Ort der Hoffnung – 200 Jahre evangelischer Friedhof Wickrathberg

Der Wickrathberger Friedhof wurde im Jahre 1821 erstmals urkundlich erwähnt. Ein Friedhof ist vieles: ein Ort der Stille, der Trauer, der Erinnerung und der Hoffnung. „Christen leben von dieser Hoffnung, der Hoffnung auf Auferstehung“, sagt Esther Gommel-Packbier, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Wickrathberg.

Tafel für ein Denkmal – vom Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg

„Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“

Mönchengladbach-Wickrathberg – Dort im ländlichen Mönchengladbach liegt der älteste evangelische Friedhof der Stadt. 1821 fand hier die erste Beisetzung statt. In dem Jahr starb übrigens am 5. Mai auch Napoleon auf St. Helena. Dieser hatte zuvor die alte Ordnung in ganz Europa durcheinandergebracht und so sogar in Wickrathberg für eine neue Friedhofsordnung gesorgt.

Am Sonntag, 22. August 2021 wird mit einem Fest-Gottesdienst um 10:30 Uhr auf dem Friedhof das 200jährige Bestehen gefeiert. Ob ein im Anschluss geplantes Programm stattfinden kann, steht unter Corona-Vorbehalt.

Der evangelische Friedhof, der von der Straße Auf dem Damm und vom Postillionsweg aus zugänglich ist, wurde auf einem ehemaligen Exerzierplatz angelegt. Zuvor waren die evangelischen Christen, die in Wickrathberg eine Mehrheit stellten, rund um die Kirche beigesetzt worden.

Ältester Grabstein von 1825 mit Spuren aus dem Krieg

Aber dort war kein Platz mehr. Mehr Raum bot das Gelände des Exerzierplatzes, das auch noch erfreulicherweise an der nach Wickrath führenden Allee lag. „Auch die evangelischen Bürger Wickraths wurden auf dem Wickrathberger Friedhof beerdigt“, erklärt Ulrike Krüner, deren Familie seit Generationen mit der evangelischen Gemeinde verbunden ist.

Krüner bietet Führungen über den Friedhof und durch die Wickrathberger Kirche an. „Der Friedhof musste von Mauern eingefasst werden, das sah das napoleonische Gesetz vor“, sagt die ehrenamtliche Gemeindearchivarin. „So wurde verhindert, dass Vieh auf den Gräbern graste.“

Der Friedhof erzählt heute noch die Geschichte des Ortes und seiner Familien. Viele der alten Grabmäler stehen noch. Das älteste Grab lässt sich aber nur mit ein wenig Hilfe finden: es stammt von 1825. Ein in den Stein gemeißelter Schmetterling steht hier für die Hoffnung auf Auferstehung. Auf der parkähnlichen, mehr als zwei Hektar umfassenden Anlage finden sich im Schatten alter Bäume alte Familiengräber, Grabkreuze aus dem 19. Jahrhundert und Gräber mit Porzellan-Medaillons.

Das evangelische Profil der Beisetzungsstätte wird deutlich an Bibelworten, die den Besucher bereits beim Betreten begrüßen. Der traditionsreiche Friedhof zeigt heute aber auch den kulturellen Wandel: Rasengräber, Baumgräber und viele Urnenbeisetzungen sind Zeugen einer veränderten Bestattungskultur. Auch die vielen bunten Wiesenblumen, die zwischen den Gräbern blühen, weisen auf Wandel hin.

„Uns ist der Friedhof auch als Ort der Bio-Diversität wichtig“, erklärt Pfarrerin Esther Gommel-Packbier. „Er soll naturnah gestaltet sein.“ Und er ist ein Ort des Lebens. Die Kinder der nahegelegenen Kita haben einen Hildegard-von-Bingen-Kräutergarten angelegt. Es gibt Insektenhotels, Wasserschalen für die Vögel, Plätze für Greifvögel und sogar Bienenkörbe, die einen eigenen Honig produzieren. Umher huschende Eichhörnchen sorgen selbst bei Trauerfeiern für einen Moment des Lächelns. 1955 wurde eine Friedhofkapelle gebaut.

Der Jubiläumsgottesdienst auf dem Wickrathberger Friedhof am 22. August 2021 um 10:30 Uhr findet unter den dann gültigen Corona-Schutzmaßnahmen statt. Der MGV „Eintracht“ Wickrathberg singt einige schöne Lieder im coronakonformen Freiluftgottesdienst. Anschließend gibt es Kaffee und aktuelle Informationen zum Friedhof.

4G = geimpft – genesen – getestet – getauft

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