ClayTec im Rahmen des renommierten Bundespreises „Umwelt & Bauen“ ausgezeichnet

Für die Entwicklung eines Lehm-Dünnbettmörtels für zirkuläres Mauerwerk ist die ClayTec GmbH & Co. KG im Rahmen des Bundespreises „Umwelt & Bauen“ ausgezeichnet worden.

Viersen – Das Unternehmen erhielt die Ehrung in der Sonderkategorie „Bauprodukte, bautechnische und digitale Innovationen“. Die Auszeichnung wurde am 6. Mai 2026 in Berlin vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt verliehen.

Der Lehm-Dünnbettmörtel ermöglicht es erstmals, Mauerwerk zerstörungsfrei zurückzubauen. Während konventionelle Mörtel auf Zementbasis Steine dauerhaft miteinander verkleben, lässt sich die Verbindung hier nach Ende der Gebäudenutzungszeit wieder lösen und der Mörtel rückstandslos entfernen. So bleiben die energieintensiv hergestellten Steine vollständig erhalten und können sortenrein zurückgebaut und erneut eingesetzt werden.
Des Weiteren erlaubt der Lehm-Dünnbettmörtel das effiziente Mauern mit ungebrannten und wiederverwertbaren Lehmplanblöcken im Dünnbettverfahren, wodurch etwa 30 % der Arbeitszeit im Vergleich zum bislang üblichen Lehmsteinmauerwerk im Dickbettverfahren eingespart werden können.

„Angesichts von allein 10 Millionen Tonnen Ziegel und Ziegelgemisch, die jedes Jahr an Abfall anfallen und unter erheblichem Ressourcenaufwand hergestellt wurden, ist klar, dass wir so nicht weiterbauen können“, sagt Maximilian Breidenbach, Leitung Produktion und Geschäftsentwicklung bei ClayTec und verantwortlich für die Entwicklung des Lehm-Dünnbettmörtels. „Mit dem Lehm-Dünnbettmörtel schaffen wir die Voraussetzungen dafür, leistungsstarke Plansteine im Materialkreislauf zu halten. Wir freuen uns sehr, dass die Jury
des Bundespreis Umwelt & Bauen diese Innovation würdigt und mit ihrer Auszeichnung dem Thema zirkuläres Bauen mehr Sichtbarkeit schenkt.“

„Wir müssen Bauweisen so weiterentwickeln, dass Materialien nach ihrer Nutzung nicht zu Abfall werden“, sagt Peter Breidenbach, Unternehmensgründer und Geschäftsführer von ClayTec. „Lehm bietet dafür konstruktive Vorteile, die sich zunehmend auch im industriellen Maßstab nutzen lassen.“

Seit Markteinführung des Produkts im Jahr 2024 lassen sich nichttragende Trennwände aus Plansteinen jeglicher Art (zum Beispiel Kalksandstein, Ziegel oder Porenbeton) errichten. Seit 2025 gibt es eine Allgemeine Bauartgenehmigung des DIBt für tragendes Lehmsteinmauerwerk bis einschließlich Gebäudeklasse 5 (Z-17.6-1306) aus Lehmziegeln des Ziegel- und Lehmsteinherstellers GIMA und ClayTec Lehm-Dünnbettmörtel. Seit 2026 besteht eine Allgemeine Bauartgenehmigung des DIBt für tragendes Ziegelmauerwerk mit ClayTec Lehm-Dünnbettmörtel bis einschließlich Gebäudeklasse 4 (Z-17.11-1327).

Der Lehm-Dünnbettmörtel besteht aus Baulehm, anderen mineralischen Primärrohstoffen und Pflanzenfasern. Im Herstellungsprozess benötigt der Lehm-Dünnbettmörtel einen Bruchteil der Herstellungsenergie von zementhaltigen Mörteln. Dabei lässt sich das Produkt verarbeiten wie jeder konventionelle Dünnbettmörtel: Die Trockenmasse wird mit Wasser angerührt und dann mit üblichen Dünnbett-Mörtelschlitten, -Mörtelrollen oder Auftragswalzen in einer Stärke von 2 Millimetern aufgetragen. Die Fugen härten allein durch Trocknung aus.

Lehm ist ein natürliches Gemisch aus bindekräftigen Tonmineralien, Schluff, Sand und weiteren mineralischen Gesteinskörnungen. Der Rohstoff ist weltweit verfügbar und fällt häufig als sogenannter Sekundärgrubenlehm (Bodenabfall) bei der Kiesgewinnung oder anderen Erdarbeiten an.
Der industrielle Lehmbau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Seit über vierzig Jahren arbeitet ClayTec an skalierbaren Herstellungsverfahren für standardisierte Lehmbauprodukte, darunter Lehmputze, Anstriche, Lehmsteine, Mauermörtel sowie Trockenbausysteme. Das Unternehmen ist zudem an der Entwicklung von Regelwerken und Normen im Lehmbau beteiligt.

Lehmbauprodukte werden heute sowohl in der Denkmalpflege, etwa bei der Fachwerkrestaurierung, als auch im Altbau, in der energetischen Bestandssanierung und im Neubau eingesetzt. Die Bandbreite reicht von kleineren Sanierungsmaßnahmen bis hin zu größeren Bauvorhaben wie Bildungsbauten oder Bürogebäuden (z. B. HORTUS in Basel).

Lehm gewinnt im Bauwesen aktuell an Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund von Ressourcen- und Energiefragen. Als Baustoff härtet Lehm allein durch Trocknung aus und kommt ohne energieintensiven Brennprozess aus. Je nach Produktkategorie lassen sich dadurch bis zu 96 % der CO₂-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Bauprodukten einsparen.
Zudem ist Lehm wasserlöslich und kann mehrfach wiederverwendet oder – aufgrund seiner natürlichen Zusammensetzung – in die Natur zurückgegeben werden.

Lehm weist sowohl baubiologische als auch bauphysikalische positive Eigenschaften auf: Das Material ist geruchsneutral, gibt keine Schadstoffe wie VOC oder Formaldehyd ab und reguliert durch Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf die Luftfeuchtigkeit. Dabei kann es die höchste Wasserdampfadsorptionsklasse WS III erreichen. Aufgrund seiner Masse trägt Lehm außerdem zur Schalldämmung und zur Wärmespeicherung bei, was sich unter anderem auf das sommerliche Raumklima auswirken kann.
Lehmbauprodukte können sowohl manuell als auch maschinell verarbeitet werden. In der Praxis werden insbesondere die vergleichsweise einfache Reinigung der Geräte sowie die Verarbeitungseigenschaften hervorgehoben.

Der Bundespreis Umwelt & Bauen wird vom Bundesumweltministerium sowie dem Umweltbundesamt vergeben und zählt zu den wichtigsten staatlichen Auszeichnungen für nachhaltiges Planen und Bauen in Deutschland. Ziel ist es, wegweisende Lösungen sichtbar zu machen, die Klimaschutz, Ressourcenschonung und Baukultur im Bestand zusammenführen. Der Sonderpreis würdigt insbesondere Bauprodukte und Innovationen, die den ökologischen Fußabdruck der Bauwirtschaft signifikant reduzieren. (opm)

Foto: BMUKN/Sascha Hilgers