33 Gesellinnen und Gesellen hießen die beiden Maler- und Lackierer-Innungen Niederrhein Krefeld-Viersen und Rhein-Kreis Neuss bei der gemeinsamen Lossprechung als neue Fachkräfte im Handwerk willkommen. Die beste Prüfung legte eine Frau ab: Sarah Kicker.
Niederrhein – „Bringen Sie Farbe und Kreativität in die Welt“, ermunterten Obermeisterin Stephanie Jahrke (Innung Niederrhein) und ihr Amtskollege Thomas Nauen aus dem Rhein-Kreis Neuss die jungen Gesellinnen und Gesellen während der Lossprechungsfeier im Garten der Villa Girmes in Oedt. Als Fachkräfte seien sie zuständig für die „Schaffung von Atmosphäre und Lebensqualität“. Das unterstrich Grefraths Bürgermeister Stefan Schumeckers, selbst Besitzer des Gesellenbriefs im Maurerhandwerk: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft Menschen, die es bunt machen“, sagte er.
Ein besonderer Tag war es auch für den Festredner Dietmar Brockes, FDP-Landtagsabgeordneter aus Brüggen: Er stammt aus einer Malerfamilie – sein 92 Jahre alter Vater Willy hat vor Jahren den Diamantenen Meisterbrief erhalten –, und seine Tochter Johanna war unter den jetzt losgesprochenen Nachwuchskräften. „Als Maler und Lackierer geben Sie Gebäuden Charakter“, sagte Brockes den jungen Handwerkern. Und: „In einer Zeit, in der viele über den Fachkräftemangel klagen, sind Sie die Antwort.“
Dass Sarah Kicker ihre berufliche Heimat einmal im Handwerk finden würde, war ursprünglich eher nicht zu erwarten: Nach dem Abitur studierte sie Finanz- und Versicherungsmathematik. Aber nach einiger Zeit spürte sie: „Das ist nichts für mich. Ich konnte mir nicht vorstellen, später einmal jeden Tag in einem Büro zu sitzen.“ Die heute 24-Jährige erinnerte sich daran, wie sie als Jugendliche geholfen hatte, das Haus der Familie zu renovieren. „Ich habe damals gestrichen und tapeziert – und hatte richtig Spaß daran“, sagt sie rückblickend.
Damit war die berufliche Entwicklung klar: Malen nach den Zahlen, sozusagen. Sarah Kicker absolvierte ein Praktikum in einem Malerbetrieb und begann danach die Ausbildung, die sie jetzt als Jahresbeste der Maler- und Lackierer-Innungen Niederrhein und Rhein-Kreis Neuss abschloss. Von ihrem Ausbildungsunternehmen H. P. Jansen in Mönchengladbach wurde sie übernommen.
„Das Schöne an meinem Handwerk ist, dass ich ziemlich viel Eigenverantwortung habe. Und ich bekomme immer wieder neue Herausforderungen, denen ich mich stellen kann, seien es nun wechselnde Orte, andere Projekte oder verschiedene Techniken“, berichtet Sarah Kicker. Sie tapeziert gerne und übernimmt feinere Arbeiten, etwa Ornamente aufzeichnen oder lackieren. Aber egal, was zu tun ist: „Man sieht hinterher, was man geschafft hat. Das ist ein schönes Gefühl und macht unseren Beruf ziemlich spannend.“
Während der Lossprechungsfeier wurde die Jahresbeste besonders geehrt. Stephanie Jahrke und Thomas Nauen sowie Kreislehrlingswart Johannes Schmitz gratulierten der 24-Jährigen herzlich. Die Sparkasse Krefeld schenkte der jungen Gesellin als Anerkennung einen Spargutschein über 150 Euro. Die zweitbeste Prüfung hatte Tim Krebs abgelegt, der nach dem Abitur seine Ausbildung im elterlichen Betrieb in Willich machte. Drittbeste wurde Johannes Brockes (Schrömbgens GmbH Maler- und Lackiererbetrieb in Brüggen). Tim Krebs berichtete im Gespräch mit Stephanie Jahrke und Thomas Nauen, dass er bereits mit der Meisterausbildung begonnen hat und im nächsten Jahr die Prüfung ablegen will. Mittelfristig möchte er den Betrieb in der dritten Generation übernehmen.
Auch Sarah Kicker will sich in ihrem Handwerk weiterentwickeln. Gerade informiert sie sich über die Meisterqualifikation und den Studiengang Handwerksmanagement. Das nächste Ziel ist jedoch ein Projekt, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester plant, die Kindheitspädagogik studiert: Die beiden möchten Kindern im Alter von zehn oder elf Jahren ermöglichen, kreativ und handwerklich tätig zu werden und so einen Einblick ins Handwerk zu bekommen. Das könnte zum Beispiel als Ferienprojekt in Kooperation mit einer Schule oder einem Verein stattfinden, sagt Sarah Kicker. Entscheidend ist für sie: „Wir möchten mithilfe von gemeinsam ausgeführten handwerklichen Tätigkeiten die Selbstwirksamkeit von Kindern unterstützen.“ (opm)





