Neues Rückhaltebecken stärkt den Hochwasserschutz am Hammer Bach

Mit dem Bau eines neuen Hochwasserrückhaltebeckens am Rothweg hat der Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers ein weiteres Element zur Regulierung der Abflussspitzen am Hammer Bach umgesetzt. Das Vorhaben verbindet technische Hochwasservorsorge mit einer schrittweisen ökologischen Aufwertung eines Gewässers, das über Jahrzehnte stark an den Bedarf einer schnellen Entwässerung von Landschaft und Siedlungsflächen angepasst worden war.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Der Hammer Bach entspringt in den höher gelegenen Bereichen oberhalb von Viersen-Beberich zwischen den Autobahnen A 61 und A 52. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 13 Quadratkilometer. Auf einer Länge von etwa 6,7 Kilometern durchläuft er die Ortsteile Ober- und Unterbeberich, Hamm und Düpp, bevor er südlich der Krefelder Straße, zwischen Willich-Neersen und Süchteln, in die Niers mündet. Während der Oberlauf zunächst nur als zeitweise trockener Graben ausgeprägt ist, wird der Bach ab dem Bereich Beberich durch mehrere Quellen gespeist und führt von dort an dauerhaft Wasser.

Historisch wurde der Hammer Bach stark durch den Menschen geprägt. Seine Funktion als Mühlenbach bestimmte lange Zeit den Verlauf, bevor im Zuge wasserwirtschaftlicher Eingriffe eine weitgehende Begradigung erfolgte. Ziel dieser Maßnahmen war es, das Wasser möglichst schnell aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und später auch aus Siedlungsbereichen abzuleiten. Diese Eingriffe führten jedoch zu einer deutlichen Veränderung der natürlichen Gewässerstruktur. Mäander gingen verloren, die Ufer wurden befestigt, und die ökologische Vielfalt nahm ab. Gleichzeitig erwies sich die beschleunigte Ableitung bei Starkregenereignissen als problematisch, da sie Hochwasserspitzen weiter bachabwärts verstärken konnte.

Heute verfolgt der Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers eine umfassende Neuordnung des Gewässersystems, so wird der Hammer Bach beispielsweise im Bereich der Bebericher Straße abschnittsweise renaturiert. Der Verlauf wird wieder stärker mäandrierend gestaltet, die Ufer werden abgeflacht und dem Gewässer wird mehr Raum zur natürlichen Entwicklung eingeräumt. Ergänzt wird diese Maßnahme durch neu geschaffene Überschwemmungsflächen, die bei Hochwasser als Retentionsräume dienen und den Abfluss in Richtung der unteren Gewässerabschnitte verzögern.

Ein zentrales Element dieser Strategie ist das neu errichtete Hochwasserrückhaltebecken am Rothweg. Es liegt in einem natürlichen Überschwemmungsgebiet des Hammer Bachs und wurde so konzipiert, dass es nur bei erhöhten Wasserständen aktiviert wird. In den meisten Zeiten des Jahres bleibt die Fläche trocken und fügt sich in die umgebende Landschaft ein. Bei Starkregenereignissen hingegen kann sich das Wasser in dem Becken ausbreiten und so Abflussspitzen abpuffern, bevor sie die dichter bebauten Abschnitte des Gewässers erreichen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die planerischen Grundlagen für das Projekt wurden bereits vor mehreren Jahren gelegt. Der Verband sicherte sich dafür schrittweise Flächen im Bereich des Rothwegs, die sich im Überschwemmungsgebiet des Bachs befinden. Erste Entwurfsskizzen sahen vor, den bisherigen, durch Bebauung stark eingeengten Bachlauf aufzugeben und durch ein neues Gerinne zu ersetzen, das gezielt durch die tiefste Stelle des künftigen Beckens geführt wird. Diese Konzeption folgt den Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und zielt darauf ab, sowohl den Hochwasserschutz als auch die ökologische Durchgängigkeit zu verbessern.

Die Umsetzung des Vorhabens erforderte umfangreiche vorbereitende Maßnahmen. Dazu gehörten unter anderem der Rückbau bestehender Bebauung auf den erworbenen Flächen sowie der Erwerb weiterer Grundstücke in dem betroffenen Gebiet. Parallel dazu wurden hydrologische und hydraulische Berechnungen durchgeführt, um die Leistungsfähigkeit des Beckens im Zusammenspiel mit den übrigen Rückhalteanlagen am Hammer Bach zu bestimmen. Der Hammer Bach gilt aufgrund seiner hydrologischen Eigenschaften als Hochwasserrisikogewässer. Sein Einzugsgebiet ist geprägt von einer Kombination aus hügeligem Relief, landwirtschaftlicher Nutzung und zunehmender Versiegelung. Bei intensiven Niederschlagsereignissen reagieren die Zuflüsse entsprechend schnell, was im Mittel- und Unterlauf zu raschen Wasseranstiegen führen kann. Besonders kritisch ist dies dort, wo der Bach durch dicht bebaute Siedlungsbereiche verläuft.

Zur Entschärfung dieser Situation wurden bereits in den 1990er Jahren mehrere technische Rückhalteanlagen errichtet. Insgesamt existieren fünf Hochwasserrückhaltebecken am Hauptlauf sowie vier weitere an Nebengewässern. Das neue Becken am Rothweg ergänzt dieses bestehende System und erweitert dessen Kapazität zur Zwischenspeicherung von Niederschlagswasser. Gleichzeitig ist das Projekt Teil einer langfristigen Entwicklung hin zu einer stärker naturnahen Gewässergestaltung. Die neu geschaffenen Retentionsflächen sollen nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, sondern auch die Ausbildung einer Sekundäraue ermöglichen, wie sie für Gewässerlandschaften am Niederrhein charakteristisch ist. Dadurch entstehen neue Lebensräume für wassergebundene Tier- und Pflanzenarten, die auf wechselnde Wasserstände angewiesen sind.

Mit der Fertigstellung des Rückhaltebeckens am Rothweg und den parallel laufenden Renaturierungsmaßnahmen verändert sich der Hammer Bach in seiner Funktion und Gestalt deutlich. Aus einem stark technisch überprägten Entwässerungssystem entwickelt sich schrittweise ein Gewässer, das Hochwasserschutz, Wasserbewirtschaftung und ökologische Aufwertung miteinander verbindet. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel