Boisheim feierte Altweiber mit Gänsehautmomenten

Altweiber in Boisheim fühlte sich gestern an wie ein kleines, goldenes Geheimnis, das alle längst kannten — und doch diesmal ganz neu war.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Bossem – Bislang, so erzählt man sich, gehörte das Ritual des Rathaussturms den Dülkener Gemächern: Boisheim als kleiner, aber stolzer Stadtteil ohne eigenes Bürgermeisteramt hatte seine symbolische Erstürmung zuletzt stets in Dölke vollzogen. Gestern aber, zum ersten Mal in der jüngeren Überlieferung, ging Boisheim neue Wege, auch wenn ein Besuch in Dölke natürlich zum Programm gehörte und die Boisheimer Tollitäten bis hin zur Bühne auf dem Alten Markt begeisterten.

Stattdessen trat Boisheim selbst vor die Tür und nahm den Abend, die Bühne und das Mikrofon — als würde ein Golddorf seine eigene Geschichte aktivieren. Die Entscheidung, den beliebten Dorfabend des DorV-Zentrums zusammen mit der Karnevalsgesellschaft Ki Ka Kai a auf Altweiber vorzuziehen, verwandelte die Wiese neben der Lucia-Kapelle in einen Ort, an dem Tradition nicht nur weitergeführt, sondern neu ausgelotet wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Doch es war keine bloße Vorverlegung eines Dorfabends. Es war eine Demonstration des Frohsinns. Bunte Schals, schillernde Hüte und Perücken in allen Regenbogenfarben bildeten ein wogendes Meer aus Stoff und Lachen. An den Ständen dampften Grillwürste, es klirrten Flaschen mit „Hopfenkaltschorle“ und überall schnappte die Luft nach karnevalistischer Heiterkeit: Kinder rannten mit Pappkronen, ältere Herrschaften klatschten im Takt der Musik, und mitten drin bewegte sich — mit einem Stapfen von Würde und schelmischem Glanz — das Boisheimer Prinzenpaar.

Man spürte eine Mischung aus ehrenamtlichem Stolz und dem Willen, auch künftig frische Wege zu gehen. Nicht zu übersehen war die Symbolik: Boisheim, vom Prädikat „Golddorf“ geziert, präsentierte sich als Template für Selbstbewusstsein. Man nahm die eigenen Traditionen in die Hand, verlegte Termine, passte Rituale an — und feierte die Veränderung. Der Abend war erfüllt von vielen kleinen Extremen: lautes Lachen neben flüsternden Gesprächen, tanzende Teenager neben nostalgischen Paaren, und überall dieses warme Gefühl, Teil von etwas zu sein — nicht nur Zuschauer, sondern Aktive. Man verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern, mit dem Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukehren — vielleicht noch lauter, vielleicht noch bunter, aber ganz sicher wieder gemeinsam. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath