Düsseldorf feierte ein Wiedersehen mit der „Queen of Metal“

Ein Abend zwischen Nostalgie, elektrisierender Bühnenenergie und tiefer Verbundenheit: Am vergangenen Samstag verwandelte sich das Haus der Jugend an der Lacombletstraße in einen pulsierenden Treffpunkt für Metal-Fans aus ganz NRW.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Düsseldorf – Das Fantreffen mit Doro Pesch, organisiert anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Jungen Aktionsbühne (JAB), war restlos ausverkauft – ein deutliches Zeichen dafür, welche Bedeutung die gebürtige Düsseldorferin noch immer für ihre Anhängerschaft hat.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Schließlich war der Auftritt für Doro zugleich eine Rückkehr zu ihren Anfängen. Genau hier, im Haus der Jugend, wurde sie 1982 beim Musik-Nachwuchswettbewerb entdeckt – ein Moment, der den Grundstein für eine internationale Karriere legte, die sie als Sängerin von Warlock sowie später als Solokünstlerin zur Ikone des Heavy Metal machen sollte. Nun stand sie erneut an jenem Ort auf der Bühne, an dem alles begann, begleitet von langjährigen Weggefährten ihres aktuellen Line-ups: Johnny Dee am Schlagzeug, Bas Maas und Zibby Krebs an den Gitarren. Als besonderer Gast schloss sich Andy Brings an, der frühere Sodom-Gitarrist, Produzent und Filmemacher, der Doros Auftritte seit Jahren immer wieder bereichert.

Das Publikum erlebte die Sängerin gewohnt nahbar. Zwischen Autogrammen, Fotos, Anekdoten aus vier Jahrzehnten Rockgeschichte und einer spontanen Akustik-Session spürte man deutlich, wie tief sie die Verbindung zu ihren Fans nimmt. „Für mich seid ihr Familie“, betont sie seit Jahrzehnten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Inge Kroese

Musikalisch begann das Programm mit einem besonderen Highlight aus der Stadt selbst: Die Düsseldorfer Band Roter Kreis eröffnete den Abend und setzte mit ihrem Mix aus Rock, Punk und Rap sofort atmosphärische Akzente. Die Formation, 2017 im Rahmen des „Meets & Beats“-Projekts der Jungen Arbeit und Bildung entstanden, ist längst mehr als ein Projektband-Experiment und hat sich zu einer lokalen Kultgröße entwickelt. Ihre Mitglieder bringen geballte Erfahrung mit: Schlagzeuger Vom Ritchie (Die Toten Hosen), Gitarrist Thomas Schneider (Fehlfarben), Bassist Ufo Walter und Frontmann JayJay, der vielen zudem als DJ von Fortuna Düsseldorf bekannt ist. Ihre energiegeladene Darbietung zeigte eindrucksvoll, wie sehr sie sich als feste Größe in der Düsseldorfer Musikszene etabliert haben und wie gut sie das Publikum auf eine Metal-Legende einstimmen können.

Foto: Rheinischer Spiegel/Inge Kroese

Für Moderation sorgte an diesem Abend Tobias Wienke, der das Programm mit Humor, Wissen über die Stadtgeschichte und einem feinen Gespür für die besondere Stimmung des Jubiläums leitete. Immer wieder stellte er die historische Verbindung zwischen den Künstlern, der JAB und Düsseldorf heraus – ein roter Faden, der das gesamte Fantreffen prägte.

Doro selbst blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück, die weltweit Anerkennung fand. Nach frühen Jahren in Bands wie Snakebite und Attack gründete sie 1983 Warlock, mit denen sie Bühnen wie das Monsters-of-Rock-Festival eroberte. In den späten 1980er Jahren verlegte sie Teile ihrer Arbeit nach New York, veröffentlichte bedeutende Soloalben, arbeitete mit Gene Simmons, Lemmy Kilmister, Dann Huff und zahlreichen anderen Größen der Hardrock- und Metal-Szene. Wiederholt stand sie mit internationalen Stars wie Klaus Meine, Uli Jon Roth oder Biff Byford auf der Bühne. Es folgten Auftritte bei Großereignissen wie dem Wacken Open Air, Engagements bei Benefizprojekten, TV-Auftritten, Filmarbeiten und besondere Kooperationen – darunter ihr bekannter Song „Backstage to Heaven“ mit Helge Schneider. 2024 wurde sie anlässlich ihres 40-jährigen Bühnenjubiläums in das Goldene Buch der Stadt Düsseldorf eingetragen, begleitet von einer akustischen Darbietung ihres Warlock-Klassikers „All We Are“.

Dass die „Queen of Metal“ ein Herz für ihre Heimatstadt hat, zeigte sich am Fantreffen deutlich. Inmitten von Fans, jungen Nachwuchsmusikern und Weggefährten wirkte der Abend wie ein generationsübergreifendes Familientreffen – geprägt von der Geschichte einer Frau, die sich trotz weltweiter Erfolge immer als Düsseldorferin verstanden hat. Die Jubiläumsveranstaltung der JAB wurde so nicht nur zu einem Konzertmoment, sondern zu einer Verbeugung vor 40 Jahren Musikgeschichte und Engagement junger Kulturarbeit in der Stadt. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums