Ninive: Ein Viertel auf geschichtsträchtigem Grund

Viersens lebendige Geschichte … Straßen und Plätze erzählen
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Viersen – Das Wohngebiet Ninive, gelegen zwischen der Süchtelner Straße im Osten und dem Albert-Stracke-Platz im Hohen Busch, ist nicht nur eine ruhige Wohngegend, sondern auch ein Ort, der tief in die Vergangenheit blickt. Sein Name, der seit dem 16. September 1886 offiziell geführt wird, bezieht sich auf die legendäre assyrische Stadt Ninive. Diese Verbindung entstand durch die archäologischen Funde englischer Forscher, die 1842 am Ufer des Tigris Überreste der einst mächtigen Stadt entdeckten. Auch in Viersen entfachten diese Entdeckungen das Interesse an der eigenen Vergangenheit. Archäologen fanden 1880 die Grundlage einer „Villa Rustica“, einer römischen Villa, die hier einst stand. Auch wenn es keinen direkten Bezug zur Stadt Ninive gibt, symbolisiert der Name das Bewusstsein für die historischen Schätze, die im Boden dieser Region verborgen liegen.

Doch Ninive ist nicht nur ein Ort der Geschichte, sondern auch der steten Veränderung. Am 7. November 1971 wurde das Wohngebiet nach Westen hin erweitert, und ein Straßenring führte bis zur Alten Süchtelner Landstraße. Die Nachkriegszeit brachte neue Herausforderungen mit sich: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten deutsche Soldaten die Eisenbahnbrücke über die Vogteistraße/Alte Süchtelner Straße, um den Vormarsch der alliierten Truppen zu erschweren. Jahre später, mit wachsendem Verkehrsaufkommen, entstand der Plan, diese Brücke wieder zu eröffnen und eine Entlastungsstraße durch das Viertel zu bauen. Doch der Widerstand gegen dieses Vorhaben wuchs, und 2007 führte ein Gerichtsbeschluss zur endgültigen Aufgabe des Projekts.

Heute ist Ninive ein Ort, der Vergangenheit und Gegenwart in sich vereint – geprägt von archäologischen Entdeckungen und den Spuren moderner Entwicklungen. Die römischen Grundlagen mögen längst verschwunden sein, doch die Geschichte bleibt unter der Oberfläche lebendig, während sich das Viertel seines Platzes im urbanen Gefüge sichert. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming