Ein offenes Ohr für junge Menschen: Hilfe per Telefon bietet die Nummer gegen Kummer

Ab September öffnet sich in Viersen wieder die Türe für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen möchten: Dann startet eine neue Ausbildung für Telefonberaterinnen und Telefonberater der „Nummer gegen Kummer“. Das Angebot richtet sich an alle, die bereit sind zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und Kinder sowie Jugendliche bei Sorgen, Ängsten und Problemen professionell zu unterstützen.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen – Wenn Sorgen zu groß werden und niemand im direkten Umfeld zuhören kann oder soll, greifen viele Kinder und Jugendliche zum Telefon. In Viersen ist dafür seit Jahren ein Angebot etabliert, das still, zuverlässig und ohne Hürden hilft: die „Nummer gegen Kummer“. Ob Streit in der Familie, Ärger mit Freunden, Mobbing, Liebeskummer oder ernsthafte Probleme wie Sucht, Essstörungen oder Missbrauch – junge Menschen finden hier Unterstützung.

Allein am Viersener Standort gehen jedes Jahr tausende Anrufe ein. Organisiert wird das Kinder- und Jugendtelefon vom Ortsverband Viersen des Deutschen Kinderschutzbundes. Für viele Anrufende ist es die erste Stelle, an die sie sich wenden, wenn sie nicht weiterwissen. Die Gespräche sind kostenfrei, vertraulich und anonym – ein entscheidender Faktor, der die Hemmschwelle deutlich senkt.

„Gerade die Anonymität macht es Kindern und Jugendlichen leichter, über sehr persönliche Themen zu sprechen“, erklärt Birgitta Föhr, die das Angebot in Viersen seit vielen Jahren koordiniert. Am anderen Ende der Leitung sitzen geschulte Ehrenamtliche, die ebenfalls anonym bleiben und der Schweigepflicht unterliegen. Sie hören zu, geben Orientierung und helfen dabei, nächste Schritte zu überlegen.

Damit diese anspruchsvolle Aufgabe gut bewältigt werden kann, startet im September erneut eine Ausbildung für neue Telefonberaterinnen und -berater. Gesucht werden Erwachsene ab 18 Jahren, die sich ehrenamtlich engagieren möchten und die persönliche Eignung für diese sensible Tätigkeit mitbringen. „Die Gespräche können emotional sehr fordernd sein“, betont Föhr. Umso wichtiger sei eine fundierte Vorbereitung.

Die Ausbildung umfasst rund 60 Stunden und setzt sich aus wöchentlichen Terminen, einem Einstiegs- und einem Abschlusswochenende sowie Hospitationen zusammen. Ergänzt wird sie durch regelmäßige Supervisionen. Nach erfolgreichem Abschluss verpflichten sich die Teilnehmenden für zwei Jahre zu Telefondiensten – in der Regel zweimal im Monat für jeweils zweieinhalb Stunden. Aktuell besteht das Viersener Team aus rund 40 Ehrenamtlichen unterschiedlichen Alters.

Bundesweit verzeichnet die „Nummer gegen Kummer“ täglich mehr als 1.600 Anfragen von Kindern, Jugendlichen und auch Eltern – telefonisch oder online. Das Kinder- und Jugendtelefon ist unter der Nummer 116 111 montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar, anonym und kostenlos vom Festnetz und vom Handy aus. Weitere Informationen gibt es unter www.nummergegenkummer.de. Anmelden können sich Interessierte direkt bei mir über e-Mail (birgitta.foehr@gmail.com) oder Handy (0170/5170117) sowie beim Kinderschutzbund (info@kinderschutzbund-viersen.de) oder (02162/21798). (ea)

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