Viersener Griechen setzen sich für Diaspora-Unterstützung und kulturelle Vernetzung ein

Im Generalkonsulat der Hellenischen Republik in Düsseldorf ist am vergangenen Samstag über nicht weniger als die Zukunft der griechischen Gemeinden in Deutschland gesprochen worden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Düsseldorf – Auf Einladung der Generalkonsulin Chara Baldouma empfing das Konsulat den stellvertretenden Außenminister Griechenlands, Ioannis Loverdos, zu einem Austausch mit Vertretern der organisierten Diaspora in Nordrhein-Westfalen. Unter den Gästen befand sich auch eine Delegation der Griechischen Gemeinde Viersen und Umgebung, die ihre Anliegen mit Nachdruck vortrug.

Für die Gemeinde waren der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Nikolaos Ioannidis, sowie die Schatzmeisterin Argyro Baroulaki nach Düsseldorf gereist. In der sachlichen Atmosphäre des Konsulatsgebäudes entwickelte sich ein Gespräch, das sowohl konkrete Verwaltungsfragen als auch langfristige Perspektiven der deutsch-griechischen Beziehungen umfasste. Ioannidis nutzte die Gelegenheit, die Arbeit der Gemeinde in Viersen ausführlich vorzustellen – ihre kulturellen Veranstaltungen, sozialen Initiativen und Bildungsangebote, die sich an mehrere Generationen von in Deutschland lebenden Griechen richten.

Foto: Griechische Gemeinde Viersen

Die Gemeinde, die seit Jahren als Anlaufstelle für Landsleute im Kreis Viersen fungiert, organisiert traditionelle Feste, Sprach- und Tanzkurse sowie Begegnungsformate, die den Austausch zwischen Deutschen und Griechen fördern. Darüber hinaus unterstützt sie Familien in sozialen Notlagen und begleitet Neuankömmlinge bei Behördengängen. In Düsseldorf skizzierte Ioannidis nicht nur die bisherige Entwicklung, sondern auch künftige Vorhaben, die auf eine strukturelle Stärkung der griechischen Gemeinschaften im Ausland abzielen.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen mehrere konkrete Vorschläge. Mit Blick auf die tägliche Praxis vieler Gemeindemitglieder sprach Ioannidis die angespannte Personalsituation in den Konsularbehörden an. Lange Wartezeiten bei der Beantragung von Reisepässen, bei Fragen zu Wehrangelegenheiten oder anderen administrativen Anliegen stellten für viele Bürger eine erhebliche Belastung dar. Eine personelle Verstärkung der Konsulate sei daher dringend geboten, um die Terminvergabe zu beschleunigen und den Service für die im Ausland lebenden Griechen spürbar zu verbessern.

Darüber hinaus brachte der Vorsitzende die Idee eines „Patenschaftsprogramms“ ins Gespräch. Demnach könnten griechische Unternehmen Gemeinden im Ausland gewissermaßen „adoptieren“ und sie bei größeren kulturellen Veranstaltungen nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch und logistisch unterstützen. Eine solche Partnerschaft würde nach seiner Darstellung mehrere Ziele zugleich verfolgen: die wirtschaftliche Vernetzung stärken, das kulturelle Profil der Gemeinden schärfen und die Bindung zwischen Wirtschaft und Diaspora vertiefen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens lag auf der Förderung der deutsch-griechischen Freundschaft. Initiativen in den Bereichen Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft könnten dazu beitragen, die gegenseitige Kenntnis zu vertiefen und bestehende Kontakte auszubauen. Ioannidis betonte, dass die Gemeinden im Ausland dabei eine Brückenfunktion einnehmen: Sie bewahrten Sprache, Traditionen und Werte und wirkten zugleich als Mittler zwischen zwei Gesellschaften. Die Pflege dieser Rolle sei nicht allein eine kulturelle Aufgabe, sondern auch ein Beitrag zur europäischen Verständigung.

Neben dem offiziellen Austausch mit Loverdos führte Ioannidis auch Gespräche mit dem Botschafter Griechenlands in Deutschland, Alexandros Papaioannou, sowie mit Generalkonsulin Baldouma. In diesen Unterredungen wurde der Wille bekräftigt, die Kooperation mit den griechischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen weiter zu intensivieren. Ziel sei es, deren Aktivitäten nachhaltig zu unterstützen, die griechische Präsenz in der Region zu stärken und die bilateralen Beziehungen auf zivilgesellschaftlicher Ebene auszubauen. (nb)

Foto: Griechische Gemeinde Viersen