Vier Euro, ein Unikat: Kunst rund um die Uhr am Hermann-Hülser-Platz

Bereits seit 2023 prägt ein ungewöhnlicher Blickfang den Hermann-Hülser-Platz: Ein Kunstautomat, der die Stadt seitdem um eine neue Form der künstlerischen Begegnung bereichert.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen – Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich ein kleines, aber feines Universum: Für vier Euro lässt sich hier ein individuelles Kunstwerk erwerben – von Pop Art über Tierdarstellungen bis hin zu Tattoo-Designs, von Lyrik bis zu Miniaturobjekten. Jedes Stück ist ein Unikat und enthält zugleich Informationen über die Künstlerinnen und Künstler, deren Kontakte mitgeliefert werden.

Die Idee für den Kunstautomaten geht auf Lars Kaiser und die Potsdamer Agentur Kunsttick.com, zurück. Bereits im Jahr 2001 führte er in Deutschland das Konzept dauerhaft stehender Kunstautomaten ein. Ziel des Projekts war von Anfang an, den direkten Kontakt zwischen Künstlerinnen und Künstlern sowie dem Publikum wiederherzustellen – ohne den Umweg über Galerien, Museen oder andere Vermittler. Jedes Kunstwerk sollte jederzeit frei zugänglich und unmittelbar erlebbar sein, um Kunst unmittelbar von Mensch zu Mensch erfahrbar zu machen.

Die Wahl des Standortes in Viersen war dabei kein Zufall. Die Ecke am Hermann-Hülser-Platz profitiert von der Nähe zu Kulturveranstaltungen in der Festhalle, dem Kartenvorverkauf, der Kreismusikschule und ihrem Publikum sowie dem lebendigen Wochenmarkt. Hier treffen Kinder, Jugendliche, Eltern und Kunstinteressierte aufeinander.

Kunstautomaten selbst haben eine lange Geschichte: Seit über zwei Jahrzehnten existieren sie in Deutschland, mittlerweile sind mehr als 250 Automaten in Deutschland und fünf weiteren Ländern im Einsatz. Über 450 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt beteiligen sich regelmäßig, und die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten ist nahezu unbegrenzt: kleine Bilder, Objekte, Texte in Lyrik oder Prosa, alles individuell gestaltet und in liebevoll dekorierten Schachteln verpackt.

Die Automaten bieten mehr als nur Kunst: Sie sind Schnittstellen zwischen Menschen, sie laden zu spontanen Entdeckungen ein, und sie machen öffentliche Plätze attraktiver. Wer hier ein Werk zieht, erwirbt nicht nur ein kleines Kunstobjekt, sondern ein Stück Kultur, das 24 Stunden am Tag zugänglich ist – ein ungewöhnliches Geschenk, ein unerwartetes Erlebnis. Für Viersen bedeutet der Kunstautomat vor allem eines: Kunst ohne Berührungsängste. Er vermittelt, dass kreative Ausdrucksformen nicht nur in Museen und Galerien zuhause sind, sondern mitten im Alltag – greifbar, erschwinglich und überraschend.

Dieses Jahr feiert das Projekt zudem ein Jubiläum: 25 Jahre Kunstautomaten in Deutschland, die ersten dauerhaft stehenden Automaten überhaupt, mit einer Erfolgsgeschichte, die von Potsdam aus ihren Weg in Städte wie Viersen gefunden hat. (ea)

Foto: Rheinischer Spiegel