Der ZONTA Club Viersen weist in diesem Jahr erneut auf die internationalen Aktionstage „Orange the World“ hin und rückt damit ein Thema in den Mittelpunkt, das auch in Deutschland – und sogar in unserem kleinen Viersen – nichts an Dringlichkeit verloren hat: Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Viersen – Zum heutigen „Orange the World“-Tag appelliert der ZONTA Club Viersen an die Öffentlichkeit nicht wegzusehen und erinnert an harte Fakten: Alle zwei Tage tötet in Deutschland ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin. Alle vier Minuten erlebt eine Frau Gewalt durch ihren Partner, alle zwei Stunden wird eine Frau sexualisiert misshandelt. 98,6 Prozent aller Vergewaltigungen werden von Männern begangen. Gewalt hat viele Ausprägungen – körperliche, psychische, sexualisierte, soziale, finanzielle oder digitale – und sie betrifft Frauen aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Der Viersener Club verweist zudem ausdrücklich auf das bundesweite Hilfetelefon 116 016, das rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar ist, und ermutigt Betroffene von Belästigungen im Alltag, über das „Noa“-Signal Unterstützung einzufordern. Der Appell ist klar: Hinschauen. Unterstützen. Laut sein.
Am heutigen 25. November startet weltweit die orangefarbene UN-Kampagne „Orange the World“, die bis zum 10. Dezember – dem Tag der Menschenrechte – andauert. Orange, die Farbe der Hoffnung, soll in diesen Wochen Mut machen und zugleich Aufmerksamkeit schaffen für eine Realität, die viele Frauen tagtäglich bedroht. Mehr als jede dritte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens physischer oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Die Zahlen des Bundeskriminalamts zum Jahr 2024 unterstreichen die Tragweite: 171.069 Menschen meldeten Partnerschaftsgewalt, etwa 80 Prozent davon Frauen. 132 Frauen wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, nahezu täglich kam es zu einem Tötungsversuch. Zudem registrierte das BKA 558 frauenfeindliche Straftaten – ein Anstieg von über 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zunehmend spielen Übergriffe im digitalen Raum eine Rolle. 18.224 Frauen zeigten 2024 digitale Gewalt an, ein Plus von sechs Prozent. Besonders im Kontext von Partnerschaften stiegen die Fallzahlen deutlich: 4.876 Frauen wurden Opfer digitaler Gewalt, ein Zuwachs von fast elf Prozent.
Die internationalen Aktionstage wollen nicht nur sensibilisieren, sondern zur gesellschaftlichen Standortbestimmung beitragen. Schulen in der Region und bundesweit beteiligen sich deshalb mit Projekten, Gesprächsrunden oder kreativen Aktionen und setzen damit ein sichtbares Zeichen für Gleichberechtigung und Respekt. Ob orangefarbene Kleidung, Plakate oder Unterrichtsinitiativen – jeder Beitrag soll zeigen, dass Gewalt keinen Platz in Schule, Alltag oder digitaler Welt haben darf.
UN Women Deutschland verbindet die diesjährigen Aktionstage erneut mit deutlichen politischen Forderungen. Die Vorständin der Organisation, Dr. Carolin Weyand, macht klar, dass die veröffentlichten Zahlen keinen Zweifel lassen: Partnerschaftsgewalt sei kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Die Organisation begrüßt zwar die Ausweitung des Gewaltschutzgesetzes, die das Bundeskabinett am 19. November 2025 beschlossen hat, sieht aber weiteren Handlungsbedarf. Neben der elektronischen Aufenthaltsüberwachung und dem Ausbau der Täterarbeit seien umfassende politische Strategien notwendig, verbunden mit einer verlässlichen Finanzierung und dem Ausbau des Gewalthilfegesetzes. Zudem brauche es ein modernes Gesetz gegen digitale Gewalt sowie die gesellschaftliche Anerkennung, dass Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, das entschlossen bekämpft werden müsse. Die Kampagne „Orange the World“ fordert weltweit dazu auf, nicht nur hinzuschauen, sondern zu handeln – im Privaten, im öffentlichen Raum und auf politischer Ebene. (sk)





