Also manchmal denke ich mir: Viersen hat echt Humor. Nur halt keinen offiziellen. Ja, da steht unser St. Remigius am Brunnen, mitten in der Stadt, seit Jahrzehnten stoisch, fromm und aus Bronze. Und jetzt hat ihm jemand einfach eine rote Kardinalsmütze aufgesetzt. Zack. Fertig. Upgrade.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersche – Ich sag mal so: Der Mann hat in seinem Leben schon einiges erlebt – über 70 Jahre Bischof in Reims, Taufen von Königen, Wunder mit Tauben und Ölampullen, die Geschichte kennt da keine Zurückhaltung. Aber dat hier… dat ist selbst für ihn neu.
Und ehrlich gesagt: Vielleicht hätte er sich sogar gefreut. Kardinal steht ja bekanntlich über Bischof. Also aus kirchlicher Sicht ist das quasi eine Beförderung „to go“. Ohne Papierkram, ohne Vatikan, einfach raufgesetzt und gut is.
Ich stell mir das so vor: Remigius steht da, guckt leicht irritiert nach oben und denkt sich in schönstem Latein: „Abstine… Sustine… aber wat soll dat jetzt?“
Die Krumme seines Bischofsstabes, dieser Ölzweig als Zeichen der Versöhnung – alles schön und gut. Aber jetzt wirkt das Ganze eher wie: Versöhnung ja, aber bitte mit modischem Accessoire.
Und während er da so steht, umgeben von den bekannten Tierplastiken – Stier, Schlange, Pfau und Co. – könnte man fast meinen, die gucken auch schon skeptisch. Der Pfau denkt sich wahrscheinlich: „Endlich mal Konkurrenz in Sachen Eitelkeit.“
Wobei – wenn man ehrlich ist – der Brunnen ist ja sowieso schon ein kleines moralisches Lehrbuch in Bronze. Jeder steht für eine menschliche Schwäche, und keiner kommt gut weg. Und jetzt hat man dem Ganzen noch die kirchliche Hierarchie obendrauf gesetzt. Viersen kann halt auch Theologie mit Augenzwinkern.
Nur die Geschichte mit der roten Mütze zeigt wieder mal: In Viersen passiert selten nix. Selbst die Heiligen werden hier irgendwann umgestaltet – freiwillig oder nachts, das bleibt offen.
Ich sach euch: Wenn dat so weitergeht, kriegt der Seehund noch ’ne Badekappe, der Stier ’n Fitnessarmband und der Pfau einen Influencer-Vertrag.
Und Remigius? Der steht da weiter. Ruhig. Geduldig. Wie immer.
Vielleicht denkt er sich einfach nur: „Sustine… et enthalte dich von Kommentaren.“
Euer
Jupp van’t Eck





