Vom Eck her: Wellness am Remigiusbrunnen

Also manchmal, da wachste morgens auf, gehst durch die Viersener Innenstadt, willst eigentlich nur schnell Brötchen holen … und plötzlich denkste: „Bin ich noch in Viersche oder versehentlich in ’nem Wellnesshotel gelandet?“ Denn unser schöner Remigiusbrunnen hatte dieser Tage plötzlich mehr Schaum als ein All-inclusive-Whirlpool auf Mallorca.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Viersche – Da stand er also, der heilige Remigius, mitten in einer riesigen Schaumbadewanne. Blubbernd. Weiß. Fast romantisch. Fehlt eigentlich nur noch ’ne Duftkerze und irgendeiner, der leise Panflöte spielt.

Und ich sach euch ehrlich: Nach über hundert Jahren Brunnen-Geschichte hat der Mann sich dat vielleicht sogar verdient.

1916 gebaut, im Krieg eingeschmolzen, nach’m Krieg wieder aufgebaut, jahrzehntelang Tauben, Regen und Innenstadtleben ertragen. Irgendwann willste als Heiliger vielleicht auch einfach mal die Füße hochlegen.

Nur dat hier wirkte weniger wie Kururlaub und mehr wie „Schaumbad Spezial – sponsored by Langeweile und Waschmittel“.

Die Kinder fanden’s natürlich großartig. Erwachsene zückten sofort die Handys. Und irgendwo stand garantiert wieder einer und sagte: „Früher hätte et dat nich jejeben.“
Doch. Wahrscheinlich schon. Früher hatten die Leute bloß keine Smartphones dabei.

Dabei passt dat eigentlich perfekt zum Brunnen. Der zeigt ja seit Jahrzehnten die menschlichen Schwächen. Zorn, Geiz, Neid, Trägheit, Wollust … alles fein säuberlich in Bronze gegossen.

Und jetzt kam offenbar noch eine neue Todsünde dazu:
„Übertriebener Humor mit Spülmittel.“

Ich stell mir die Figuren richtig lebendig vor.

Der Pfau der Eitelkeit hat wahrscheinlich direkt geguckt, ob der Schaum seine drei Köpfe auch schön umspült.
Der Seehund der Trägheit dachte sich bloß: „Endlich Wellness.“
Und die Schlange vom Neid war vermutlich beleidigt, weil sie keinen eigenen Whirlpool hat.

Nur der arme Remigius selber saß da wie ein Rentner im Thermalbad, der plötzlich merkt, dat dat Sprudelbecken außer Kontrolle geraten ist.

Dabei steckt ja eigentlich viel Geschichte in dem Brunnen. Ölzweig am Bischofsstab, Evangelisten an den Ecken, lateinische Lebensweisheiten auf’m Sitz. „Abstine, Sustine, Agredere.“
Auf Deutsch ungefähr:
„Reiß dich zusammen, halt durch und pack an.“

Was in Viersen mittlerweile eher klingt wie die Beschreibung eines normalen Innenstadtbesuchs.

Und trotzdem – ich musste lachen.

Nicht, weil man öffentliche Brunnen einschäumen sollte. Soll man natürlich nich. Irgendeiner darf dat hinterher wieder sauber machen, und dat is meistens nicht derjenige mit der Schaumidee.

Aber irgendwie zeigt dat auch wieder diesen typisch niederrheinischen Humor:
Große Weltpolitik interessiert keinen, aber wenn der Remigius plötzlich aussieht wie Captain Iglo im Schaumbad, dann bleibt die halbe Fußgängerzone stehen.

Vielleicht war dat sogar die lebendigste Kunstaktion seit Jahren in der Innenstadt.

Und ganz ehrlich?
Bevor wieder irgendeiner nachts den Brunnen beschmiert oder den Pfau beklebt, nehm ich lieber einmal Schaumbad für den heiligen Remigius.

Der hat in den letzten hundert Jahren wahrscheinlich schon Schlimmeres gesehen.

Euer
Jupp van’t Eck

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming