Also ich hab ja schon viel erlebt in Viersche. Aber wat jetzt kommt, dat is selbst für unsere Verhältnisse … sagen wir mal: konsequent.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersche – Der Viersener Bahnhof soll nämlich nach dem längst bereits 2002 erfolgten Denkmalschutz nun zur historischen Ruine erklärt werden. Kein Witz. Also gut – doch, ein bisschen schon. Aber angeblich ganz offiziell: „Historische Ruine mit authentischem Verfallcharakter.“
Un ich sach euch: Dat war überfällig.
Seit Jahren bröckelt dat Ding vor sich hin. Risse in den Wänden, Farbe, die sich verabschiedet hat wie der letzte Zug Richtung Zukunft, Graffiti, die mittlerweile mehr Schichten haben als ’ne Zwiebel vom Wochenmarkt. Un mittendrin laufen wir alle jeden Tag durch und tun so, als wär dat normal.
Aber jetzt hat man wohl erkannt: Dat is kein Problem – dat is ein Konzept!
„Der Bahnhof spiegelt den Charme vergangener Jahrzehnte wider“, heißt et aus gut informierten Kreisen. Ich würd eher sagen: Der Bahnhof spiegelt, wat passiert, wenn man jahrzehntelang nix macht – aber gut, is halt ’ne Frage der Perspektive.
Mit dem neuen Status als historische Ruine hat dat Ganze natürlich Vorteile. Zum Beispiel darf jetzt offiziell nix mehr verändert werden. Kein neuer Anstrich, keine Renovierung, kein frischer Putz. Alles bleibt so, wie et is. Oder wie man bei uns sagt: „Läuft.“
Un dat Beste: Die Kunst im Tunnel – ihr wisst schon, „Weltkunst in Viersen“ – die passt jetzt perfekt ins Gesamtbild. Dat ist dann keine Ablenkung mehr vom Zustand, dat ist Teil des Konzepts. Der bröckelnde Putz als Rahmen, die Graffiti als moderne Ergänzung – quasi ein begehbares Museum zwischen Gleis 1 und „Och nö, schon wieder Verspätung“.
Ich hab auch gehört, es soll Führungen geben. Mit Audioguide!
Station 1: „Hier sehen Sie eine besonders schöne Abplatzung aus dem Jahr 2003.“
Station 2: „Links erkennen Sie die seltene Spezies ‚Kaugummi in freier Wildbahn‘, vermutlich festgetreten um 1998.“
Un für Touristen gibt’s dann bald Souvenirs: Ein Stück Original-Putz zum Mitnehmen. Limitierte Auflage. Direkt aus’m Tunnel gekratzt.
Aber mal ehrlich: Vielleicht is dat sogar der ehrlichste Schritt, den man machen kann. Statt immer so zu tun, als würde bald was passieren, sagt man einfach: „Leute, dat bleibt jetzt so.“ Klarheit statt Hoffnung. Is auch wat wert.
Also, liebe Deutsche Bahn, liebe Verantwortliche: Gute Idee. Wirklich. Wenn man schon nix macht, dann macht man wenigstens offiziell nix. Dat hat Stil.
Un ich sach euch: Wenn dat so weitergeht, wird der Bahnhof bald nicht mehr nur historische Ruine – sondern UNESCO-Weltkulturerbe. Kategorie: „Dauerbaustelle ohne Baustelle“.
Is halt Viersche.
Euer
Jupp van’t Eck

Hüstl … natürlich ist die historische Ruine ein Aprilscherz … aber seien wir mal ganz ehrlich. So weit von der Wahrheit sind wir nicht entfernt.




