Was sich auf einem unscheinbaren Hof am Rande von Grefrath abgespielt haben soll, gleicht einem Alptraum für Tierschützer – und wird nun zu einem Fall für Polizei und Veterinäramt. Die Tierrechtsorganisation Team Tierschutz hat mit verdeckten Aufnahmen dokumentiert, wie anscheinend in einem lokalen Schlachtbetrieb über Wochen hinweg Tiere unter massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetz getötet wurden.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Grefrath – Laut Angaben der Tierrechtsorganisation Team Tierschutz sollen dort zwischen dem 3. Juli und 4. September 2025 Schafe und Rinder vielfach offenbar ohne wirksame Betäubung, in einem Fall sogar in einem geheimen, illegalen Schlachtraum, geschlachtet worden sein. Nach den eingegangenen Hinweisen der Tierschützer auf illegale Schlachtungen rückten Mitarbeiter des Veterinäramts gemeinsam mit der Polizei am gestrigen Mittwoch an. Vor Ort bestätigte sich nach einer ersten Kontrolle der Anfangsverdacht auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, sodass unmittelbar weitere Ermittlungen eingeleitet wurden, informierte ein Sprecher des Kreises Viersen. Das Gelände wurde umfassend durchsucht, die Einsatzkräfte blieben bis in die Mittagsstunden im Einsatz.

Besonderes Augenmerk galt zunächst den Tieren, die sich noch auf dem Hof befanden. Um das Wohlergehen der Schafe und Rinder zu sichern, organisiert das Veterinäramt ihre Unterbringung außerhalb des Betriebs. Aufgrund der großen Zahl an Tieren erfordert dies umfangreiche logistische Absprachen, die jedoch zügig umgesetzt werden sollen. Während die Versorgung der Tiere inzwischen gewährleistet ist, dauern sowohl die veterinärrechtlichen Verfahren als auch die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden weiterhin an.
Die Bilder, die der Organisation zugespielt wurden, dokumentieren nach Angaben der Tierschützer schwerste Verstöße. „Die Aufnahmen sind kaum zu ertragen: Im offiziellen Schlachtraum des Betriebs wurden im genannten Zeitraum 61 Schafschlachtungen und 3 Rinderschlachtungen dokumentiert, wovon 61 Tiere fehlbetäubt geschlachtet wurden. Alle Schafe und auch eine Kuh zeigen beim Entbluten deutliche Schmerzreaktionen. Todeskämpfe über viele Minuten. Mitarbeiter gehen grob mit den Tieren um, schleifen sie an den Extremitäten, treten sie, um sie vom Ort der Betäubung zum Ort des Entblutens zu bewegen. Händische Genickbrüche bei geöffneten Hälsen. Manche Tiere zeigten sogar während der Enthauptung noch Schmerzreaktionen. Bei einem Rind ist zu sehen, dass ein Stich in den Hals als Überprüfung genutzt wird, ob der Tod schon eingetreten ist. Trotz heftiger Schmerzreaktion des Rindes erfolgt keine Nachbetäubung“, heißt es in der Pressemitteilung.
In einem versteckten Nebenraum, so die Tierschützer, wurden Schafe bewusst ohne jede Betäubung getötet. Dort sollen auch Kunden selbst Hand angelegt haben, teils unter Anleitung des Betreibers, informiert die Tierrechtsorganisation: „Die Aufnahmen zeigen, wie der mutmaßliche Betreiber den Hals der angsterfüllten Schafe mit einem Messer durchtrennt, aber auch, wie er Kunden, absoluten Laien, ein Messer in die Hand drückt, welche selbst nach kurzer Anleitung des mutmaßlichen Betreibers den Tieren die Kehle aufschneiden. Was folgt sind elendige, minutenlange Todeskämpfe der Tiere.
Allein in einem Zeitraum von knapp drei Wochen wurden nachweislich mindestens 13 Schafe auf diese Weise in dem illegalen Schlachtraum getötet. Die Szenen gleichen einem Horrorfilm: Ihre Köpfe werden teils bei lebendigem Leib abgetrennt, die Tiere leiden unter einem minutenlangen Todeskampf, sie röcheln und aspirieren ihr eigenes Blut, während der mutmaßliche Betreiber mit den Anwesenden unbeeindruckt über Belanglosigkeiten plaudert oder die Tiere mit Wasser abspritzt, während die Tiere panische Bewegungen und eindeutige Schmerzreaktionen zeigen. Es sind Bilder, für die wir keine Worte haben, weil sie zeigen, wie grausam und gefühllos mit Lebewesen umgegangen wird, die dem Menschen vollkommen schutzlos ausgeliefert sind.“
Nach Einschätzung von Team Tierschutz handelt es sich nicht um Einzelfälle. Gespräche, die ebenfalls aufgezeichnet wurden, deuten auf ein Netzwerk hin, das über die Region hinaus reicht. „Hier wird die Frage nach dem der Kontrollinstanz, dem Veterinäramt laut: Immerhin wurde der Betrieb bereits im April 2024 von einer Informantin und Tierrechtsorganisationen der Polizei und dem Veterinäramt mehrfach gemeldet – denn er fiel im Zuge von Schlachtungen im Rahmen des islamischen Opferfestes im April 2024 bereits negativ auf“, informiert die Organisation weiter. „Wir haben es mit einem Systemversagen zu tun“, so Tim, investigativer Ermittler von Team Tierschutz. „Die Tierindustrie basiert auf struktureller Gewalt und Ausbeutung. Solche Zustände sind keine Ausnahmen, sondern die Regel und das sollten wir als Gesellschaft nicht länger hinnehmen.“
Die Tierrechtsorganisation Team Tierschutz hat die Aufnahmen den zuständigen Behörden übergeben. Sie fordert die sofortige Schließung des Betriebs, eine strafrechtliche Verfolgung aller Beteiligten, die unverzügliche Beschlagnahmung sämtlicher Tiere sowie ein lebenslanges Tierhalte- und Betreuungsverbot für den mutmaßlichen Betreiber. Nach Einschätzung der Organisation handelt es sich um besonders gravierende Verstöße, die jede Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren entziehen.
Die Nachricht hat in Grefrath und Umgebung für Bestürzung gesorgt. Viele Nachbarn hätten nichts geahnt, berichten Anwohner. Nun stellt sich die Frage, wie es über Monate hinweg zu solch gravierenden Verstößen kommen konnte, ohne dass die zuständigen Stellen früher eingriffen. (sk)
Anmerkung der Redaktion: Wir sind gefragt worden warum wir die erschreckenden Bilder der Tierrechtsorganisation nicht zeigen. Sie liegen uns vor, wir haben aber aufgrund der Grausamkeit der Eindrücke auf eine Veröffentlichung verzichtet.




