Ein Fußballspiel unter Flutlicht, getragen von spürbarer Energie auf und neben dem Platz: Auf der Ludwig-Wolker-Kampfbahn wurde der Freitagabend zu einem Ereignis mit besonderer Bedeutung, bei dem nicht der sportliche Vergleich im Mittelpunkt stand, sondern eine gemeinschaftliche Initiative, die Inklusion sichtbar machte und zugleich konkrete Unterstützung für den Tierschutz ermöglichte.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen und Martin Häming
Nettetal-Leuth – Als am Freitagabend die Scheinwerfer der Ludwig-Wolker-Kampfbahn angingen, war schnell klar, dass es hier um mehr ging als um Fußball. Bei milden 18 Grad und vor gut besuchter Kulisse verwandelte sich der Platz in einen Ort, an dem sportlicher Wettbewerb und gesellschaftliches Engagement ineinandergriffen. Das Benefizspiel unter dem Motto „Fußball schafft Nächstenliebe – für Menschen, Tiere & Umwelt“ setzte ein sichtbares Zeichen dafür, wie eng Gemeinschaftssinn und Sport verbunden sein können.
Auf dem Rasen standen sich die „Ziemlich Besten Freunde“ aus Leuth und die Inklusionsmannschaft Inter Catenaccio 23 des LVR Verbundes gegenüber. Die Begegnung war geprägt von Tempo, Einsatz und zahlreichen sehenswerten Aktionen auf beiden Seiten. Trotz der klaren Ausrichtung auf den guten Zweck entwickelte sich eine Partie, die auch sportlich überzeugte. Die Gastgeber aus Leuth nutzten ihre Chancen konsequent und entschieden das Spiel am Ende mit 2:0 für sich. Doch das Ergebnis blieb an diesem Abend eine Randnotiz.

Im Mittelpunkt stand vielmehr die gelebte Inklusion. Spielerinnen und Spieler unterschiedlichster Hintergründe begegneten sich auf Augenhöhe, unterstützten sich gegenseitig und machten deutlich, dass Fußball weit mehr sein kann als ein Wettkampf. Fairness und Respekt bestimmten das Geschehen. Die Begegnung wurde so zu einem eindrücklichen Beispiel dafür, wie Barrieren im Sport überwunden werden können.
Während auf dem Platz um jeden Ball gekämpft wurde, lief abseits des Spielfelds die eigentliche Mission des Abends: Spenden für den Tierschutz zu sammeln. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Verein „MAP – Hilfe für Straßennasen“ zugute, der sich seit Jahren für Hunde in Rumänien einsetzt. Unterstützt wurde die Sammelaktion von zahlreichen Helferinnen und Helfern sowie lokalen Initiativen, die den Abend organisatorisch trugen. Die Dartabteilung „Snipers“ öffnete ihren Jugendraum und sorgte mit Getränken und frisch belegten Brötchen für eine unkomplizierte Versorgung der Gäste. Auch hier floss ein Teil der Einnahmen direkt in den Spendentopf. Es war diese Mischung aus ehrenamtlichem Engagement, sportlicher Leidenschaft und Beteiligung, die dem Abend seinen besonderen Charakter verlieh.

Getragen wurde die Veranstaltung von einem breiten Netzwerk: die DJK Sportfreunde Leuth, die Ziemlich Beste Freunde GmbH, die Elterninitiative Kindertraum sowie der LVR Verbund WohnenPlusLeben gehörten ebenso dazu wie zahlreiche freiwillige Unterstützer im Hintergrund. Für die mediale Begleitung sorgten unter anderem Martin Häming vom Rheinischen Spiegel und Heiko van der Velden, der für Amafuma und die Rheinische Post berichtete. Auch das Schiedsrichterteam um Bekir Durmus mit seinen Assistenten Danny Lazik und Cristiano Lahl trug mit einer souveränen Leitung dazu bei, dass der Abend reibungslos verlief.
Die Spenden kommen einer Organisation zugute, deren Arbeit weit über punktuelle Hilfe hinausgeht. „MAP – Hilfe für Straßennasen“ wurde 2013 gegründet und verfolgt einen langfristigen Ansatz im Tierschutz. Im Fokus stehen insbesondere Hunde in Rumänien, deren Lebensbedingungen häufig von Krankheit, Hunger und fehlender medizinischer Versorgung geprägt sind. Ein zentraler Bestandteil der Arbeit sind Kastrationsprogramme, die darauf abzielen, die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen und damit langfristig Tierleid zu reduzieren. Möglich wurde dies unter anderem durch eine mobile Kastrationsstation, die 2018 durch eine Spendenkampagne finanziert wurde. Mit einem entsprechend ausgestatteten Fahrzeug fahren die Helfer regelmäßig in Städte und ländliche Regionen, um kostenlose Eingriffe anzubieten.

Darüber hinaus kümmert sich der Verein um verletzte und geschwächte Tiere, die aufgenommen, medizinisch versorgt und gepflegt werden. Hunde, die weiterhin auf der Straße leben, werden gefüttert und kastriert, bevor sie in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren. Parallel dazu wurde in Rumänien eine neue Anlage aufgebaut, die sich bewusst von klassischen Tierheimstrukturen absetzt: Statt enger Zwinger stehen den Tieren großzügige Container mit Ausläufen zur Verfügung, die mehr Bewegungsfreiheit und artgerechtere Bedingungen ermöglichen.
Ein weiterer Baustein ist eine Klinik, die aus dem ehemaligen Wohnhaus zweier zentraler Akteure vor Ort hervorgegangen ist. Dort werden nicht nur die Tiere des Vereins behandelt, sondern auch Hunde aus der Bevölkerung; kostenfrei und unabhängig von Besitzverhältnissen. Die medizinische Versorgung wird dabei zunehmend durch lokale Kompetenz getragen. So hat eine der engagierten Helferinnen, Magda, nach mehr als vier Jahrzehnten ein Studium aufgenommen und erfolgreich abgeschlossen. Heute führt sie eigenständig Eingriffe durch und stärkt damit die Unabhängigkeit der Projekte vor Ort.
Der Abend in Leuth machte deutlich, wie solche internationalen Initiativen auf lokaler Ebene unterstützt werden können. Zwischen Anstoß und Abpfiff entstand ein Raum, in dem sich sportlicher Ehrgeiz und gesellschaftliche Verantwortung nicht widersprachen, sondern ergänzten. Dass am Ende ein 2:0 auf der Anzeigetafel stand, war dabei kaum mehr als eine Randnotiz in einem Ereignis, das vor allem durch seine gemeinschaftliche Wirkung in Erinnerung bleibt. (dt)





