Wer gestern durch die Viersener Fußgängerzone schlenderte, sah schnell, wie unscheinbar der Abfall auf den ersten Blick wirkt und wie groß das Problem in der Summe ist: Bei einer gemeinschaftlichen Sammelaktion der Grünen kamen innerhalb von knapp einer Stunde rund 4000 Zigarettenstummel zusammen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen und Martin Häming
Viersen – Die Aktion war Teil der diesjährigen Tage der Nachhaltigkeit und sollte den Blick auf eine der hartnäckigsten Formen von Alltagsmüll lenken, die im Stadtbild meist übersehen wird, ökologisch aber weitreichende Folgen hat. Treffpunkt war die Geschäftsstelle von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an der Hauptstraße 109. Von dort aus machten sich die Teilnehmenden mit Schraubgläsern und Sammelwerkzeug auf den Weg durch die Innenstadt. Organisiert hatte die Aktion der Ortsverband der Grünen in Viersen. Ziel war es, sichtbar zu machen, was sonst oft achtlos auf Gehwege, in Beete, an Straßenränder oder in Gullys fällt und dort lange liegen bleibt. Der Ton der Veranstaltung war bewusst sachlich und praxisnah: Es ging nicht um Symbolpolitik, sondern um eine konkrete Form der Aufräumarbeit mitten im öffentlichen Raum.
Zigarettenstummel gelten inzwischen als einer der häufigsten Abfallstoffe weltweit. In ihnen sammeln sich Schadstoffe wie Nikotin, Schwermetalle und Rückstände aus dem Tabakrauch. Hinzu kommt der Filter, der häufig aus Celluloseacetat besteht, also aus einem schwer abbaubaren Kunststoff. Was im Alltag klein und leicht wegwerfbar erscheint, entwickelt sich in der Umwelt zu einem Problem mit langer Halbwertszeit. Regen kann die darin enthaltenen Stoffe auswaschen; sie gelangen dann in Böden, in die Kanalisation und von dort in Bäche und Flüsse. Damit belasten sie Pflanzen, Tiere und letztlich auch die Gewässerqualität.
Gerade in einer dicht belebten Innenstadt wie Viersen wird dieses Problem besonders deutlich. Die Fußgängerzone ist ein Ort mit viel Publikumsverkehr, kurzen Wegen, Cafés, Geschäften und öffentlichen Aufenthaltsflächen. Wo sich viele Menschen bewegen, sammeln sich Kleinstabfälle schnell an. Zigarettenreste gehören dabei zu den hartnäckigsten Begleitern. Anders als Papier oder organische Abfälle verschwinden sie nicht rasch, sondern bleiben über Jahre, teils Jahrzehnte in der Umwelt. Umweltverbände gehen davon aus, dass sich Zigarettenfilter nur sehr langsam zersetzen; in Gewässern kann der Prozess nach Angaben von Naturschutzorganisationen besonders lange dauern.
Die Aktion in Viersen machte deshalb nicht nur einen sauberen Abschnitt der Innenstadt zum Thema, sondern auch die unsichtbare Folgelast solcher Abfälle. Ein Zigarettenstummel ist kein bloßes Randdetail der Stadtsauberkeit. Er ist ein kleiner Trägerstoff für eine Mischung aus problematischen Inhaltsstoffen und zugleich ein Stück Kunststoff, das sich in der Natur kaum rückstandsfrei abbaut. Dass bei der Sammelaktion binnen kurzer Zeit mehrere tausend Exemplare zusammenkamen, verdeutlichte den Umfang des Problems mit eindrucksvoller Klarheit.
Die Viersener Grünen verbanden die Aktion mit dem Appell, Nachhaltigkeit nicht als abstrakten Begriff zu verstehen. Sie betonten, dass Umwelt- und Gewässerschutz im Alltag beginne und jede aufgehobene Kippe einen unmittelbaren Beitrag zu einer saubereren Stadt leiste. Der Ortsverband setzte damit auf ein einfaches, aber wirksames Prinzip: Wer aufräumt, erkennt die Größenordnung des Problems leichter. Und wer die Mengen mit eigenen Augen sieht, entwickelt oft ein anderes Bewusstsein für Wegwerfverhalten und öffentliche Verantwortung.
Die Organisatoren hatten die Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen. Auch das gehörte zum Konzept der Aktionstage Nachhaltigkeit: nicht nur informieren, sondern Beteiligung ermöglichen. Viele kamen mit Schraubgläsern, wie im Vorfeld empfohlen, und sammelten damit die Stummel getrennt ein. Dass Zigarettenstummel weltweit zu den am häufigsten weggeworfenen Abfällen zählen, ist seit Jahren bekannt. Weniger präsent ist oft, wie stark sie einzelne Orte belasten können. Schon wenige achtlos entsorgte Filter genügen, um den Eindruck eines vernachlässigten Ortes zu erzeugen. Auf Dauer beeinträchtigt das nicht nur die Optik, sondern auch die Funktion des öffentlichen Raums. Für Städte, die auf gepflegte Plätze, saubere Wege und intakte Grünflächen angewiesen sind, ist das kein Nebenthema. Es betrifft Aufenthaltsqualität, Umweltbewusstsein und nicht zuletzt den Aufwand für Reinigung und Entsorgung. (dt)





