organisieren. Die Grundlage dafür bildet nach Angaben der Beteiligten ein außergewöhnlicher Bestand an historischem Material, darunter originale Alben der Spiele, mehr als 400 authentische Schwarz-Weiß-Fotografien sowie ergänzende olympische Erinnerungsstücke aus privatem Besitz. Hinzu kommen weitere Objekte wie Olympische Fackeln aus verschiedenen Spielen und originale Bücher, die im Rahmen einer Ausstellung ebenfalls präsentiert werden könnten.
Die Ausstellung ist als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart gedacht. Sie soll historische Dimensionen sichtbar machen, zugleich aber auch den Blick nach vorn richten. Die Griechische Gemeinde verband daher ihren Vorschlag ausdrücklich mit dem Gedanken, die deutsch-griechische Freundschaft zu stärken und eine mögliche deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036 symbolisch zu begleiten. Ebenso sollte die lokale Öffentlichkeit eingebunden werden. Besonders Schulen und Senioreneinrichtungen sollen einbezogen werden, damit Geschichte nicht nur ausgestellt, sondern generationenübergreifend diskutiert und erlebt wird.
Auch das laufende Gemeindeleben war Thema des Treffens. Wie in jedem Jahr plant die Griechische Gemeinde eine Feier, deren Erlöse sozialen und gemeinnützigen Projekten in Griechenland zugutekommen. Wegen der inzwischen hohen Zahl an Mitgliedern wird die Veranstaltung in diesem Jahr in Nettetal-Lobberich stattfinden, im dortigen griechischen Café Crema. Bürgermeister Hopp wurde dazu ebenfalls eingeladen, auch wenn er urlaubsbedingt leider nicht teilnehmen kann.
Am Ende stand der Eindruck eines Gesprächs, das nicht bei freundlichen Worten stehen blieb, sondern von Beginn an auf nächste Schritte ausgerichtet war. Insbesondere die Prüfung geeigneter Räumlichkeiten soll zeitnah konkretisiert werden. (sk)





