Mit einem offenen Brief wendet sich die SV der PRIMUS-Schule an die Verwaltungsspitze

„Warum ignorieren Sie unsere Einladung? Warum reden Sie nicht mit uns?“ Die Schülervertretung der PRIMUS-Schule Viersen hat die Viersener Bürgermeisterin im März schriftlich in die Schule eingeladen, da die Schüler mit ihr über ihre Zukunft sprechen möchten. Doch trotz mehrfacher Nachfrage sei es bisher nur zu Absagen gekommen. 

Viersen-Dülken – „Wir, alle Klassensprecherteams der Klassen, haben Gesprächsbedarf. Sie sind auch unsere Bürgermeisterin!“ Der offene Brief der Schüler an die Viersener Verwaltungsspitze in der aktuellen Diskussion zum Ende der PRIMUS-Schule in Dülken rüttelt auf und zeigt erneut den Unmut vieler Familien, die sich mit der Viersener Schullandschaft konfrontiert sehen. Nicht nur aus Dülken, sondern ebenfalls aus Süchteln oder beispielsweise mit Blick auf die Viersener Gesamtschul-Dependance an der Krefelder Straße wurden in der nahen Vergangenheit immer wieder kritische Stimmen laut, sogar Petitionen wurden eingereicht. 

„Es gibt in Viersen drei Gymnasien, zwei Realschulen, eine Hauptschule, aber nur eine Gesamtschule und im ganzen Umkreis eine von insgesamt fünf erfolgreichen PRIMUS-Modellschulen. Wir haben deutschlandweit ein einzigartiges Konzept ‚Groß und Klein – miteinander voneinander lernen‘, denn nur bei uns lernen Schüler:innen von der 1.-8.(10.) Klasse in einer Schule in unterschiedlichen Fächern und Projekten zusammen. Wir sind eine Schule im Aufbruch. Wir sind eine Schule der Zukunft! Wir sind eine Bereicherung!“, so die Schülervertreter der PRIMUS-Schule.

„Sie sind als Bürgermeisterin für das Wohl und die Zukunft Ihrer Stadt mitverantwortlich. Möchten Sie keine innovative Schule in der Stadt? Sie beraten über anstehende Entscheidungen, die uns direkt, aber auch unsere Familien und ganz Viersen betreffen. Und Sie hören nicht, was wir zu sagen haben. Unsere Kinderstimme und Meinung ist doch auch wichtig! Warum fragt uns dann keiner?

Daher hätten wir uns sehr gewünscht, mit Ihnen sprechen zu können, dann hätten wir Ihnen gerne gezeigt, was für eine gute Schule wir sind und wir hätten Ihnen folgende Fragen gestellt:

  • Wir sind eine Schule, die – anders als alle anderen Schulen der Sekundarstufe I – ausschließlich von Viersener Kindern besucht wird. Wir haben auch achtzig Neuanmeldungen! Wir lernen jahrgangsübergreifend miteinander voneinander, die jüngeren Schüler:innen lernen von den älteren Schüler:innen, wir beschäftigen uns in Projekten mit einer nachhaltigen, toleranten und gesunden Lebensweise – haben Sie so eine Schule schon einmal besucht? Finden Sie nicht, dass so ein vielfältiges Schulangebot eine Bereicherung für Viersen ist?
  • Wir hätten Ihnen gezeigt, dass unser lernförderliches Konzept alle Schüler:innen einschließt und niemanden ausschließt. Das ist sogar wissenschaftlich bestätigt! Haben Sie sich diese Studien angesehen? Macht es Sie nicht stolz, ein so erfolgreiches zukunftweisendes Schulkonzept in Ihrer Stadt zu haben?
  • Wir haben gehört, dass die Parteien im Landtag einer Verlängerung der PRIMUS-Schulen zugestimmt haben. Warum stehen Sie nicht hinter dieser Entscheidung?
  • Wir haben gelesen, dass es zu wenige Gesamtschulplätze in Viersen gibt und es wird in den nächsten Jahren mehr Schüler:innen in Viersen geben. Die PRIMUS-Schule arbeitet auf der Grundlage der Gesamtschule. Wird unsere Schule dann nicht sogar dringend gebraucht?
  • Wir sind eine Schule für alle Kinder! Bei uns muss niemand die Schule wechseln (auch nicht nach Klasse vier und sechs). Freundschaften und das Lernen können ohne Schulbrüche gelingen! Das finden wir toll und was denken Sie darüber?

