Auf einer Industriebrache am Rand von Dülken-Mackenstein wächst ein Bauwerk, das mehr sein soll als eine weitere Lagerhalle am Niederrhein. Wo früher Ziegel und Tonwaren produziert wurden, markiert nun ein Richtkranz über einer imposanten Stahl- und Holzkonstruktion den Fortschritt eines Projekts, das Wirtschaftsförderer, Bauunternehmen und Projektentwickler gleichermaßen als Signal für die Zukunft der Region verstehen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath
Viersen-Dülken – Rund fünf Monate nach dem ersten Spatenstich hat der Kölner Projektentwickler Aconlog am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit etwa 80 geladenen Gästen Richtfest gefeiert.

Der Neubau entsteht auf einem rund 30.600 Quadratmeter großen Brownfield-Areal am Industriering 21 in Dülken. Für Aconlog ist das Projekt Teil einer klar formulierten Strategie: ehemalige Industrieflächen in Nordrhein-Westfalen zu revitalisieren und daraus moderne, nachhaltige Logistikimmobilien zu entwickeln. Mehr als 20 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Standort; ein Betrag, der nicht nur in Beton, Stahl und Holz fließt, sondern auch in Energieeffizienz, Infrastruktur und die Zukunftsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts.
Dass ein solches Projekt im Stadtgebiet Viersen entsteht, überrascht kaum. Die Stadt liegt im Zentrum eines engmaschigen Autobahnnetzes, das zu den wichtigsten Logistikachsen Westdeutschlands gehört. Über die A 61, A 52 und A 44 sind sowohl das Ruhrgebiet als auch die Niederlande und Belgien schnell erreichbar. Der größte Binnenhafen Europas in Duisburg liegt ebenfalls in logistisch günstiger Entfernung und kann über die A 40 beziehungsweise A 42 erreicht werden. Für Unternehmen, die Warenströme in alle Richtungen Europas koordinieren, ist diese Lage ein gewichtiger Standortfaktor.
Auch deshalb laufen bereits intensive Gespräche mit möglichen Mietern. Nach Angaben des Projektentwicklers interessieren sich sowohl regionale als auch überregionale Unternehmen für die künftigen Flächen. Projektleiter André Büth-Stracke berichtet von einer stabilen Nachfrage und fortgeschrittenen Vertragsverhandlungen. Zwar stehen die endgültigen Nutzer noch nicht fest, doch rechnet das Unternehmen damit, spätestens im Sommer 2026 Namen nennen zu können – rechtzeitig vor der geplanten Fertigstellung.

Die Immobilie selbst ist auf Effizienz und Flexibilität ausgelegt. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll sie über rund 16.500 Quadratmeter Hallenfläche verfügen. Diese verteilen sich auf zwei Hallenschiffe mit etwa 7.100 und 9.400 Quadratmetern. Hinzu kommen rund 820 Quadratmeter Lagerfläche auf einer Mezzanine-Ebene, also einer Zwischenebene innerhalb der Halle, die zusätzliche Kapazitäten schafft. Im Erdgeschoss entstehen etwa 500 Quadratmeter Büro- und Sozialräume für Verwaltung und Mitarbeiter, während auf der Zwischenebene weitere 440 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen sind.
