In der Süchtelner Fußgängerzone hat das Projekt „Essbare Stadt“ nach seiner Pause wieder begonnen. Acht große Pflanzkübel wurden am vergangenen Mittwoch trotz Nieselregens neu bestückt und an ihren Standorten verteilt. Damit ist die Innenstadt erneut um ein Stück öffentliches Grün reicher, das im Lauf der kommenden Monate nicht nur wachsen, sondern auch geerntet werden soll.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Schon seit 2022 prägt die Aktion das Bild der Süchtelner Mitte. Nach der Unterbrechung im Vorjahr, die durch die Bauarbeiten in der Innenstadt notwendig geworden war, knüpft die Neuauflage nun an die bisherigen Jahre an. Verantwortlich ist erneut die Königsburg 2.0 e. V., die das Projekt damit in die vierte Runde geführt hat. Der Grundgedanke ist geblieben: Mitten im alltäglichen Betrieb einer Fußgängerzone entsteht ein gemeinschaftlich getragenes Stück Stadt, das sichtbar, nutzbar und offen für alle ist.
Am Pflanztag selbst wurde zunächst Erde in die Kübel gefüllt, ehe die Setzlinge ihren Platz erhielten. Das Wetter zeigte sich dabei nicht von seiner freundlichsten Seite, dennoch arbeiteten die Beteiligten konzentriert und zügig. Zwischen Schaufeln, Pflanzerde und jungen Pflanzen entwickelte sich ein Bild, das in seiner Nüchternheit gerade deshalb überzeugte: weniger Aktionsevent als praktische Stadtarbeit, getragen von Ehrenamt, Nachbarschaft und jugendlichem Engagement.

Zu den beteiligten Pflanzen zählen Tomaten, Basilikum, Rosmarin, Knoblauch, Mangold, verschiedene Salate, Minze, Rucola, Petersilie, Salbei und Kapuzinerkresse. Die Auswahl verweist auf den Anspruch des Projekts, nicht bloß dekorative Akzente zu setzen, sondern eine kleine, funktionierende Nutzlandschaft im öffentlichen Raum zu schaffen. Die Kübel sollen im Laufe der Saison gepflegt, gegossen und später auch beerntet werden. Das Prinzip, dass aus gemeinsamer Pflege auch gemeinsamer Nutzen erwächst, gehört seit Beginn zur Idee der „Essbaren Stadt“.
Besonders auffällig war erneut die Beteiligung junger Menschen. Jugendliche aus dem Kinder- und Jugendzentrum Josefshaus Süchteln unterstützten die Aktion tatkräftig und wirkten beim Befüllen, Tragen und Bepflanzen mit. Ihre Anwesenheit ist für die Organisatoren mehr als symbolisch. Sie bringt Bewegung in das Projekt und macht zugleich erfahrbar, dass Stadtgestaltung nicht allein eine Sache von Verwaltung oder Vereinen ist, sondern auch von denen lebt, die vor Ort mit anpacken.
Begleitet wurde der Pflanztag von Marc Friedrichs, Betriebsleiter der Firma J&S Gartengestaltung. Er stand den Teilnehmenden mit fachlichem Rat zur Seite und achtete darauf, dass die Pflanzen unter günstigen Bedingungen eingesetzt wurden. Gerade bei der Erstbepflanzung ist sorgfältiges Vorgehen entscheidend, damit die Setzlinge anwachsen und die Kübel über die Saison hinweg eine stabile Entwicklung nehmen. Das fachliche Wissen ergänzte damit das ehrenamtliche Engagement, ohne dem Projekt seinen offenen, niedrigschwelligen Charakter zu nehmen.
Dass die „Essbare Stadt“ in Süchteln inzwischen einen festen Platz hat, zeigt sich nicht nur an der Wiederaufnahme nach der Pause, sondern auch an der Resonanz in der Innenstadt. Händler und Passanten haben die Kübel in den vergangenen Jahren als Bereicherung wahrgenommen. Die bepflanzten Elemente schaffen Aufmerksamkeit, unterbrechen die vertrauten Wege durch die Fußgängerzone und laden dazu ein, stehen zu bleiben. Für Kinder und Familien entsteht zugleich ein anschaulicher Zugang zu Wachstumsprozessen, der im Alltag selten so unmittelbar erfahrbar ist: Pflanzen entwickeln sich, brauchen Pflege und tragen Früchte, wenn sie verlässlich betreut werden.
Die Bedeutung der Gießpatenschaften ist deshalb nicht gering. Ohne Menschen, die sich über Wochen hinweg regelmäßig um Wasser, Kontrolle und Pflege kümmern, lässt sich ein solches Vorhaben kaum dauerhaft aufrechterhalten. Die Königsburg sucht auch weiterhin Unterstützung für die laufende Betreuung der Kübel. Wer mithelfen möchte, kann sich am Projekt beteiligen und auf diese Weise dafür sorgen, dass das Grün in der Fußgängerzone nicht nur für einen kurzen Moment wirkt, sondern über den Sommer hinweg Bestand hat. Interessierte können sich unkompliziert per E-Mail an kulturteam@koenigsburg.org melden. (sk)