Gemeinsame Gespräche und das Lösen von Herausforderungen sind wichtig. Wir sind enttäuscht, dass Sie uns diese Gesprächschance nehmen. Obwohl wir enttäuscht sind, dass Sie uns nicht einmal in einer persönlichen Nachricht abgesagt haben und wir nur über das wiederholte Nachfragen Ihre Absage durch Ihr Sekretariat erhielten, möchten wir Sie nochmals herzlich zu uns einladen. Kommen Sie bitte zu uns und beantworten Sie unsere Fragen. Bitte nehmen Sie uns mit unseren Sorgen ernst.“ (opm – PRIMUS-Schule/paz)

„Gemeinsame Gespräche und das Lösen von Herausforderungen sind wichtig. Wir sind enttäuscht, dass Sie uns diese Gesprächschance nehmen.“ Foto: PRIMUS-Schule

 

 

 

Die SV der PRIMUS-Schule Viersen

 

17 Kommentare

  1. Ich habe kein Kind auf dieser Schule, aber unterstütze die Weiterführung. Es ist schlechter Usus in Viersen das Eltern und Kinder nicht gehört werden. Schlechte Entscheidungen sind an der Tagesordnung.

  2. Es gab eine demokratische Entscheidung im Rat der Stadt Viersen. Was jetzt hier passiert ist der Versuch, über Umwege doch noch eine gesetzte Entscheidung zu kippen. Wozu gehen wir eigentlich wählen, wozu machen Parteien wochenlang Wahlkampf, wenn Entscheidungen über Umwege einfach gestürzt werden?

    Die Politik hatte lange und ausgiebig Zeit und alle Daten lagen den Ratleuten vor, und es wurde eine Entscheidung getroffen – es gab Stimmen dafür und Stimmen dagegen, am Ende wurde dagegen gestimmt.

    Was passiert als nächstes? Der Brief, der offensichtlich nie und nimmer vollständig eigentständig durch die Schüler und Schülerinnen verfasst wurde (sondern unter Mithilfe zu welchen Grade auch immer durch den Schulleiter). Gutachten von hier, Gutachten von dort. Wenn das so weiter geht bedroht der Schulleiter die Bürgermeisterin irgendwann mit einer Waffe und zwingt sie dazu, die Entscheidung zu kippen.

    Das Engagement in allen Ehren, aber langsam wird aus positivem Eifer ein Verzweifelungsakt. Der Schulleiter sollte die Entscheidung endlich akzeptieren, das Leben geht auch ohne diese PRIMUS-Schule weiter.

    1. Wir informieren unsere Schüler:innen gut über die Vorgänge die ihre/unsere Schule betreffen. Wir haben ein großes Interesse, unsere Schüler:innen hier mitzunehmen. Gerade die SV ist informiert. Und natürlich werden sie durch die SV-Lehrerinnen unterstützt. Wir helfen ihnen ihre Rechte zu vertreten. Dafür sind wir da! Die Bürgermeisterin ist ihrer Einladung nicht gefolgt und hat sich auch nicht erklärt.
      Sie glauben, die Politik sei vollumfänglich ihren Pflichten nachgekommen:
      Es gibt Lösungsansätze, die die Bildungsvielfalt für Viersen erhalten können.
      Im letzten Schulausschuss wurde durch Frau Maja Roth-Schmidt (GRÜNE) eindeutig belegt, dass die im Schlussbericht des SEP vorgeschlagenen Lösungen im SEP selbst keine Grundlage finden.
      Das unabhängige und renommierte Institut für pädagogische Bildung hat den SEP geprüft und festgestellt, dass er große Mängel aufweist. Der Stadt wurde empfohlen, eine neues Gutachten durch ein anderes Institut erstellen zu lassen.
      Der Bedarf an Plätzen im integrierten System (Gesamtschule) wurde nicht berücksichtigt, ebenso wurden keine eindeutigen Zahlen zur Abschulungsproblematik des dreigliedrigen Systems erhoben. Hier äußern sich Parteien noch nicht einmal.
      Angebote einer umfassenden und kostenlosen Beratung mit allen Dezernaten der Bezirksregierung wurde abgelehnt.
      Behauptungen durch Vertreter der Politik zum Schulversuch werden aufgestellt, ohne mit der wissenschaftlichen Begleitforschung zu sprechen.
      Der Antrag auf Vertagung einer Beschlussfassung ohne Not und mit veränderten Ausgangsbedingungen wurde von CDU und SPD abgelehnt. Dabei schaffen neue Ausgangsbedingungen immer auch neue Möglichkeiten.
      Sind Sie wirklich sicher, dass die Politik alles unternimmt und darum ringt, in so einer zukunftsweisenden Frage eine gute Antwort für Viersen zu finden?

    2. Die Entscheidung ist noch nicht durch, denn zum Glück haben unsere Lokalpolitiker nicht das letzte Wort. Es ist ein Gesetzt, erlassen vom Ministerium, dass alle PRIMUS-Schulen um drei Jahre verlängert werden. Die endgültige Entscheidung werden Juristen treffen.

      Schade, dass Sie den Kindern nicht zutrauen aus eigenem Antrieb und mit eigenem Anliegen gehandelt zu haben. An der PRIMUS Schule sind tolle Kinder. Ich traue ihnen sehr viel zu. Vielleicht sollten Sie Ihre Vorstellungen von der Jugend überdenken.
      Im Übrigen machen Sie sich mit Ihren Gewaltfantasien lächerlich.
      Viele Grüße

    3. Gutachten hier, Gutachten dort? Es gibt eigentlich nur ein Gutachten, dass sowohl vom Inhalt als auch von der Auslegung sehr in der Kritik steht.

      1. Einst wurde von 100 neuen zusätzlichen Schülern gesprochen, die in Dülken aufgenommen werden müssten – diese Information hat sich als schlichtweg falsch herausgestellt.
      2. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten für die Weiterführung der Schule.
      3. Viersen hat einen Mangel an Gesamtschulplätzen – Primus ist die Lösung!
      4. Problem Abschulung: Die einzügige Hauptschule wird zur siebten Klasse auf einmal dreizügig. Auch hier ist Primus die Lösung.

      Und last but not least brauchen wir eine innovative Schule fürs gemeinsame Lernen. Das Dreigliedrige Schulsystem ist überholt. Ein Blick zu unseren Nachbarn zeigt, dass wir mit unserem Schulsystem ziemlich allein auf weiter Flur stehen.

      Ihr Engagement in allen Ehren, aber kennen Sie das Gutachten und die Sachlage eigentlich?

    4. Hallo!
      Mit Entsetzen habe ich ihren Kommentar gelesen. Ich glaube sie wollen immer noch den Bildungsstand den wir vor 30 Jahren hatten. Widersprechen sie mir wenn es nicht stimmt. Glauben sie wirklich der Schulleiter würde in Wild West Manier um sich schießen? Was würde ein Schulleiter anderer Schulen tun wenn es um seine Schule geht? Tatenlos zusehen? Die Schüler, um die es hier geht wollen einfach nur gehört werden. Ich finde es zeugt an Arroganz wenn sich unsere Bürgermeisterin nochnicht Mal persönlich dazu äußert.Diese Kinder haben es verdient gehört zu werden. Außenstehenden werden nur die negativen Sachen gezeigt. Nicht die positiven. Wer sich mit dieser Schulform auseinander setzt sieht schnell das diese Form von lernen gebraucht wird. Habe erstmal fertig

    5. Sehr geehrter Herr ???,

      ich bin grade etwas Sprachlos über Ihre Zeilen bzw. über Ihre eventuellen Zukunftsvision.
      Also unterstellen Sie mir, das ich meine Kinder auf eine Schule schicke, wo der Schulleiter kriminell werden könnte? Ich bin der deutschen Sprache mächtig und sehe, das sie dies als eine Frage verpackt haben!
      Ich kann Ihnen aus erster Hand versprechen, das die Kinder Fragen haben und die Einladung unserer Bürgermeisterin sogar die Idee meiner Tochter war, die Sie bei einer SV Sitzung geäußert hat. Genau kann ich Ihnen sagen, wie enttäuscht die Kinder über die Reaktion des Schweigens unser Bürgermeisterin sind.
      Sie dürfen mich gerne berichtigen aber ist nicht diesen Monat noch eine Abstimmung. So habe ich es zumindest bei der letzten Schulausschusssitzung verstanden.
      Warum so zornig?
      In meiner Jugend hier wurden Kinder angehört, wenn dies heute nicht mehr so ist, dann reicht es doch dies zu äußern.
      Ja, ich bin keine Politikerin aber eine Mutter, die ihre Kinder aus vollem Herzen liebt und das Beste für Ihre Kinder will.
      Dies ist für uns die Primusschule. Leider bleibt durch einen Entschluss die Primusschule auslaufen zu lassen, meinem Jüngsten diese Schule verwehrt und wir als Eltern werden gezwungen unseren Sohn auf eine der Schulen hier zu schicken, die noch nicht einmal zweite Wahl und erst Recht keine Alternative ist! Meine Tochter kämpft wie eine Löwin für ihren jüngsten Bruder und sie können mir glauben, da ist meine Tochter nicht alleine und die Kinder hätten Fragen gestellt und ihre Sicht der Dinge erklärt.
      Dies können Sie sich dann gerne von unserer Bürgermeisterin bestätigen lassen, wenn diese nun entlich diesen jungen Bürgern dieser Stadt eine Chance gibt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Sabrina Neetix

    6. Mir blutet das Herz, wenn ich die Aussagen der Schule lese und Sie argumentieren, dass das Leben ohne PRIMUS auch weiter geht. Natürlich geht es das, aber auf dem Rücken der Kinder, die in Viersen wieder in einem veralteten System mit Defizitorientierung und Abschulung leben. PRIMUS ist die Chance Kinder auf die ungewisse Zukunft vorzubereiten und zu stärken.
      Ich finde es nur nachvollziehbar, dass die Schule weiter für ihr tolles Konzept kämpft.

