Pünktlichkeit ist im Schützenwesen mehr als eine Tugend, sie ist Ausdruck von Ordnung und Verlässlichkeit. So eröffnete der Vorsitzende des Schützenvereins Klein-Jerusalem am 31. Januar 2026 exakt um 20.00 Uhr die Generalversammlung – und setzte damit den formalen Auftakt zu einem Abend, der weit mehr war als eine reine Pflichtveranstaltung. In der Versammlung spiegelte sich ein ganzes Vereinsjahr: mit Erfolgen und Selbstkritik, mit festlicher Rückschau und entschlossenem Blick nach vorn.
Willich – Der Vorsitzende begrüßte zunächst das noch amtierende Königshaus des Jahres 2025 um König Ralf Brähler und Königin Karin Brähler, flankiert von Ministern und Königsgruppen. Ebenso herzlich fiel der Empfang für das Jungschützenkönigshaus mit Königin Lara Koenen aus, dessen Engagement im vergangenen Jahr mehrfach lobend hervorgehoben wurde. Einen besonderen Akzent setzte die Begrüßung des neuen Königshauses 2026: Mit Königin Johanna Peter, den beiden Ministerinnen Karin Brähler und Manuela Gietmanns sowie der Königsoffizierin Roswitha Holter nimmt erstmals in der Vereinsgeschichte ein rein weibliches Königshaus die repräsentativen Aufgaben wahr. Auch das neue Jungschützenkönigshaus um König Fabian Skorka sowie die Ehrenmitglieder des Vereins wurden mit anhaltendem Applaus willkommen geheißen.
Wie es die Tradition verlangt, folgte zu Beginn eine Gedenkminute für die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder. Der Moment der Stille verlieh der Versammlung jene Ernsthaftigkeit, die verdeutlicht, dass ein Verein nicht nur von Festen, sondern vor allem von den Menschen lebt, die ihn über Generationen getragen haben.
Unter dem Tagesordnungspunkt „Mitgliederangelegenheiten“ konnten vier neue Mitglieder offiziell in den Schützenverein aufgenommen werden. Ein Zeichen dafür, dass der Verein trotz gesellschaftlicher Veränderungen weiterhin Anziehungskraft besitzt und Nachwuchs gewinnt – ein Aspekt, der im weiteren Verlauf des Abends immer wieder positiv hervorgehoben wurde.
Im Mittelpunkt der Versammlung stand der ausführliche Jahresbericht des Vorsitzenden. Darin zeichnete er ein differenziertes Bild des zurückliegenden Schützenjahres 2025. Sein Dank galt ausdrücklich dem Königshaus und dem Jungschützenkönigshaus für ein gemeinsames, engagiertes und harmonisches Jahr, das von vielen ehrenamtlichen Stunden geprägt war.
Traditionell eröffnete das Brezelschießen das neue Schützenjahr. Die Veranstaltung war von der Schießabteilung sorgfältig vorbereitet worden und erfreute sich großer Beteiligung aus den Reihen der Mitglieder. Der Vorsitzende wertete dies als gelungenen Auftakt und als Beleg dafür, dass vereinsinterne Veranstaltungen weiterhin eine starke Bindungswirkung entfalten.
Ein weiterer Höhepunkt war das Schützenbaumsetzen am 1. Mai im Park der Kapelle. Das damalige Königshaus hatte die Organisation übernommen und sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Bei bestem Wetter entwickelte sich der Tag zu einem geselligen Treffpunkt für Mitglieder, Gäste und zahlreiche Besucher aus der Umgebung – ein Bild gelebter Dorfgemeinschaft, wie es zunehmend seltener wird.
Differenzierter fiel die Bilanz des Schützenfestes im Mai aus. Zwar sei das Fest insgesamt gut verlaufen, so der Vorsitzende, doch habe es sowohl an eigener Beteiligung als auch an Besucherzahlen gemangelt. Diese Entwicklung werde im Vorstand intensiv aufgearbeitet. Bereits jetzt stehe fest, dass es für 2026 einen neuen Zeltwirt geben werde. Zudem beginne das Schützenfest künftig bereits am Freitag – ein bewusster Schritt, um neue Akzente zu setzen und breitere Zielgruppen anzusprechen.
Positiv bewertet wurden hingegen die Zeltmusik sowie insbesondere die Straßenmusik, die für Stimmung im Ort sorgte. Bedauert wurde, dass der geplante Besuch in der Seniorenresidenz Lindenhof wetterbedingt ausfallen musste – ein Programmpunkt, der dem Verein traditionell besonders am Herzen liegt. Kritisch äußerte sich der Vorsitzende zur schwachen Resonanz der Veranstaltung am Mittwoch. Hier stelle sich die grundsätzliche Frage, ob dieses Format künftig noch Bestand haben solle.
