Spinalonga – Von der Leprainsel zum Ferienerlebnis

Die venezianische Festung und die Burgkolonie auf der kleinen Insel Spinalonga, die am Eingang der Lagune von Elounda das ganze Jahr über täglich von kleinen Booten angefahren wird, birgt eine dunkle Vergangenheit – schließlich war sie nicht nur Zufluchtsort der Rebellen, sondern ebenfalls Leprakolonie.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Kreta/Griechenland – Gerade einmal 85 Hektar beträgt die Fläche der kleinen Insel im westlichen Golf von Mirabello. Ursprünglich war sie als Calydon bekannt, erst mit den Venezianern erhielt sie ihren heutigen Namen Spinalonga, was übersetzt langer Dorn (Spina-longa) bedeutet. Allerdings gibt es ebenfalls Interpretationen, wonach der Name im Laufe der Zeit von „Stin Elounda“ (in Elounda) ebenso abgeleitet wurde, wie von einer schönen Frau namens Longa, die in der Festung gelebt haben soll.

Im Laufe der Zeit fand die Insel ihre Aufgabe in einer ganz unterschiedlichen Bedeutung, und wenn heute mehr ihre Bedeutung als Leprainsel bekannt ist, bot sie ebenfalls Rebellen eine Zuflucht oder bot eine Verbindung mit Kairo während des Zweiten Weltkrieges.
Ursprünglich während der minoischen Zeit schützte die Insel mit einer Festung den Hafen der fast vollständig versunkenen Stadt Olous, von der nur ein kleiner Landstrich über Wasser erhalten ist. Bis zum 8. Jahrhundert blühte die Hafenstadt, bis sich die Bewohner, auch zum Schutz vor Piraten, von dem Strandbereich zurückzogen. Erst mit dem Bau der Festung auf Spinalonga im Jahre 1574 gewann die Insel wieder an Bedeutung. Zu dieser Zeit drangen die Osmanen in Zypern ein und mit der Angst, dass sich die Belagerer auf das westliche Mittelmeer ausweiten, sollte ein Schutz für die Bucht von Elounda geschaffen werden – denn nachdem die Salinen in Zypern bereits verloren waren, wurde die Salzgewinnung in Elounda immer wichtiger.

Foto: Rheinischer Spiegel

Über den ursprünglichen Ruinen der Festung der Olouniten nahm die erste Bauphase rund sieben Jahre ein (1579-1586), weitere Umbauten wurden während des kretischen Krieges (1645-1669) vorgenommen. Flüchtlingen und Rebellen gab diese Festung gegen die Osmanen eine Zuflucht, ebenfalls die Tempel des Heiligen Panteleimon und des Heiligen George wurden in diesen Jahren erbaut.

1715 besetzten die Osmanen die Insel, die sie als Exil und zur Isolation nutzten, bis sich auf der gut geschützten Insel eine osmanische Siedlung entwickelte. Als im 19. Jahrhundert der Hafen von Spinalonga die Lizenz für den Exporthandel erhielt, gewann Spinalonga an Bedeutung. Kaufleute und Matrosen siedelten sich immer mehr an und bis heute sind zahlreiche Gebäude aus dieser Zeit erhalten. Politische Veränderungen ließen den erfolgreichen Handel stagnieren und als 1897 französische Streitkräfte auf der Insel installiert wurden, verließen nach und nach die Bewohner die Insel. 1903 hatten alle Osmanen die Insel verlassen, gleichzeitig begann die kretische Regierung die Leprakranken umzusiedeln, die in Siedlungen an den Randgebieten der großen Städte lebten. Nach und nach wurde Spinalonga zu der Insel der Hansen-Krankheit – bekannter als Lepra. Kranke aus ganz Griechenland wurden hier untergebracht und ein halbes Jahrhundert lang sollte sich hieran nichts ändern.

Foto: Rheinischer Spiegel

Zunächst war die Insel mehr vom Tod als vom Leben geprägt, galt als überdimensionaler Friedhof ohne medizinische Versorgung. Erst später entstand ein Leprakrankenhaus, welches die Aussätzigen versorgte, die in den osmanischen Häusern und in den Gebäuden der Kaufleute untergebracht waren. In dieser Zeit entstand ebenfalls das Dorf Plaka, welches die Versorgung von Spinalonga bis zur italienisch-deutschen Besatzung sicherstellte.
Während das Dorf evakuiert wurde, kümmerten sich die Besatzer um die Bewohner der Insel, denn niemand wagte die Insel aufzulösen und ebenfalls kein Besatzer betrat den Bereich. Die sich hierdurch ergebenden Freiheiten nutzen die Aussätzigen, die ein eigenes Radio betrieben und durch den stationierten Arzt mit Nachrichten versorgt wurden. 1957, mit der Antibiotika-Erfindung und der Heilung der Hansen-Krankheit wurde Spinalonga nach und nach verlassen. Erst fünf Jahre später allerdings, 1962, verließ ein Priester die Insel.
In den 1970er-Jahren erkannten die Behörden den touristischen Wert der Insel. Gebäude sowie Straßen werden seitdem stetig saniert – mittlerweile gehört Spinalonga zu den touristischen Hotspots auf Kreta. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel

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