In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass Zeitungsartikel, Internetinformationen und sogar Hundeschulen propagieren, dass Welpenspielgruppen, in denen hauptsächlich gespielt wird, absolut schädlich für die Entwicklung von Welpen seien.
Von Andrea Ciplajevs – Hundeschule Mensch&Hund-Schule
Magazin – „Mir war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, wie ernst Menschen solche Texte nehmen und wie viele fachkraftlose Hundeschulen es wirklich gibt. Den geschützten Begriff des Hundetrainers gibt es ja nun mal nicht. Und nicht jede Hundeschule hat sich ausreichend mit Hundeverhalten beschäftigt, das über „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“ hinausgeht.
Aber dann:
Es kamen Hundehalter mit erwachsenen Hunden zu mir, die verzweifelt waren, weil sie ihre Hunde im Beisein anderer Hunde kaum halten konnten.
Es kamen Hunde, die durchdrehten, wenn am Horizont nur ein anderer Hund zu erahnen war.
Es kamen Junghunde, die kaum mit anderen Hunden kommunizieren konnten.
Das, was da passiert, ist sehr ernst zu nehmen.
In den letzten Wochen habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was da passiert.
Beginnen möchte ich mit den Welpenspielgruppengegnern:
Da steht unter anderem, dass sich Wolfswelpen auch nicht rudelextern verabreden, um miteinander zu spielen.
Nein, so etwas machen Wölfe nicht.
Wer schon mal einen meiner Vorträge gehört hat, weiß, dass auch ich gern den Urvater Wolf als Beispiel nehme, aber niemals darf man vergessen, dass wir keine Wölfe haben, sondern Hunde verschiedener Rassen.
Und vor allem haben wir ein stark domestiziertes Tier, von dem wir erwarten, dass es unser Leben teilt.
Unser Leben teilen heißt, dass wir mit unseren Hunden Freunde besuchen, die eventuell auch Hunde haben.
Unser Leben teilen heißt, unter Umständen Hundesport zu betreiben, bei dem wir ständig anderen Hunden begegnen.
Unser Leben teilen heißt auch, einfach nur spazieren zu gehen und dabei Menschen mit Hunden zu treffen oder an ihnen vorbeizugehen.
Unser Leben teilen heißt auch, mal in ein Restaurant, Café oder einen Biergarten zu gehen, in dem andere Hundehalter ebenfalls ihre Freizeit mit ihrem vierbeinigen Freund verbringen.
Hundestrand, Hundewiese, Hundeplatz, Tierarzt …
Unser Leben bringt unzählige Situationen mit sich, in denen Hunde andere Hunde ertragen (?), dulden (?), aber zumindest akzeptieren müssen.
Deutlich zu erkennen ist, dass hier das Beispiel des Wolfes absolut unangebracht ist.
Obwohl Wölfe – wenn auch nicht rudelextern, aber zumindest rudelintern – ihre Geschwister bis ins Erwachsenenalter haben, um im Spiel Kommunikation zu erlernen und sich spielerisch aufs Leben vorzubereiten.
Selbst erwachsene Wölfe spielen, sofern die Situation es erlaubt, viel und gerne.
Es gibt einen Punkt, in dem ich diesen Gegnern recht geben muss:
Wird eine Welpenspielgruppe nicht fachkundig geführt, kann es tatsächlich passieren, dass Welpen „gemobbt“ werden, dass junge Hunde ängstlich werden oder dass unerfahrenen Hundehaltern nicht vernünftig erklärt wird, was ihr Welpe da tut und warum das in Ordnung oder auch mal nicht in Ordnung ist.
Eine gut geführte Welpenspielgruppe zeigt ängstlichen Welpen, dass ihr sicherster Platz bei ihrem Besitzer ist, zeigt kleinen Draufgängern, dass auch auf ängstlichen Welpen nicht herumgesprungen wird, erklärt ängstlichen Hundehaltern anhand der Körpersprache ihrer und anderer Welpen, wie sie Situationen zu betrachten haben, und geht auf alle Fragen ein.
Welpen gehören in einer Hundeschule immer in die Hände eines Fachmannes. Niemals darf der junge Ausbilderanwärter oder jemand, der „mal eben da ist“, alleine eine Welpengruppe führen.
Die Moderation eines Welpenspiels ist manchmal anstrengend und sehr aufwendig.
Aber dort lernen ganz junge Hunde, dass verschiedene Temperamente, Arten zu spielen, Gesichter und Größen einfach zum Leben dazugehören.
So haben zum Beispiel Hunde, die im Welpenalter kurznasige Hunde wie Bulldoggen oder Boxer kennenlernten, auch später kein Problem mit der hundeuntypischen Gesichtsform.
Sie lernen – wie Menschen – im Spiel den Umgang mit Konflikten, sie lernen Kommunikation und soziales, umgängliches Verhalten.
Des Weiteren wird auch oft propagiert, dass Kontakt zu anderen erwachsenen Hunden schädlich sei.
Auch darauf möchte ich kurz eingehen:
Bei absolut jedem Tier, dessen Urform in freier Natur in Gruppen, Schwärmen oder Herden lebt, hält der Mensch – wenn er es artgerecht halten möchte – immer mindestens zwei seiner Art.
Pferde leben tierschutzgerechter in Gruppen, Kaninchen und Meerschweinchen hält man nicht alleine, Wellensittiche immer zu mehreren.
So könnte man die Liste über viele Haustierarten hinweg fortführen.
Warum behaupten manche Menschen, dass Hunden, die dem Rudeltier Wolf entstammen, der Mensch alleine genüge?
Nicht jeder kann und möchte zwei Hunde halten, aber wenigstens die Fairness zu besitzen, seinem Hund regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen zu gewähren, wäre gut und richtig.
Nur wer sich dahingehend gut genug informiert und über Verhaltensmuster und Kommunikation unserer Hunde Bescheid weiß, empfindet auch nicht jedes Knurren als aggressiv und jedes Zähnefletschen als Angriff.
Nicht jede „Prollerei“ zwischen zwei Rüden ist ein Ernstkampf, und nicht jede zickende Hündin ist eine Killerin.
Manchmal reden wir einfach nur von innerartlicher Kommunikation, die Hunde am besten und ruhigsten lösen können, wenn sie das vom Welpenalter an lernen durften.
Erwiesenermaßen haben Hunde, die als Welpen die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit anderen Welpen hatten, im weiteren Leben weniger Konflikte und haben gelernt, Kommunikation ruhiger zu führen, wodurch auch ihre eigene Verletzungsgefahr minimiert wird.
Mein Schlusssatz hierzu:
Lasst auch eure Hunde spielerisch das Leben lernen.“ (opm)





