Kryptomarkt zum Jahresfinale: Bis wohin können die Preise von Bitcoin und Co. noch klettern?

Die Kryptowährung Bitcoin hat in diesem Jahr mehrmals für Schlagzeilen gesorgt und Mitte Juli erstmals die Marke von 122.000 US Dollar durchbrochen. Die Euphorie hielt allerdings nicht lange an.

Service – Bereits einen Tag später sackte der Preis wieder deutlich ab und bewegte sich zeitweise um die 117.000 US Dollar. Im August folgte das Allzeithoch über 124.000 US Dollar – Ende September stürzte der Preis kurzzeitig unter 110.000 US Dollar. Trotz all dieser Turbulenzen können sich die Anleger aber bisher über ein starkes Jahr freuen. Seit dem Januar ist die Kryptowährung um etwa 30 Prozent gestiegen, im Fünfjahresvergleich sogar um beeindruckende 1188 Prozent. Nun stellt sich die Frage, wohin der Preis des Bitcoin zum Jahresfinale steigen wird und ob er auch die Altcoins und Meme Coins mitreißen kann.

Foto: Ivan Babydov/pexels.com

Politischer Rückenwind und institutionelle Nachfrage

Ein wesentlicher Faktor für den Aufschwung ist natürlich die aktuelle US Politik. Laut Eric Demuth, dem CEO von Bitpanda, rückte die Regierung digitale Währungen und vor allem Stablecoins in den Fokus ihrer eigenen Finanzstrategie. Das hat nicht nur den US Dollar international gestärkt, sondern zieht auch Kapital in US Staatsanleihen. Mit der Zulassung von Spot Bitcoin-ETFs ist zudem viel frisches Geld in den Markt geflossen. Für Demuth handelt es sich dabei nicht um eine kurzfristige Rallye, sondern um eine strukturelle Verschiebung.

Jan-Patrick Weuthen vom Vermögensverwalter B&K Vermögen sieht ebenfalls starken Rückenwind. Immer mehr Banken empfehlen, den Bitcoin mit 3 Prozent bis 5 Prozent im Portfolio zu nehmen. Das ist ein klares Signal, dass die Kryptowährung in der klassischen Anlagestrategie angekommen ist. Hinzu kommt die Aussicht auf sinkende Zinsen, die Bitcoin zusätzlich stützt. Samir Zakaria von Hansen & Heinrich betont, dass der Bitcoin auch immer mehr als „digitales Gold“ betrachtet werde. Die Mischung aus begrenztem Angebot, politischer Neutralität und globaler Akzeptanz würde dem Coin in einer fragmentierten Weltordnung besonderen Wert verleihen.

Einstieg jetzt? Chancen und Gefahren

Trotz all dieser Euphorie und optimistischen Prognosen bleibt der Kryptomarkt für seine starken Schwankungen bekannt. Man hat auch in diesem Jahr mehrmals gesehen, dass selbst zweistellige Verluste innerhalb weniger Stunden möglich sind. Daher ist auch die Frage berechtigt, zu welchem Zeitpunkt ein Einstieg sinnvoll ist.

Eric Demuth ist überzeugt, dass sich ein Engagement lohnt. Er verweist auf den Abbau regulatorischer Hürden, den Aufbau neuer Bankinfrastrukturen und die immer größer werdende Rolle von Stablecoins. Für ihn beginnt gerade die nächste Phase einer globalen Finanzarchitektur. Auch Weuthen ist sehr optimistisch und hält Investitionen über Direktkäufe oder ETFs für sinnvoll. Dennoch weiß auch er, dass das Risiko vorhanden ist: Rücksetzer von 20 Prozent bis 30 Prozent seien jederzeit denkbar und können daher nicht ausgeschlossen werden. Sein Rat lautet, nicht alles auf einmal zu investieren, sondern gestaffelt einzusteigen, um so Kursschwankungen abfedern zu können.

Zakaria sieht in Bitcoin vor allem ein strategisches Langzeitinvestment. Wer jedoch kurzfristig handelt, der geht seiner Meinung nach ein hohes Risiko ein. Auch Ortay Gelen von Axia Asset Management unterstreicht, dass es beim Bitcoin weniger um die kurzfristigen Gewinne durch Spekulation geht, sondern vielmehr um einen langen Anlagehorizont. Er empfiehlt, zunächst mit kleineren Beträgen einzusteigen. Je nach Risikoneigung kann eine Gewichtung von 3 Prozent bis 10 Prozent im Depot sinnvoll sein. Wer das Risiko nicht scheut und frei zur Verfügung stehendes Kapital hat, der kann natürlich über Futures Trading Anbieter auch auf den Preisverlauf setzen. Jedoch muss man sich bewusst sein, dass der Markt eben extrem volatil ist. Vor allem, wenn es um kurzfristige Spekulationen geht.

Kursziele zwischen 150.000 US und 400.000 US Dollar

Wer langfristig investieren will, stellt sich natürlich die berechtigte Frage, wie hoch könnte der Preis des Bitcoin in absehbarer Zeit steigen? Viele Experten sehen den Bitcoin in einer Aufwärtsbewegung. Gelen hält es nach dem Überschreiten der 120.000 US Dollar-Marke für denkbar, dass der Bitcoin bald die Schwelle von 150.000 US Dollar anvisiert. Langfristig könne sich die Kryptowährung sogar als Wertspeicher – ähnlich wie Gold – etablieren.

Weuthen verweist auf einen möglichen Flaschenhalseffekt: Wenn nämlich die Nachfrage von institutioneller und staatlicher Seite immer größer wird, während das Angebot aufgrund der begrenzten Menge verknappt, könnte der Preis massiv steigen. Prognosen reichen in diesem Szenario von 150.000 US Dollar bis hin zu 400.000 US Dollar. Zakaria ergänzt, dass noch nicht viele große Investoren eingestiegen sind – da ist also Lust nach oben. Da der Zugang zu Bitcoin-ETFs stetig ausgeweitet wird, könnte in absehbarer Zeit durchaus neues Kapital in Milliardenhöhe in den Markt fließen. Sollte die US Regierung selbst Bitcoin erwerben, sind Kurse von 300.000 US Dollar oder sogar 400.000 US Dollar bis 2026 nicht ausgeschlossen.

Chancen für Altcoins

Die Entwicklung betrifft aber nicht nur Bitcoin. Auch andere digitale Währungen könnten davon profitieren. Historisch war es oft so, dass Bitcoin eine Rallye eingeleitet hat, gefolgt von Ethereum und schließlich kleineren Altcoins. Demuth weist darauf hin, dass inzwischen auch ETFs auf Altcoins verfügbar sind, was institutionelles Kapital in diese Projekte lenken könnte.

Besonders vielversprechend wirken Ethereum, Solana, Chainlink und Polygon. Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung laut Marktkapitalisierung, profitiert von seiner zentralen Rolle im Bereich Smart Contracts und DeFi-Anwendungen. Solana überzeugt hingegen mit hoher Geschwindigkeit und günstigen Transaktionen und wird oft als Rivale von Ethereum bezeichnet. Chainlink kann durch seine Orakel-Technologie mit der wachsenden Nutzung von Smart Contracts punkten, während Polygon als Layer 2-Lösung für Ethereum mit niedrigen Kosten und hoher Skalierbarkeit auffällt.

Gelen warnt jedoch davor, Altcoins mit Bitcoin gleichzusetzen. Sie sind nämlich in der Regel spekulativer und unterliegen daher noch stärkeren Kursschwankungen. Wer also sein Geld in Altcoins investiert, der sollte unbedingt ein hohes Risikobewusstsein mitbringen und nicht ausschließlich auf kurzfristige Gewinne setzen.

Chancenreich, aber riskant

Der Bitcoin bleibt natürlich das Aushängeschild des Kryptomarkts und die jüngsten Bewegungen deuten auf weiteres Wachstumspotential hin. Politische Unterstützung, institutionelle Nachfrage und die begrenzte Menge verleihen ihm eine Sonderstellung. Altcoins bieten zusätzliche Chancen, sind jedoch mit größeren Risiken verbunden. Ethereum, Solana und andere Projekte können in Phasen starken Kapitalzuflusses erheblich profitieren. (opm)