    7. Das hat nichts mit Wahlen zu tun das hat was mit Bürgerrechten zu tun.
      Leider vergessen die Damen und Herren der Parteien das sie für uns arbeiten und nicht umgekehrt. Wenn eine Bürgermeisterin noch nicht mal nötig hat den Kindern ein Ohr zu schenken ist das sehr traurig.
      Abgesehen davon das dieses Gutachten was von dem Ausschuß veranlasst wurde minderwertig und sagt nichts aus.
      Es wird ja noch nicht mal von der Stadt nötig gehalten die Eltern aufzuklären was das für eine Schule ist.
      Viele Menschen denke das wäre eine Sonderschule.
      Was nicht der Wahrheit endspricht.
      Oder haben sie sich mal darüber informiert, was das Konzept der Schule ist?!
      Aber unsachlich Dinge zu schreiben scheint ihnen ja sehr leicht zu fallen.

    8. Der Schulleiter ist der angagierteste den ich je irgendwo kennen gelernt habe ! Auch habe ich eigentlich noch nie demonstriert aber für diese Schule, habe ich mit meinen Kindern einen andere Weg gewählt! Die Politiker haben ganz genau Gesehen wozu unsere Schüler/innen fähig sind ! Sie wollen und werden etwas bewegen können! Ich habe 3 Kinder und hoffe das alle 3 diese Schule besuchen dürfen, ich habe immer gedacht das es sowas wie Gleichberechtigung geben muss ! Dieser Weg würde die Gleichberechtigung auf Bildung (ein sehr hohes Gut, wie ich finde) von Anfang an einschränken!

  3. Warum stellt sich die Stadt Viersen gegen die Entscheidung der übergeordneten Landesregierung? Die hat nämlich die Verlängerung der Primus-Schulen möglich gemacht und so entschieden.

  4. Warum wird denn hier der Schulleiter so angegangen? Der ist doch noch Neuling an der Schule. Wir Eltern und Schüler kämpfen seit Jahren gegen die Politiker, weil und jegliche Unterstützung der Stadt gefehlt hat. Da ist die jetzige Entscheidung der Politik lediglich eine logische Konsequenz für mich. Eine unbequeme Schule weniger..

  5. Ich habe Kinder auf der Primus Schule und weiß das sie ihre Schule lieben. Meine Kinder haben mich mehrfach gebeten das allen zu erzählen, damit jeder es erfährt. Unsere Kinder haben eine Meinung und eine Stimme, damit das allen klar wird braucht es auch schon mal Unterstützung. Das ist richtig so und nennt sich Partizipation!

  6. Hallo Zusammen,

    Unser Kind hat mit der 1. Klasse 2015 angefangen und als es dann nach der 4. Klasse hieß das einige Schüler die Schule wechseln fragte unser Sohn ob er auch wechseln muss?
    Wir fragten ob er es denn möchte darauf sagte er nein er möchte hier bleiben.
    Das war für uns deswegen die erste Entscheidung diese Schule zu wählen damit er nicht wechseln muss, wenn er nicht möchte.
    Inzwischen ist er in der 7. Klasse und ist immer noch gerne in der Schule.
    Vor Corona war ich jede Woche in der Schulbücherei und muss sagen das ich total begeistert bin wie die Kinder miteinander umgehen.
    Selbst wenn sie sich unbeobachtet fühlen.
    Sie lernen soviel mit und voneinander.

  7. ……..und am Ende entscheiden wieder einige wenige am runden Tisch!
    Ahnungslos, rücksichslos und skrupellos.
    TRAURIG !!!

  8. @Simon: Für Ihre unqualifizierte bzw. polemische Äußerung und den persönlichen Angriff sollten Sie sich entschuldigen, aber vermutlich haben Sie nicht den Schneid dazu. Den Einsatz des Schulleiters, der Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen für den Erhalt ihrer Primus-Schule kann man nur voll und ganz verstehen, unterstützen und loben. Warum sollte die Schule auch jetzt schon aufgeben? Die endgültige Entscheidung ist nämlich noch nicht gefallen!
    Aber egal was letztlich entschieden wird, die Schüler*innen haben auf jeden Fall gelernt, was es heißt gemeinsam für eine Sache einzustehen und zu kämpfen. Also von meiner Seite beide Daumen nach oben.

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