Die baulichen Eckdaten zeigen, dass die Anlage für moderne Logistikprozesse konzipiert ist. Die Hallenhöhe beträgt 12,20 Meter – ein Maß, das eine hohe Lagerdichte ermöglicht und damit den wirtschaftlichen Betrieb großer Logistikflächen unterstützt. Die abgesenkte Bodenplatte ist auf eine Traglast von 7,5 Tonnen pro Quadratmeter ausgelegt, sodass auch schwere Güter oder automatisierte Lagersysteme eingesetzt werden können. Auf dem Außengelände entstehen zudem 60 Pkw-Stellplätze, ergänzt durch Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Damit reagiert der Bauherr auf den wachsenden Anteil elektrisch betriebener Firmenfahrzeuge und Dienstwagen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das Energiekonzept. Der Neubau soll vollständig ohne fossile Brennstoffe beheizt werden. Stattdessen kommen moderne Luft-Luft-Wärmepumpen zum Einsatz, die Energie effizient nutzen und den CO₂-Ausstoß deutlich reduzieren. Ergänzt wird dieses System durch eine groß dimensionierte Photovoltaikanlage auf dem Hallendach. Auf der rund 16.500 Quadratmeter großen Dachfläche wird eine Anlage mit einer Leistung von knapp 1.700 Kilowattpeak installiert. Nach Angaben des Projektentwicklers kann sie jährlich etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen; genug, um große Teile des Energiebedarfs des Gebäudes zu decken.

Die Anlage soll unmittelbar nach Fertigstellung ans Netz gehen. Damit wird das Gebäude vom ersten Tag an einen relevanten Beitrag zur lokalen Stromerzeugung leisten. Der Anspruch an Nachhaltigkeit zeigt sich auch im angestrebten Zertifizierungsstandard: Aconlog plant eine DGNB-Gold-Zertifizierung für das Gebäude, ein Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, das ökologische, ökonomische und funktionale Kriterien berücksichtigt.
Während des Richtfestes würdigte Aconlog-Geschäftsführer Oliver Blüher den Baufortschritt und die Arbeit der beteiligten Unternehmen. Das Richtfest, so Blüher, sei ein traditioneller Moment des Dankes an alle, die am Bau beteiligt sind. Mit dem Richtspruch werde der erreichte Meilenstein gefeiert und zugleich die Leistung der Handwerker gewürdigt – ihre handwerkliche Qualität, ihre Verlässlichkeit und ihr Beitrag zum Gelingen des Projekts.
Auch die Stadt Viersen verfolgt das Bauvorhaben mit Interesse. Bürgermeister Christoph Hopp nutzte seine Ansprache beim Richtfest, um die Bedeutung der Investition hervorzuheben. Das Projekt, sagte er, sei mehr als nur der Bau einer Halle. Es stelle eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der städtischen Gewerbeflächen dar und sende ein Signal für wirtschaftliche Dynamik. Für gesamt Viersen, so Hopp, sei es ein Zeichen, dass die Stadt wachsen wolle und wachsen könne: wirtschaftlich wie infrastrukturell.
Der Bau selbst ist ein logistisches Projekt im Kleinen. Rund 20 Fachfirmen aus unterschiedlichen Gewerken arbeiten an der Umsetzung. In Spitzenzeiten sind mehr als 60 Personen gleichzeitig auf der Baustelle beschäftigt; Mitarbeiter des Generalunternehmens LIST Bau aus Bielefeld, deren Nachunternehmen sowie verschiedene Sachverständige. Die Arbeiten verlaufen nach Angaben des Bauherrn planmäßig und zügig.
Die Dimension des Rohbaus lässt sich auch an den verbauten Materialien ablesen. Für die Konstruktion wurden in mehr als 220 Transportfahrten knapp 400 Betonfertigteile mit einem Gesamtgewicht von rund 3.850 Tonnen nach Dülken geliefert. Spezialfahrzeuge transportierten die massiven Bauteile zur Baustelle, wo sie mit Präzision montiert wurden. Beim Dach- und Fassadenbau kamen außerdem rund 600 Holzelemente zum Einsatz, verbunden mit über 20.000 Schrauben und Verbindungsmitteln. Hinzu kommen mehr als 630 Fassadenelemente, die das Gebäude künftig nach außen abschließen.

Auch im Innenbereich schreiten die Arbeiten voran. Für den Innenausbau wurden bislang über 2.000 Quadratmeter Trockenbauplatten verbaut, während rund acht Kilometer Elektrokabel die technische Infrastruktur des Gebäudes bilden. Solche Zahlen vermitteln einen Eindruck davon, welche logistischen und handwerklichen Leistungen hinter dem Bau moderner Gewerbeimmobilien stehen.
