Als am späten Samstagnachmittag die ersten verzerrten Gitarrenriffs durch die Halle drangen, war bereits abzusehen, dass dieser 14. März kein gewöhnlicher Konzerttag werden würde. In der NEW Box verwandelte sich das zweite „Temple of Rock“ binnen Minuten in ein energiegeladenes Klanglabor, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart der Rockmusik eindrucksvoll überlagerten.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Mönchengladbach – Rund 1500 Besucher strömten in die Veranstaltungshalle, um sich auf eine neunstündige Reise durch die großen Epochen der Rock- und Metalgeschichte zu begeben – interpretiert von Tribute-Bands, deren Präzision und Bühnenpräsenz den Originalen verblüffend nahekam.

Bereits ab 15 Uhr setzte ein nahezu pausenloser musikalischer Strom ein. Im Wechselspiel zweier Bühnen sorgte ein straff organisiertes Programm dafür, dass es keine längeren Unterbrechungen gab. Die niederländische „The Tribute Agency“ hatte erneut ein Line-up zusammengestellt, das auf Wiedererkennbarkeit ebenso setzte wie auf dramaturgische Abwechslung. Klassiker von Metallica, AC/DC, Bon Jovi oder Deep Purple wurden ebenso zelebriert wie die druckvollen Sounds von Bands der 1990er- und 2000er-Jahre.
Die Inszenierung folgte dabei einer klaren Choreografie: Während auf der einen Bühne noch die letzten Akkorde verklangen, standen auf der anderen bereits die nächsten Musiker bereit. So entstand ein fließender Übergang, der den Eindruck eines Festivals im kompakten Format vermittelte. Die Halle blieb über Stunden hinweg in Bewegung – mit erhobenen Armen, rhythmischem Nicken und immer wieder aufflackernden Lichtern aus Smartphones und Scheinwerfern.
Auffällig war die Detailtreue, mit der die Bands ihre Vorbilder interpretierten. Die Formation „Meatallica“ etwa überzeugte nicht nur mit präzisen Gitarrenläufen, sondern auch mit einer Bühnenästhetik, die stark an das Original erinnerte. „Bon Scotch“ ließ den unverwechselbaren AC/DC-Sound mit druckvollen Riffs und markanter Stimme aufleben, während „Bad Medicine“ den Pathos und die Stadiontauglichkeit von Bon Jovi inszenierte. Mit „Deep White“ verschmolzen die Klangwelten von Deep Purple und Whitesnake zu einem organischen Gesamtbild.
Im weiteren Verlauf des Abends verschob sich der Fokus zunehmend auf jüngere Rockgenerationen. „Stacked Actors“ brachten die Energie der Foo Fighters auf die Bühne, während „Rage Against The System“ mit politisch aufgeladenem Crossover überzeugten. Spätestens bei „Limp Business“ erreichte die Dynamik einen Höhepunkt: In den vorderen Reihen setzten sich zahlreiche Besucher synchron auf den Boden, nur um Sekunden später gemeinsam aufzuspringen – ein Moment kollektiver Entladung, der die Atmosphäre in der Halle spürbar verdichtete.

„Man vergisst irgendwann komplett, dass das keine Originalbands sind“, sagte ein Besucher aus Viersen, der seit der Premiere im vergangenen Jahr dabei ist. „Die Energie ist dieselbe, vielleicht sogar intensiver, weil alles so dicht aufeinander folgt.“ Eine andere Besucherin aus Mönchengladbach zeigte sich vor allem von der Organisation beeindruckt: „Man kann sich frei bewegen, rausgehen, wieder reinkommen – es fühlt sich wirklich wie ein kleines Festival an, nur ohne lange Wege.“
Tatsächlich trug das Konzept mit Festivalbändchen und flexiblen Zugängen wesentlich zur Atmosphäre bei. Während in der Halle die Musik dominierte, nutzten viele Gäste die Möglichkeit, sich zwischendurch zurückzuziehen, ohne den Anschluss an das Programm zu verlieren. Diese Durchlässigkeit verlieh der Veranstaltung eine gewisse Leichtigkeit, die sich auch im Publikum widerspiegelte.
Für die Veranstalter markierte die zweite Ausgabe eine deutliche Weiterentwicklung. Nachdem das Format 2025 erstmals in der NEW Box erprobt worden war und bereits damals rund 1000 Besucher angezogen hatte, wurde das Konzept nun sichtbar geschärft. Neben einem neuen visuellen Auftritt – das bisherige „REDBOX“-Branding wich dem Namen „NEW Box“ – lag der Schwerpunkt vor allem auf einer noch dichteren Programmstruktur und einer stärkeren Inszenierung der einzelnen Acts.
Auch aus Sicht der Künstler war die Resonanz bemerkenswert. Viele der beteiligten Musiker zeigten sich sichtlich angetan von der Intensität des Publikums, das über Stunden hinweg eine gleichbleibend hohe Aufmerksamkeit aufrechterhielt. Zwischen Headbanging, Mitsingen und rhythmischem Klatschen entstand ein Wechselspiel, das Bühne und Zuschauerraum eng miteinander verband. Bis kurz vor Mitternacht hielt die Spannung an. Die Bässe ließen die Luft vibrieren, während sich die letzten Songs in der Halle entfalteten. Als schließlich die finalen Töne verklangen, war der Abend zwar beendet, doch die Fortsetzung bereits beschlossen: Für den 13. März 2027 wurde eine neue Ausgabe des „Temple of Rock“ angekündigt. (sk)





