Literarisches: ES IST OSTERN. Trau dir etwas zu

Bunt bemalte Ostereier lagen hinter der Schaufensterscheibe. Die Verkäuferin zeigte mir einige farbenfrohe Stücke mit österlichen Motiven. Kleine Kunstwerke. Auferstehungsgeschichten auf Eierschalen.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches –„Was bitte?“, fragte die junge Frau. „Auferstehung“ kam in ihrem Wortschatz nicht vor, nicht im Warenangebot, nicht in ihrer Lebenseinstellung. Farbenfrohe Ostereier und ein Osterhasen-Sortiment bot sie zum Kauf an. Sie waren lebensnah und konkret, nicht dagegen leeres Grab und Auferstehung. Ich verstand. In ihrem Laden, in ihrem Leben ging es wirklichkeitsnah, irdisch zu. „Willst d u den Himmel gewiss haben, tauge etwas für die Erde.“ Das beherzigte die Verkäuferin.

Auch ich liebe das Leben. Manchmal ist es bunt wie bemalte Ostereier. Seine Buntheit kann überfordern, „zu bunt“ werden. Gleichzeitig lädt sie dazu ein, sich auf sie einzulassen. Das tat vor Jahren das Viersener Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium, als es sich mit seinen Unterrichtsangeboten als „Schule der Vielfalt“ bewarb, bunt und vielfältig wie das Leben.

Vielleicht darf man auch Ostern, Auferstehung, so verstehen. Sich etwas zutrauen. Davon überzeugt sein, Herausforderungen meistern zu können. Wir leben nicht in einer Festung, hinter der wir uns verschanzen. Es kann kein „Wer nichts tut, macht nichts falsch.“ geben. Sich in Sicherheit wiegen, mit Gegebenheiten abzufinden, mag verständlich sein. Es besteht Handlungsbedarf, den Bedrohungen der Gegenwart und Zumutungen der Zukunft entgegenzuwirken.

Konflikte im Nahbereich, in der Kirche, in der Welt fordern heraus. Wir befinden uns nicht in ruhigem Fahrwasser. Oberflächliche Korrekturen genügen nicht. Gegenwärtige Sorgen und Probleme lassen sich nicht mit einem Federstrich beseitigen. Wenn die Welt den Atem anhält, ist unser Eingreifen, unser Durchhaltevermögen gefragt.

Wir können mitwirken an einem Ostern, das nicht fromme Erinnerung an gestern ist, sondern das Leben heute und morgen mitgestaltet. Die Botschaft der Auferstehung beschreibt das mit einem Bild: Der Stein vor dem Grab war weggewälzt worden. Auferstehung, Ostern, Aufbegehren gegen Zukunftsängste und Hoffnungslosigkeit, Neubeginn wurden möglich.

Es ist Ostern. Das Leben ist bunt und vielfältig. Mach etwas daraus. Wälz den Stein weg, der dich daran hindern könnte. Trau dir etwas zu. FROHE OSTERN. (opm)

Foto: WOKANDAPIX/Pixabay

Foto: Privat

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.