Das beauftragte Generalunternehmen LIST Bau sieht in dem Projekt ein Beispiel für nachhaltige Flächenentwicklung. Geschäftsführer Stefan Langer betont, dass die Revitalisierung ehemaliger Industrieflächen ein wichtiger Bestandteil moderner Stadt- und Wirtschaftsentwicklung sei. Gerade Brownfield-Projekte erforderten Erfahrung und technische Kompetenz, da bestehende Flächen neu gedacht und an aktuelle ökologische Standards angepasst werden müssten.
In Dülken kommt dabei auch eine besondere Bauweise zum Einsatz: Das Dachtragwerk der Halle entsteht in Holzbauweise. Diese Konstruktion reduziert nicht nur den CO₂-Fußabdruck des Gebäudes, sondern verbindet hohe Stabilität mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz. Ergänzend wurden beim Bau Recyclingmaterialien verwendet – ein weiterer Baustein im Nachhaltigkeitskonzept der Immobilie.
Für Aconlog ist das Projekt in Dülken Teil einer jungen, aber schnell wachsenden Unternehmensgeschichte. Die Aconlog Projektentwicklung GmbH wurde im Jahr 2020 gegründet und hat sich auf die Revitalisierung von Industrie- und Logistikimmobilien spezialisiert. Innerhalb von nur fünf Jahren konnte das Unternehmen neun Projekte vollständig abschließen, während ein weiteres derzeit realisiert wird. Mit Sitz in Köln hat sich Aconlog damit zu einem regional aktiven Entwickler im Bereich moderner Logistik- und Industrieflächen entwickelt. Parallel dazu engagiert sich das Unternehmen auch im Bereich nachhaltiger Energie. Im September 2025 gründete Aconlog gemeinsam mit der Greenopeak GmbH das Joint Venture Greenolog. Ziel dieser Kooperation ist die Planung und Umsetzung großer Photovoltaik-Dachanlagen auf Industrie- und Logistikgebäuden. Solche Anlagen sollen künftig einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung moderner Gewerbeimmobilien leisten.
Bereits realisierte Projekte zeigen die Dimension dieser Strategie. In Kerpen entstand eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 800 Kilowattpeak, die jährlich etwa 750.000 Kilowattstunden Strom produziert. In Dülken wiederum wird eine Anlage mit rund 1.500 Kilowattpeak Leistung erwartet, die jährlich etwa 1,3 Millionen Kilowattstunden erzeugen kann. Die Anlage auf dem neuen Logistikzentrum in Dülken-Mackenstein fügt sich somit in ein wachsendes Netzwerk nachhaltiger Energieprojekte ein.
Bis zur Fertigstellung im dritten Quartal 2026 bleibt auf der Baustelle noch viel zu tun. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten folgen Fassaden- und Dacharbeiten, anschließend der Innenausbau sowie die Installation der technischen Systeme. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass auf der ehemaligen Industriebrache eine Immobilie entsteht, die weit über ihre Funktion als Lager- und Logistikhalle hinausweist. Denn Projekte wie dieses spiegeln einen strukturellen Wandel wider: Logistikimmobilien sind längst nicht mehr nur Zweckbauten am Stadtrand. Sie werden zu energieeffizienten, technologisch anspruchsvollen Gebäuden, die Teil einer nachhaltigen Infrastruktur sind, und zugleich eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung ganzer Regionen spielen.
Wenn in etwas mehr als einem Jahr die ersten Unternehmen ihre Waren in der neuen Halle lagern und verteilen, wird sich zeigen, wie sehr Standort, Architektur und Energiekonzept zusammenwirken. Schon jetzt aber ist klar: Das Richtfest am Industriering markiert nicht nur einen Baufortschritt, sondern auch einen weiteren Schritt in der Transformation industrieller Flächen am Niederrhein. (nb)




