Die Dunkelheit des frühen Abends wird in Viersen-Bockert plötzlich von einem glitzernden Meer aus Lichtern durchbrochen. Seit dem gestrigen Freitag erstrahlt das berühmte Weihnachtshaus an der Hardter Straße 258-260 wieder – und mit ihm leuchtet ein Stück Vorfreude auf die festliche Jahreszeit über die gesamte Nachbarschaft hinaus.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Bockert – Noch ist es draußen matschig, der Herbst hat sich noch nicht ganz verabschiedet, und dennoch wirft der Advent bereits seine Schatten voraus. Im Bockert wird mit einer ganz besonderen Leidenschaft auf diese besinnliche Zeit gewartet, denn seit Freitagabend und in den kommenden Wochen ziehen die rund 100.000 LED-Lämpchen Besucher aus allen Teilen Viersens an, die sich zwischen weihnachtlichen Figuren und funkelnden Elchen verlieren.

Jürgen David wollte vor mehr als einem Jahrzehnt die dunklen Wintertage heller machen. Eine einzige Lichterkette, im Vorgarten seiner Doppelhaushälfte aufgehängt, sollte genügen, um Freunde und Nachbarn zu einem gemütlichen Glühweinabend einzuladen. Doch die Idee traf den Nerv der Nachbarn. Familie Ohlenforst legte zwei Lichterketten nach, und wie so oft, wenn kreative Köpfe zusammentreffen, entstand aus der kleinen Initiative schnell eine grandiose Idee. Der erste Abend lockte weit mehr Nachbarn als gedacht an. Glühwein, Gespräche und der Duft von winterlichen Gewürzen füllten den Vorgarten, und aus der simplen Idee wuchs ein Fest, das Jahr für Jahr neue Besucher anzieht. Beleuchtete Kränze, Figuren und riesiger Adventskranz machten das Haus zu einem echten Hingucker.
Nach einem Todesfall innerhalb des Gründerteams war im letzten Jahr alles etwas ruhiger, so wird das diesjährige Event zu einem Zeichen der Rückkehr zur Normalität und des Zusammenhalts. Schließlich ist das Weihnachtshaus längst zu einem Großereignis geworden. Die Organisation ist aufwendig: Mehrere Garagen dienen als Lager für Kabel, Lichterketten und Figuren. Zwei große Elche, Emil und Sven, warten im Garten, bis sie auf dem Vorplatz platziert werden … und auch der Weihnachtsmann darf auf der Bank natürlich nicht fehlen. Gut vier Wochen dauert es, bis alles aufgebaut ist. Am Ende stehen 100.000 Lämpchen bereit, um die Straßen von Bockert in ein schimmerndes Wintermärchen zu verwandeln. Der Dank gilt dabei nicht nur den organisierenden Familien, sondern auch einem eingespielten Team aus helfenden Händen, dem auch der rasende Stadtfotograf des Rheinischen Spiegels mit seiner wunderbaren Gattin angehört.
Die Beleuchtung ist täglich von 17 bis 23 Uhr eingeschaltet. Wer möchte, kann an den vier Wochenenden vor Weihnachten von Freitag bis Sonntag Glühwein, Kakao und winterliche Leckereien genießen. Insgesamt werden dabei rund 600 Liter Glühwein und Kakao ausgeschenkt, zubereitet aus regionalen Zutaten. Lediglich am 20. Dezember bleibt das Weihnachtshaus geschlossen, denn dann lockt der Bockerter Weihnachtstreff an den Bockerter Grotten und rund um die Kirche St. Peter. Besucher aus allen Altersgruppen verweilen zwischen den Lichterketten, lassen sich fotografieren, genießen die winterliche Stimmung und tauschen Geschichten aus. Ganz neu in diesem Jahr ist eine Fotowand, an der man seinen Kopf durchstecken kann.
Doch das Weihnachtshaus ist weit mehr als eine festliche Kulisse. Schon früh wurde eine Spendenbox aufgestellt und der Verkauf von Glühwein, der in diesem Jahr in einer neu gebauten Glühweinhütte ausgeschenkt wird, entwickelte sich zu einem zentralen Bestandteil des Engagements. Das gesammelte Geld fließt in wohltätige Projekte: Das Rote Kreuz konnte dank der Spenden einen Imbisswagen anschaffen – der natürlich wieder mit warmen Leckereien am Weihnachtshaus in Aktion ist. Die Dorfkinder im Bockert, die Viersener Tafel, das Frauenhaus sowie die Notfelle Niederrhein und einige andere – sie alle wurden bereits unterstützt. Die Tradition ist inzwischen fest verankert.

Zudem bereichern einige wunderbare Höhepunkte das Programm: Am Nikolausabend, dem 6. Dezember, kommt der heilige Mann persönlich vorbei und bringt Geschenke für die Kinder mit. In Zusammenarbeit mit Concordia Viersen gibt es zudem Pferdekutschenfahrten, die leuchtende Augen bei den kleinen Besuchern hervorrufen. Musikliebhaber dürfen sich auf Auftritte wie das Gitarren-Konzert von „Tea Jäy“ Tobias Janssen am 18. Dezember oder die Live-Show der Band „Lizz & Michele“ am 21. Dezember, übrigens dem Abschlussabend am Weihnachtshaus, freuen.
Die Atmosphäre ist einzigartig: Kinder laufen mit leuchtenden Augen zwischen den Figuren hindurch, Erwachsene genießen die warme Tasse Glühwein, und überall hört man Lachen und Gespräche. Das Weihnachtshaus in Bockert ist damit weit mehr als eine lokale Attraktion: Es ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Nachbarn aus einer kleinen Idee ein Ereignis voller Freude, Wärme und sozialer Verantwortung schaffen können. Das Licht zieht nicht nur den Blick an, es berührt auch die Herzen, macht Hoffnung und zeigt, wie stark das Miteinander in einer kleinen Gemeinde sein kann. (cs)




