Es ist kalt. So richtig kalt. So ein Morgen, kurz vor Silvester, wo der Atem dampft und man sich fragt, ob man die Mütze nicht doch noch tiefer ziehen sollte. Eigentlich die Zeit, in der auf den Viersener Spielplätzen höchstens ein paar tapfere Kinder rutschen gehen. Stattdessen fällt im Moment vor allem eins auf: Hunde waren offenbar deutlich häufiger da als Kinder.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Glosse – Denn wo früher Sandburgen standen, liegen heute … na ja. Sagen wir: Hinterlassenschaften. Viele. Sehr viele. Man hat fast den Eindruck, der Spielplatz sei zur inoffiziellen Hundewiese erklärt worden – nur ohne Hinweis, ohne Beutel und ohne Anstand.
Und bevor jetzt alle Hundehalter kollektiv die Augen verdrehen: Nein. Es sind nicht alle. Es sind immer dieselben. Ich hab se gesehen. Die, die keine Tüte dabei haben. Oder so tun, als hätten sie keine. Die, die kurz wegschauen, pfeifen und denken: „Wird schon einer wegmachen.“ Spoiler: Macht keiner.
Und das Schlimme daran: Diese Hundehalter rücken alle anderen gleich mit ins schlechte Licht. Die, die ihre Beutel dabei haben. Die, die sich bücken. Die, die wissen, dass „öffentlicher Raum“ nicht heißt „ist mir egal“. Für die gilt dann plötzlich: Alle gleich. Und dat is unfair.
Dabei ist es ja wirklich keine Raketenwissenschaft. Es gibt diese kleinen Plastiktüten. Die kennt jeder. Und jetzt mal ehrlich – bei den Temperaturen draußen hätte der frisch verpackte, noch warme Hundehaufen sogar einen gewissen praktischen Nutzen. Als Handwärmer. Nachhaltig. Regional. Körpernah. Nur so als Idee. Natürlich scherzhaft. Bevor sich jetzt einer beschwert. Aber selbst dafür reicht’s nicht.
Richtig unerquicklich wird die Sache, wenn man ein paar Wochen weiterdenkt. Frühjahr. Kinder, die wieder raus dürfen. Wenn die Sonne rauskommt, die Kinder wieder spielen, im Sand buddeln, den Sand auch schon mal in den Mund stecken – weil Kinder das nun mal machen. Weil Kinder keine Warnschilder lesen. Was sie aber garantiert nicht brauchen, sind die Reste vom Winterspaziergang fremder Hunde. Genau da, wo die Kleinen spielen. Dann liegt da nicht nur der alte Haufen, sondern auch das, was man nicht sieht: getrockneter Urin, Reste, Bakterien. Unsichtbar für die Kleinen, aber alles andere als harmlos.
Und dann hört man die immer gleiche Ausrede: „Dat is doch nur ein bisschen.“ Nein. Dat is kein bisschen. Dat ist rücksichtslos. Ein Spielplatz ist kein Hunde-WC, auch wenn er nachts leer aussieht. Und da fragt man sich schon: Muss dat wirklich sein? Gibt es nicht genug Grünflächen für Hunde? Müssen Spielplätze, ausgerechnet Spielplätze, wirklich dafür herhalten?
Vielleich wär dat ja mal ’ne Idee fürs neue Joahr: einfach wieder ’n bisschen mehr openeinander achte. Hunde dürfe Hunde sin, klar. Aber Kenger solle Kenger sin – un dat bitteschön op’m Spielplatz, un nit mitten im Dreck von fremden Kötern. Jeder bliev da, wo er hingehört. Dat klingt simpel. Is et och. Man muss et nur ma mache.
Wär doch wat, wenn mer im neuen Joahr op Viersens Spielplätz widder mehr Kengerlache hört – un weniger dat, wat man vorher mit ’ner Tüte, ’nem Bücken un ’nem Funken Anstand hätt verhindern könne.
Euer
Jupp van’t Eck mit 🐕 Balu





