Zwischen Stolpersteinen und Regenbogentanz – Gelebte Vielfalt an der GGS Rahser

Die Gemeinschaftsgrundschule Rahser in Viersen nutzte ihr Schulfest am vergangenen Donnerstag, um Lernen, Kreativität und gesellschaftliches Bewusstsein miteinander zu verbinden. Es war der Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die besonders in den Mittelpunkt gestellt wurden. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Viersen-Rahser – Noch am Vormittag lag eine dichte, beinahe gespannte Atmosphäre über dem Schulgelände an der Regentenstraße. In den Klassenräumen wurde diskutiert, gestaltet, nachgedacht – über Vielfalt, Zusammenhalt und den respektvollen Umgang miteinander. Die vergangenen Tage hatten Spuren hinterlassen: Erinnerung an Vergangenes, Auseinandersetzung in der Gegenwart und ein Blick auf das, was daraus erwachsen kann, waren eng miteinander verwoben. Getragen wurde all dies von einem Leitgedanken, der sich durch die gesamte Arbeit zog: „Alle anders – alle gleich wertvoll: Vielfalt macht stark!“

Als sich die Türen am Donnerstag für Eltern, Großeltern und Freunde schließlich öffneten, war die Intensität dieser Tage noch deutlich spürbar. Das Schulfest wirkte nicht wie ein neuer Beginn, sondern wie eine Fortsetzung; ein Moment, in dem sich das zuvor Erarbeitete nach außen kehrte. Schon seit den frühen Stunden hatten Eltern, Lehrkräfte und Kinder gemeinsam angepackt, aufgebaut und vorbereitet. Mit jedem Handgriff wuchs nicht nur die Kulisse, sondern auch die Vorfreude.

Den ersten Akzent setzte schließlich der Kinderchor. Mit sichtbarer Konzentration und spürbarer Freude füllten die Stimmen den Raum trotz Sturm und Regen, begleitet von einem Regenbogentanz, der Bewegung und Bedeutung miteinander verband. In diesen Minuten verdichtete sich vieles, was die Tage zuvor geprägt hatte: Farbe, Gemeinschaft und der Anspruch, Unterschiede nicht nur zu benennen, sondern als Stärke sichtbar zu machen. Als Besucher ließ man sich gerne mitnehmen in unsere fantastische vielfältige und bunte Welt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Die Klassenräume wurden zu offenen Werkstätten. Überall präsentierten die Kinder ihre Projekte, die sie in den Tagen zuvor mit viel Engagement erarbeitet hatten. Besucherinnen und Besucher bewegten sich zwischen den Räumen, ließen sich von den jungen Gastgebern erklären, was sie gestaltet hatten, und wurden selbst aktiv eingebunden. Bastelangebote, Rätselaufgaben zu Bauwerken und kreative Mitmachstationen sorgten dafür, dass die Grenzen zwischen Ausstellung und Beteiligung verschwammen. Der Ansatz war klar: Nicht nur zuschauen, sondern selbst Teil des Geschehens werden.

Ein besonderer Fokus lag auf der Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Themen. Im Rahmen eines Projekts zu den sogenannten Stolpersteinen beschäftigten sich die Kinder mit dem Künstler Gunter Demnig und der Erinnerung an jüdische Kinder in Viersen. Unterstützung erhielten sie dabei von Beatrix Wolters vom Verein für Erinnerungskultur. Die Patenschaft der Schule für einen Stolperstein, die bereits seit 2020 besteht, wurde an diesem Tag mit besonderer Sorgfalt gewürdigt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Parallel dazu entwickelte sich in den Klassen ein lebendiges, vielschichtiges Arbeiten am Thema Vielfalt, das weit über klassische Unterrichtsformen hinausging. Ausgehend von Bilderbüchern wie „Elmar“, „Als die Raben noch bunt waren“, „Zimmer frei im Haus der Tiere“ oder „Alle anders – das sind wir“ kamen die Kinder schnell ins Gespräch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Die Geschichten öffneten den Raum für Fragen, die über das Offensichtliche hinausgingen: Was macht jeden Einzelnen aus? Und wie sähe eine Welt aus, in der alle gleich wären?

Aus diesen Überlegungen heraus entstanden in den vergangenen Tagen zahlreiche kreative Arbeiten. In den Klassen wurden „Stärkesonnen“ gestaltet, farbenreiche Gemeinschaftspuzzle zusammengesetzt und abstrakte Porträts entworfen, in denen sich Gefühle, Gedanken und individuelle Eigenschaften in Farb- und Formgebung widerspiegelten. Schritt für Schritt wurden so aus Gedanken Bilder; und aus Bildern sichtbare Zeichen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt.

Besonders eindrucksvoll war eine „lebendige Weltkarte“, die die kulturelle Vielfalt der Schulgemeinschaft sichtbar machte. Kinder aus unterschiedlichen Herkunftsländern brachten ihre Perspektiven ein und machten ihre familiären Wurzeln sichtbar. Diese Vielfalt spiegelte sich auch im kulinarischen Angebot wider: Ein umfangreiches Buffet präsentierte Speisen aus verschiedenen Ländern, die von den Familien der Schülerinnen und Schüler gemeinsam zubereitet worden waren. Ein weiterer Bestandteil des Tages war die besondere Rolle der Bibliothek, in der Geschichten in unterschiedlichen Sprachen vorgelesen wurden. Diese Lesungen erweiterten nicht nur den sprachlichen Horizont, sondern unterstrichen auch den Anspruch der Schule, Mehrsprachigkeit als Stärke zu begreifen. Für die Kinder bot sich so die Möglichkeit, Literatur aus verschiedenen kulturellen Kontexten zu erleben und gleichzeitig ihre eigenen sprachlichen Fähigkeiten einzubringen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Ein spielerisches, zugleich verbindendes Element bildete eine Laufkarte, die jedes Kind erhielt. Mit dieser konnten die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Stationen des Schulfestes erkunden. Für jede absolvierte Mitmachaktion erhielten sie eine Holzkugel, die am Ende zu einem individuellen Holzarmband zusammengesetzt wurde. Die Gemeinschaftsgrundschule Rahser machte mit ihrem Schulfest deutlich, wie sich pädagogische Inhalte, Erinnerungskultur und gelebte Gemeinschaft miteinander verbinden lassen; und wie Schule zu einem Ort werden kann, an dem gesellschaftliche Werte nicht nur vermittelt, sondern aktiv gestaltet werden.

Neben den inhaltlichen Schwerpunkten spielte jedoch auch die demokratische Mitbestimmung eine zentrale Rolle. Während des Festes hatten alle Beteiligten die Möglichkeit, über einen neuen Namen für die Schule abzustimmen. Zur Auswahl stehen mehrere Vorschläge, darunter Lindenschule, Sonnenschule, Schule am Nordkanal und Brückenschule. Welcher Name künftig offiziell geführt wird, soll zum Beginn des neuen Schuljahres mit der Einschulung bekannt gegeben werden. Es wird also spannend mit welchem neuen Namen die GGS Rahser in Zukunft die Viersener Schullandschaft bereichern wird. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz