Mahnwache auf dem Kempener Buttermarkt setzte ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Am gestrigen Sonntagabend hat der Ortsverband Kempen von Die Linke auf dem Buttermarkt zu einer Mahnwache anlässlich des IDAHOBIT aufgerufen.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming

Kempen – IDAHOBIT? Nein, das ist kein Buchstabensalat, sondern steht für den International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia, and Transphobia. Vor der Kulisse des historischen Platzes in der Kempener Innenstadt versammelten sich die Teilnehmer der Mahnwache, darunter auch Mitglieder des CSD-Vereins Kreis Queersen e.V., um auf die anhaltende Diskriminierung von LSBTIQ+-Menschen aufmerksam zu machen und für gesellschaftliche wie politische Solidarität zu werben. Der Aktionstag, der weltweit am 17. Mai begangen wird, rückte damit auch in Kempen die Frage nach Gleichberechtigung, Schutz und Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in den Mittelpunkt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia erinnert seit Jahren an einen historischen Einschnitt: Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrer Liste psychischer Krankheiten. Aus diesem Datum hat sich ein internationaler Gedenk- und Aktionstag entwickelt, der nicht nur auf frühere medizinische und gesellschaftliche Stigmatisierung verweist, sondern auch auf die fortbestehenden Konflikte, denen queere Menschen vielerorts ausgesetzt sind. In Kempen wurde dieser Zusammenhang am Sonntag in eine lokale Form des Protestes und der Mahnung übersetzt.

Die Mahnwache stand unter dem Eindruck einer politischen Lage, die sich auch im kommunalen Raum nicht von den gesellschaftlichen Spannungen der Gegenwart löst. Die Organisatoren stellten das Anliegen in den Kontext einer globalen Entwicklung, in der rechtliche Fortschritte für LSBTIQ+-Personen zwar vielerorts sichtbar sind, zugleich aber antiemanzipatorische Tendenzen, Polarisierung und autoritäre Gegenbewegungen wieder an Einfluss gewonnen haben. Der IDAHOBIT 2026 steht unter dem Motto „Im Herzen der Demokratie“ – ein Leitgedanke, der nach Angaben des internationalen Beratungsgremiums in enger Abstimmung mit regionalen und weltweiten LGBTQIA+-Netzwerken entwickelt wurde. Er soll daran erinnern, dass Demokratie ohne Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit nicht dauerhaft Bestand haben kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf dem Buttermarkt, einem zentralen Ort des öffentlichen Lebens in der Altstadt, verband sich der Aufruf zu Respekt und Schutz mit dem sichtbaren Anspruch, im Alltag Präsenz zu zeigen. Gerade darin liegt ihr Charakter: Sie machen sichtbar, was im politischen Streit oft abstrakt bleibt. Der IDAHOBIT ist seit seiner erstmaligen Begehung im Jahr 2005 zu einem weltweiten Aktionstag geworden. Jährlich nutzen Initiativen, Verbände, Kommunen, Vereine und private Gruppen den 17. Mai, um über Diskriminierung aufzuklären, auf Gewalt gegen LSBTIQ+-Personen hinzuweisen und politische Schutzmaßnahmen einzufordern. In vielen Ländern stehen an diesem Tag Aufklärungskampagnen, Kundgebungen, Gespräche mit Passanten oder symbolische Aktionen im öffentlichen Raum im Zentrum. Die Formen unterscheiden sich, das Anliegen bleibt gleich: Es geht um Sichtbarkeit, um den Schutz vor Ausgrenzung und um die Anerkennung, dass sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität keine Gründe für Benachteiligung sein dürfen.

Dass der Aktionstag in diesem Jahr mit dem Thema „Im Herzen der Demokratie“ überschrieben wurde, verleiht ihm zusätzliche politische Schärfe. Die Formulierung verweist nicht nur auf die Rechte einer Minderheit, sondern auf das Selbstverständnis offener Gesellschaften insgesamt. Wer Demokratie ernst nehme, so die dahinterstehende Botschaft, müsse auch diejenigen schützen, die häufig Zielscheibe von Hetze, Vorurteilen oder institutioneller Benachteiligung seien. In dieser Perspektive geht es nicht um ein Sonderinteresse, sondern um den Maßstab, an dem sich demokratische Kultur messen lässt. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming