Dublin: Herz der grünen irischen Insel

Guinness, Oscar Wild, Temple Bar, Irish Stew, Strand, sattes Grün – Dublin hat viel zu bieten und ist trotzdem eine „ganz normale“ Großstadt. Wandeln Sie auf den Spuren der Literatur, erleben Sie ein funktionierendes Kneipenleben, tauchen Sie ein in die jahrhundertealte Geschichte und spazieren Sie am Meer entlang.

Dublin/Irland/Reisen – Dublin, an der Ostküste der grünen Insel Irland, ist die Hauptstadt der Republik und gespickt mit den vielfältigsten Eindrücken. Das Dublin Castle aus dem 13. Jahrhundert oder die imposante St. Patrick’s Cathedral mit ihrem Fundament aus dem Jahr 1191 bieten das Flair der Geschichte, welchem auch im National Museum of Ireland gedacht wird. Riesige Grünanlagen wie der Phoenix Park mit dem Dubliner Zoo oder das St. Stephens’s Green im Stadtzentrum laden zum Verweilen ein. Doch ungebrochen polarisiert das Viertel „Temple Bar“ mit seinen Kneipen, Pubs, Musik und heimischen Essen – auch wenn man spätestens nach Schließung der Pubs seinen Weg nur noch auf den Mainstream lenken, dunkle Ecken meiden sollte.

Foto: Rheinischer Spiegel

Denn Temple Bar ist ein Ort zum Ausgehen und Erleben. Hier locken nicht nur Pubs und Musik, sondern auch kleine Läden mit ungewöhnlichen Waren und am Wochenende kleine Märkte mit Produkten aller Art (Samstags: Temple Bar Food Market, Meetinghouse Square | Samstags und Sonntags: Temple Bar Book Market, Temple Bar Square | Samstags: Designer Markt, Cow’s Lane). Bis in die 1980er Jahre hinein war das Viertel heruntergekommen, sollte abgerissen werden. Die niedrigen Mieten lockten Künstler und Freigeister an und schufen den heutigen Charme. Um 1990 entschlossen sich die Verantwortlichen das Viertel zu erhalten, restaurierten die verfallenen Gebäude und schufen ein kulturelles Highlight der besonderen Art. Ausstellungen und Kunstwerke, darunter die Wall of Fame mit Bildern irischer Musiker, das Irish Photography Centre oder das National Wax Museum, welches 1983 eröffnet wurde, sind gern besuchte Ziele.
Immer dem Kopfsteinpflaster folgend führt es vorbei an traditionell irischen Pubs und zur originalen Temple Bar, in der die größte Whisky-Sammlung mit über 450 Flaschen aufwartet. Die Iren selbst fehlen jedoch hier. Das Publikum ist international, sucht man das Ursprüngliche muss man abseits der touristischen Pfade suchen.

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Zu einem touristischen Anziehungspunkt hat sich auch das Guinness Storehouse entwickelt. Im Herzen Dublins gelegen schreiben wir das Jahr 1759 als ein Bierbrauer mit Namen Arthur Guinness einen 9.000 Jahre laufenden Mietvertrag für die Brauerei unterschrieb – für 45 Pfund Miete im Jahr. Heute ist das Storehouse eine der meist besuchten Attraktionen Irlands, bietet ein Erlebnis rund um das Bierbrauen, das Guinness und eine Bar mit einem 360-Grad-Ausblick.

Vom Leben zum Tod lockt die Geschichte des Friedhofs Glasnevin und ganz Irlands. Gerade deshalb ist ein Besuch eine Besonderheit. 1832 war es der erste Friedhof für Katholiken, war und ist jedoch offen für alle Glaubensrichtungen. 50 ha ist er groß, 1,5 Millionen Iren sind hier beigesetzt. Er gibt einen Eindruck der Politik seit dem 18. Jahrhundert, von dem Kampf der Iren, von ihrer Unabhängigkeit – übrigens mit einem angeschlossenen Museum und der Möglichkeit einer Führung. Viele berühmte Iren wie der Politiker Daniel O’Connell, der Sänger der Dubliners Luke Kelly oder der Präsident der Republik Éamon de Valera sind hier beigesetzt worden. Noch im 18. und 19. Jahrhundert waren die Türme mit Wachen besetzt um den Leichendiebstahl zu beenden. Drei Pfund brachte eine Leiche auf dem Schwarzmarkt ein, auf dem Ärzte leblose Körper für die Wissenschaft erstanden.

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Vom Friedhof aus bietet sich passenderweise ein Besuch in Dublins Kathedralen an. Die St. Patrick’s Cathedral wurde neben einer Quelle erbaut. Hier taufte der irische Schutzheilige Konvertiten. Die Kathedrale birgt in ihrem Inneren zahlreiche Skulpturen, bunte Fenster und eine beeindruckende Marienkapelle. Nicht weit entfernt liegt ebenfalls die Christ Church, die zur Wallfahrtsstätte tausender Pilger geworden ist.

Wie wäre es neben den kirchlichen Erinnerungen mit dem Besuch im Dublin Castle? Im Jahre 930 v. Chr. Stand hier eine Wikingerfestung, 1201 legte König Johann von England den Grundstein für das heutige Gebäude. Noch heute werden hier die wichtigsten Staatsakte, unter anderem die Amtseinführung neuer Präsidenten, durchgeführt. Hier wurde gerichtet, Dublin Castle diente als Festung und sogar Hinrichtungsstätte. Die mittelalterliche Gruft, die Kapelle oder die Prunkgemächer geben einen Einblick in die vergangenen Zeiten.

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Und wo wir gerade von Gerichten sprechen, liegt auch der Besuch des „Kilmainham Goal“ nah. Das Gefängnis ist die größte Strafanstalt in Europa die heute nicht mehr genutzt wird. In den verlassenen Zellen weht der Wind vieler Legenden, denn bis zur Schließung im Jahr 1924 hat das Gefängnis zahlreiche Leben begleitet. Robert Emmet, Präsident Éamon de Valera oder die Anführer des Osteraufstandes von 1916 saßen hier ein. 1795 erbaut durfte es fast jeden bekannten irischen Freiheitskämpfer unter menschenverachtenden Bedingungen begrüßen und ist heute nationale Gedenkstätte.

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Auch eine Führung im Trinity College gehört bei einem Dublin Besuch einfach dazu. Die Long Room Library verschlägt den Besuchern den Atem, ist eine der schönsten in Europa mit über 200.000 Exemplaren alter Literatur und dem „Book of Kells“ (Buch der Kelten/irisch Leabhar Cheanannais) ist eine illustrierte Handschrift aus dem achten oder neunten Jahrhundert die im Jahre 2011 zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde. Ein absolutes Meisterwerk, welches von Mönchen, Wikingern und dem frühen Christentum berichtet. Zu diesem Besuch gehört zudem ein Spaziergang über den Campus des Trinity College. Die Grundsteine gehen zurück auf das Jahr 1592 und schon Oscar Wilde oder Bram Stoker haben hier täglich „gebüffelt“. Der Eintritt zur Science Gallery ist frei, auf dem Gelände werden zudem wechselnde Ausstellungen geboten.

Apropos Bram Stoker, der bekannte Vater der Draculaliteratur stammt nicht aus Transsilvanien, er war Dubliner und arbeitete bei der Dienstaufsichtsbehörde der Justizverwaltung im Dublin Castle. Unzufrieden mit seiner Tätigkeit widmete er sich seiner Leidenschaft, der Schriftstellerei, schrieb ein Handbuch für Vorsitzende bei Schnellgerichtsverfahren und schuf die literarische Figur „Graf Dracula“. Heute ist daraus ein touristischer Anziehungspunkt mit dem „Castle Dracula“ geworden, eine ungewöhnliche, gruselige Attraktion, die dem irischen Schriftsteller und seinem Meisterwerk gewidmet ist (www.castledracula.ie).

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Ein weiterer Tipp für Dublin ist die South Wall und das Poolbeg Lighthouse an denen sich Seeluft schnuppern lässt und das ungezähmte Meer auf die Besucher wartet. Der Weg ist ungewöhnlich, führt er doch durch den Dubliner Hafen, ein riesiges Gewerbegebiet und an der stinkenden Kläranlage vorbei. Doch wenn man ab dem riesigen Kraftwerk stur die Richtung gen Osten einhält, dann eröffnet sich ein Freizeitbereich der Dubliner, den man hier gar nicht erwartet hätte. Der Weg zum Leuchtturm führt über einen schmalen Betonsteg, ein ganzes Stück muss man auf das Meer hinaus wandern. Ist man dort angekommen, eröffnet sich ein wunderbarer Anblick auf die Bucht und das Gefühl mitten auf hoher See zu stehen. (ik)

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