Ein politisches Urgestein aus Viersen steht im Zentrum eines Steuer-Skandals enormen Ausmaßes: Gegen einen 68-jährigen ehemaligen FDP-Kommunalpolitiker wurde Anklage wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung erhoben. Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann über Jahre hinweg ein weitreichendes Netz aus Scheingeschäften im Kfz-Handel betrieben und damit den Fiskus um knapp 38 Millionen Euro betrogen haben.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Viersen – Dem ehemaligen Stadtrats- und Kreistagsmitglied wird vorgeworfen, zwischen 2009 und 2023 fingierte Fahrzeugverkäufe abgewickelt zu haben – darunter auch imaginäre Autos, die in Wirklichkeit nie existierten. Insgesamt gehen die Ermittlungsbehörden von 37 Einzeltaten aus. Die manipulierten Transaktionen betrafen sowohl den Handel innerhalb Deutschlands als auch grenzüberschreitende Geschäfte. Die Dimension des Falles sei außergewöhnlich. Der erste Prozesstermin ist für Anfang September angesetzt, so eine Information des Landgerichts Mönchengladbach. Sollte sich der Tatverdacht bestätigen, droht dem 68-Jährigen eine mehrjährige Haftstrafe, wie der WDR berichtete.
Obwohl der Angeklagte sich bislang nicht persönlich geäußert hat, ließ sein Verteidiger verlauten, dass die Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt würden. Details über mögliche Motive oder Mitwisser bleiben vorerst offen. Auch wie die Ermittlungen ins Rollen kamen, wird von der Justiz derzeit unter Verschluss gehalten – vermutlich, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden.
Der Beschuldigte war mehr als zwei Jahrzehnte eine bekannte Figur in der Viersener Kommunalpolitik. Noch Anfang 2024 hatte er überraschend all seine politischen Ämter niedergelegt und seinen Rückzug mit gesundheitlichen und persönlichen Gründen begründet. Zu diesem Zeitpunkt liefen offenbar bereits intensive Ermittlungen. Seit Mai sitzt der frühere Politiker in Untersuchungshaft.
Der Fall sorgt nicht nur wegen der hohen Schadenssumme für Aufsehen, sondern auch wegen der Vita des Angeklagten: 2015 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, auch von kirchlichen Organisationen wie dem Malteserorden erhielt er Auszeichnungen. Dass nun gerade eine derart bekannte und dekorierte Persönlichkeit derartige Vorwürfe auf sich vereint, schlägt in der Region hohe Wellen. Der Prozess im Herbst dürfte daher nicht nur juristisch, sondern auch gesellschaftlich mit großem Interesse verfolgt werden. (sk)