Der Vatertag hingegen bestätigte erneut seine Bedeutung als Publikumsmagnet. Die hohen Besucherzahlen belegten eindrucksvoll, dass bestimmte Traditionen weiterhin fest im Kalender der Region verankert sind. In der Gesamtschau, so das Fazit des Vorsitzenden, seien es dennoch „tolle Schützenfesttage“ gewesen – mit der klaren Zielsetzung, notwendige Veränderungen entschlossen anzugehen und das Fest wieder nachhaltig zu stärken.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Vogelschussveranstaltung, die in diesem Jahr eine ganz eigene Dynamik entwickelte. Während es zunächst an Anmeldungen für die Königswürde 2026 mangelte, sorgte der Nachwuchs rasch für klare Verhältnisse. Bei der Jugend ließ Fabian Skorka dem hölzernen Vogel keine Chance und wurde neuer Jungschützenkönig. Ihm zur Seite stehen die Minister Ben Auszra und Laurenz Friedrich. Zudem wurde mit Maximilian Oellers ein neuer Schülerkönig ermittelt und feierlich geehrt.
Der Sonntag des Vogelschießens entwickelte sich dann zu einem historischen Moment für den Verein. Nach einem ruhigen Beginn am Morgen – wenige Schüsse, kaum Spannung – änderte sich die Lage schlagartig. Deutlich vernehmbar hallten Schüsse mit schwerem Kaliber durch das Zelt. Vier Frauen hatten sich entschlossen, gemeinsam anzutreten, mit einer klaren Ansage: „Der Vogel bleibt nicht auf der Stange.“ Trotz zäher Gegenwehr des hölzernen Tieres war dessen Schicksal besiegelt. Mit dem 150. Schuss fiel der Vogel – und mit ihm eine Vereinsgeschichte, die fortan neu geschrieben wird. Unter großem Jubel wurde das neue Königshaus vorgestellt: Königin Johanna Peter, erste Ministerin Karin Brähler, zweite Ministerin Manuela Gietmanns und Königsoffizierin Roswitha Holter.
Zum Wachzug für 2026 wurde der Jägerzug „Junge Jäger“ ernannt. Unterstützt wird dieser beim Auf- und Abbau sowie weiteren Arbeiten vom 14. Jägerzug „Junge Kameraden“. Die Vorfreude auf das kommende Schützenfest ist bereits spürbar. Die Krönung des neuen Königshauses ist für den 21. März 2026 um 18.00 Uhr in der Kapelle Klein-Jerusalem festgelegt.
Abseits des Schießsports zeigte der Jahresbericht eindrucksvoll das breite gesellschaftliche Engagement des Vereins. Die Rheinische Kaffeetafel für Senioren wurde erneut sehr gut angenommen und unterstrich die soziale Verantwortung, die der Schützenverein im Ort übernimmt. Bereits zum dritten Mal fand am 8. und 9. November das Lichterfest statt. Unter der Leitung des Organisationsteams um Anna Spicker, Fabian Junkers, Johanna Peter, Heinrich Verhalen und Wolfgang Peter sowie mit Unterstützung von rund siebzig Vereinsmitgliedern wurde die Veranstaltung erneut ein voller Erfolg. Der Dank der Besucher bestätigte, dass sich der hohe Arbeitsaufwand gelohnt hatte.
Den Abschluss des Vereinsjahres bildete die Beteiligung am Weihnachtsmarkt. Neben einem Stand für Heißgetränke bot der Verein erstmals auch einen Weinstand an, der ebenfalls auf große Resonanz stieß. Solche Aktivitäten, so der Tenor des Vorstandes, seien nicht nur Einnahmequellen, sondern vor allem sichtbare Zeichen eines lebendigen Vereinslebens.
Abschließend dankte der Vorstand allen Mitgliedern, die dort angepackt haben, wo Hilfe benötigt wurde – sei es bei Festen, bei organisatorischen Aufgaben oder bei der regelmäßigen Säuberung der Parkanlage an der Kapelle. Diese Arbeit, oft im Stillen geleistet, bilde das Fundament des Vereins.
Die Generalversammlung des Schützenvereins Klein-Jerusalem endete, wie sie begonnen hatte: geordnet, sachlich – und zugleich getragen von dem spürbaren Willen, Tradition nicht nur zu bewahren, sondern sie mutig weiterzuentwickeln. Ein Verein, der sich seiner Geschichte bewusst ist und dennoch bereit bleibt für neue Wege. (sk)





